Aber du fürchtest, mit solcherlei Reden Andern lästig zu fallen? Wenn du nun schweigst davon, wirst du dadurch das Feuer der Hölle auslöschen? Oder zündest du es an dadurch, daß du davon sprichst? Mit nichten; es wird eben fortbrennen, gleichviel, oh du davon redest oder nicht. Darum, willst du einmal nicht selber in die Hölle kommen, so mußt du unabläßig davon reden. Denn eine Seele, welche die Hölle fürchtet, wird nicht leicht in Sünde fallen. O es gibt eine unbezahlbare Mahnung! Möchtest du sie nie deinem Gedächtnisse entschwinden lassen; sie heißt: „Gedenke deiner letzten Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen!“ Wer immer mit Angst und Bangen an die Ablegung der Rechenschaft denkt, der wird nicht leicht in Sünde fallen. Denn die Furcht, so da im Herzen wohnet, verbannt daraus alles Sündhafte. Denn wenn schon ein Gespräch über die Hölle uns so mächtig ergreift und erschüttert, um wie viel mehr muß dann reinigender als jegliches Feuer der Gedanke an die Hölle die Seele läutern, wenn er nicht bloß vorübergehend, sondern beständig in unserm Herzen wohnt!
Denken wir daher öfter an die Hölle, als an den Himmel! Denn die Furcht ist mächtiger als die Hoffnung, und ich kenne Viele, die gerne alle ihre irdische Habe hingegeben hätten, wenn sie sich damit nur einen Freibrief gegen die Höllenstrafen hätten kaufen können. Ja, ich selber würde mich hochbeglückt fühlen, wenn ich gewiß wüßte, daß ich nicht der ewigen Höllenstrafe verfalle. Ja es ist wahr, 756 wer allzeit recht lebendig an die Hölle denkt, der wird ihr entrinnen, und wer im Leben selten an sie denkt, der wird in die Hölle gestürzt werden. Es ist wie mit den weltlichen Gerichten. Wer sich vor ihnen recht fürchtet, der wird von ihnen ganz verschont bleiben; wer aber nach ihnen Nichts frägt, der wird ihnen am ehesten anheimfallen. Hätten die Niniviten den Untergang nicht gefürchtet, so wären sie demselben wirklich verfallen. Nun aber haben sie ihn gefürchtet und sind darum dem Verderben entronnen. Hätten die Menschen zur Zeit Noe’s die Sündfluth gefürchtet, so wären sie nicht in den Fluthen umgekommen. Hatten die Sodomiten sich gefürchtet, so wären sie nicht mit Pech und Schwefel verbrannt worden. Ja, es ist eine schlimme Sachen wenn man Drohungen verachtet! Nichts kommt an Nützlichkeit den Unterredungen über die Hölle gleich. Dadurch werden unsere Seelen geläuterter als das blankste Silber. Höret die Worte des Propheten: „Deine Gerichte stehen mir allezeit vor Augen.“ Auch der Heiland selbst redet gar oft davon. Mögen solche Reden auch den Hörer in Betrübniß versetzen, sie sind dennoch über die Maßen nützlich.