Und weil die gegenseitige Liebe eines Jeden von euch allen immer thätiger wird, 4. so daß wir uns selbst eurer bei den Gemeinden Gottes rühmen.
In dem ersten Briefe an die Thessaloniker schreibt der Apostel, daß alle Gemeinden von Mazedonien und Achaja widerhallten von Äußerungen der Bewunderung bezüglich des Glaubens der Thessaloniker, „so daß wir,“ das sind die Worte des Apostels, „nicht nöthig haben, Etwas davon zu sagen, denn sie selbst verkünden von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden.“ In diesem Briefe aber heißt es: „So daß wir uns eurer rühmen.“ Wie stimmt das zusammen? Früher sagt er: Sie haben nicht nöthig, daß wir sie über euern Glauben belehren, jetzt aber sagt er nicht: Wir belehren sie darüber sondern: Wir rühmen uns eurer, wir sind stolz auf euch. Wenn nun ich euretwegen Gott danke und mich eurer vor den Menschen rühme, so gebührt es sich wohl noch viel mehr, daß ihr dasselbe thuet ob meines Wirkens; denn wenn eure Thaten 749 verdienen, von Andern gelobt zu werden, so wird man die meinigen doch nimmermehr schelten können.
So daß wir uns selbst eurer bei den Gemeinden Gottes rühmen wegen eurer Standhaftigkeit und eures Glaubens.
Aus diesen Worten geht hervor, daß die Drangsale lange Zeit gedauert haben, denn von Standhaftigkeit kann man doch wohl nur reden bezüglich längerer Zeit, nicht bloß zweier oder dreier Tage. Der Apostel spricht hier aber nicht von der Standhaftigkeit überhaupt. Es gehört gewiß auch dazu schon Standhaftigkeit, wenn man geduldig ausharrt, auch wenn man die verheißenen Güter noch nicht empfängt; aber hier meint der Apostel eine höhere Art von Standhaftigkeit. Und welche? Er meint die Standhaftigkeit in der Verfolgung. Denn daß er diese meint, geht aus den nachfolgenden Worten hervor:
In allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr erduldet.
Sie mußten fortwährend unter Feinden leben, welche ihnen in jeglicher Weise zu schaden suchten, aber sie bethätigten eine unerschütterliche, unentwegte Standhaftigkeit. Ein beschämendes Beispiel fürwahr für alle Diejenigen, welche aus Menschenfurcht ihren Glauben wechseln! Denn zur Zeit, da das Christenthum noch im Entstehen begriffen war, als noch nirgends ein König, ein Machthaber den Glauben angenommen, da nahmen arme Leute, die sich von ihrer täglichen Arbeit nähren mußten, den Kampf auf gegen Diejenigen, welche alle Gewalt in Händen hatten und an der Spitze des Staates standen ; sie ließen sich in einen furchtbaren Krieg ein, aber fest und unentwegt standen sie in ihrem Glauben.