750 5. Zum Beweise des gerechten Gerichtes Gottes.
Beachtet, wie der Apostel die Gläubigen zu trösten weiß! Er hatte geschrieben. Wir danken Gott euretwegen; er hatte auch gesagt: Wir rühmen uns eurer vor den Menschen. Das ist nun Alles ganz schön. Allein in der Trübsal sucht man zuvörderst Befreiung von dem Übel und Bestrafung Derer, so da an dem Leiden schuld sind. Eine schwache Seele nämlich begehrt darnach am allermeisten, eine starke jedoch trägt darnach nicht einmal ein Verlangen.
Was bedeuten nun die Worte: „Zum Beweise des gerechten Gerichtes Gottes“? Der Apostel deutet damit auf die zweifache Vergeltung hin, auf die Bestrafung der Verfolger und die Belohnung der Verfolgten. Es ist, wie wenn er sagen würde, Gottes Gerechtigkeit werde dadurch offenbar, daß er euch krönt, eure Verfolger aber bestraft. Auch das ist ein Trost für sie, daß sie hören, sie würden für ihre Mühen und Drangsale nach dem Maßstabe der Gerechtigkeit gekrönt werden. Zuerst aber spricht der Apostel von ihren Hoffnungen; denn wenn ein Verfolgter auch noch so sehr die Bestrafung seiner Verfolger wünscht, den Lohn und die Vergeltung seiner Mühen ersehnt er doch zu allererst. Darum fährt der Apostel weiter: Daß ihr würdig geachtet werdet des Reiches Gottes, für welches ihr auch leidet.*
Diese Leiden haben euch also nicht darum getroffen, weil eure Bedrücker mächtiger sind als ihr, sondern weil man nur so in das Himmelreich eingehen kann: „Denn 751 durch viele Trübsale,“ heißt es, „müßt ihr in das Reich Gottes eingehen.“
6. Wenn es anders gerecht ist bei Gott, daß er euren Drängern mit Drangsal vergelte, 7. euch aber, den Bedrängten, sammt uns mit Ruhe, wenn der Herr Jesus vom Himmel erscheinen wird mit den Engeln seiner Macht.
Der Ausdruck „wenn anders“ steht hier statt „da ja“. Auch wir bedienen uns einer solchen Ausdrucksweise in Bezug auf anerkannte und unbestreitbare Wahrheiten. Statt also zu sagen: Es ist ganz gerecht, daß Gott Jene bestraft, und darum wird er sie auch bestrafen, drückt sich der Apostel anders aus und schreibt: Wenn es gerecht ist, daß Gott sie züchtigt, wird er sie auch ganz gewiß züchtigen. Es ist die gleiche Ausdrucksweise, wie wenn er sagen würde: Wenn Gott an dem Thun der Menschen Etwas liegt, wenn er sich darum kümmert. In demselben Sinne gebraucht der Apostel hier den Ausdruck „wenn anders“, nämlich bezüglich einer ausgemachten Sache, wie man z. B. auch sagt: Wenn Gott anders die Bösen haßt. Durch eine solche Ausdrucksweise bezweckt er, die Zuhörer gleichsam unwillkürlich selbst die Behauptung aussprechen zu lassen: Ja, er haßt sie. Derartige Wahrheiten stehen nämlich so fest, daß sie gar nicht bezweifelt werden, und so kann auch der Apostel sich auf die eigene Überzeugung der Gläubigen berufen, bezüglich Dessen, was gerecht sei. Denn wenn die Vergeltung des Guten und Bösen schon im menschlichen Verkehre als gerecht erscheint, um wie viel mehr muß dieselbe gerecht erscheinen vor den Augen Gottes!
752 Daß er euern Drängern mit Drangsal vergelte, euch aber, den Bedrängten, sammt uns mit Ruhe.“ Wie nun? Wird diese Vergeltung den Drangsalen hienieden ganz gleich sein? Keineswegs. Aus dem Folgenden ist nämlich zu entnehmen, daß die Qual viel ärger, die Belohnung weit größer sein werde.
Einen weiteren Trostgrund gibt der Apostel an, indem er sagt, daß Diejenigen, welche seine Leiden getheilt haben, auch an seiner Belohnung Antheil haben werden. Denn das liegt an den Worten „sammt uns“, und mit diesen Worten stellt er sie zugleich hinsichtlich der Belohnung auch in die Reihe Derjenigen, die unzählig viel Gutes gewirkt haben und mehr als sie.
Sodann bezeichnet der Apostel auch noch die Zeit der Vergeltung und ermuthigt durch die Beschreibung gar sehr die Gläubigen. Durch sein Wort sehen sie jetzt schon gleichsam den Himmel offen, sein Inneres tritt ihnen vor Augen, sie schauen das himmlische Kriegsheer um den Herrn geschaart, durch die Darstellung des Ortes und der handelnden Personen entwirft er ein so großartiges Bild, daß die Gläubigen freudig aufathmen.