5. Denn niemals sind wir mit Schmeichelworten umgegangen, wie ihr wisset, noch mit gewinnsüchtigen Absichten. Gott ist Zeuge! 6. Wir suchten keine Ehre bei den Menschen, weder bei euch, noch bei andern.
7. Wir hätten als Apostel Christi euch zur Last fallen dürfen. Denn niemals sind wir mit Schmeichelworten umgegangen.“ Damit will der Apostel sagen: Nie waren meine Worte darauf gerichtet, eure Gunst zu erwerben. So machen es Jene, die betrügen wollen, die auf Geld oder Herrschaft ausgehen. Niemand kann be- 563 haupten, daß ich euch schmeichelte, der Herrschaft wegen; Niemand kann sagen, ich sei des Geldes wegen zu euch gekommen.
In Bezug auf den ersten Punkt nun, der äußerlich zu erkennen war, die Schmeichelei nämlich, ruft er die Gläubigen selbst zu Zeugen auf mit den Worten: „Ihr wisset es selbst, ob ich geschmeichelt habe.“ In Bezug auf den andern Punkt, der nicht äußerlich zu erkennen ist, die gewinnsüchtige Absicht nämlich, ruft der Apostel Gott selbst zum Zeugen an.
„Wir suchten keine Ehre bei den Menschen, weder bei euch, noch bei andern. Wir hätten als Apostel Christi euch zur Last fallen dürfen.“ Damit will der Apostel sagen: Wir haben keine Ehrenbezeigungen gesucht, wir sind nicht mit prunkendem Gefolge aufgetreten, und wenn wir es gethan hätten, so hätten wir damit nichts Ungeeignetes gethan. Denn wenn Abgesandten irdischer Könige äußere Ehrenbezeigungen erwiesen werden , um wie viel mehr hätte ich Anspruch darauf!
Beachtet wohl, daß der Apostel nicht sagt, er sei geringschätzig behandelt worden oder er habe keine ehrenvolle Aufnahme gefunden, — denn damit hätte er ihnen einen Vorwurf gemacht — nein, er sagt nur: „Wir haben solche Ehrenbezeigungen nicht gesucht.“ Nachdem ich nun eigentlich berechtigt gewesen wäre, Ehrenbezeigungen zu verlangen, und sogar die Würde meiner Sendung solche erheischt hätte, ich aber trotzdem keine suchte, kann mir dann Ehrgeiz und Ruhmsucht vorgeworfen werden? Und wenn ich sogar solche gesucht hätte, könnte man mir dennoch keinen Vorwurf daraus machen. Denn es wäre nicht mehr als billig, daß den Abgesandten Gottes an die Menschen, die gleichsam als Gesandte des Himmels er- 564 scheinen, große Ehren zu Theil werden. Allein ich thue von all Diesem Nichts, um den Gegnern den Mund zu stopfen.
Man kann auch nicht sagen, daß ich es bloß bei euch so mache, denn im Briefe an die Korinthier heißt es: „Ihr lasset es euch ja gefallen, wenn man euch knechtet, wenn man euch aufzehrt, wenn man euch das Eure nimmt, wenn man sich erhebt, wenn man euch ins Angesicht schlagt.“ Und ein anderes Mal: „Sein persönliches Auftreten ist schüchtern und sein Vortrag erbärmlich.“ Und wieder: „Verzeihet mir dieses Unrecht!“ An diesen Stellen zeigt der Apostel, daß er gar demüthig sei, weil er so Vieles erduldete, hier aber spricht er auch vom Gelde, indem er sagt: „Wir hätten euch als Apostel Christi zur Last fallen dürfen.“ Aber wir haben uns schonend unter euch benommen. Gleichwie eine Säugende ihre Kinder pflegt,