Da jedoch diese Beweisführung so bündig ist, daß sofort, wenn sie vorgebracht wird, keine weitere Verhandlung mehr notwendig ist, so wollen wir einstweilen, gerade als hätten wir sie noch nicht vorgebracht, der Gegenpartei noch Raum geben, wenn sie glaubt, irgend etwas auftreiben zu können, um diese Einrede zu entkräften. Ihre gewöhnliche Ausrede ist: Die Apostel hätten nicht alles gewußt; von derselben Verblendung getrieben, in der sie das Oberste zu unterst kehren, sagen sie: Die Apostel hätten zwar alles gewußt, aber nicht allen alles mitgeteilt und hängen mit jeder der beiden Behauptungen Christus einen Tadel an, entweder er habe zu wenig unterwiesene oder er habe zu wenig aufrichtige Leute als Apostel ausgesendet. Welcher Mensch von gesunden Sinnen kann nun glauben, irgend etwas sei denen unbekannt geblieben, welche uns der Herr zu Lehrern gegeben hat, die er als unzertrennliche Gefährten in seinem Gefolge, in seinem Unterricht, in seiner Lebensgemeinschaft bei sich hatte, welchen er alles Dunkle noch besonders zu erklären pflegte, indem er 328sagte, ihnen sei es gegeben, die Geheimnisse kennen zu lernen, welche dem Volke zu verstehen nicht gegeben sei! Ist dem Petrus etwas verborgen geblieben, ihm, welcher der Fels zum Aufbau der Kirche genannt wurde, der die Schlüssel des Himmelreichs erhielt und die Gewalt, im Himmel und auf Erden zu binden und zu lösen? Und dem Johannes, dem geliebtesten Jünger des Herrn, der an seiner Brust lag, dem der Herr allein den Verrat des Judas vorher anzeigte, den er an seiner Stelle Maria als Sohn empfahl, ist ihm wohl etwas verborgen geblieben? Was hätte er denen verheimlichen wollen, welchen er gewährte, sogar seine Herrlichkeit zu schauen, und Moses mit Elias, und dazu die Stimme des Vaters vom Himmel zu vernehmen? Nicht, als wenn er die übrigen damit zurückgesetzt hätte, sondern weil bei der Aussage dreier Zeugen jegliche Sache feststeht. Es sind dann auch wohl diejenigen unwissend geblieben, welchen er nach der Auferstehung unterwegs alle Schriften auf zuschließen sich würdigte. - Er hatte allerdings früher einmal geäußert: „Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es noch nicht tragen“, doch fügte er gleich hinzu: „Wenn jener Geist der Wahrheit gekommen sein wird, der wird euch in alle Wahrheit einführen“. Damit gibt er hinlänglich zu erkennen, daß nichts denen unbekannt geblieben sei, welchen er verspricht, daß sie durch den Geist der Wahrheit in den Besitz aller Wahrheit gelangen sollen. Und er hat in der Tat auch seine Verheißung erfüllt, da die Apostelgeschichte die Herabkunft des Hl. Geistes bestätigt. Diejenigen, welche dieses Buch der Schrift nicht annehmen, die können auch nicht des Hl. Geistes sein, als solche, die noch nicht imstande sind, den den Schülern gesendeten Hl, Geist zu erkennen. Ebensowenig können sie dann aber auch behaupten, sie seien die Kirche, da sie kein Mittel haben, um zu zeigen, wann 329dieser Leib gegründet worden und welches seine Wiege sei. Daß sie keine Beweise für die von ihnen verteidigten Lehren haben, daran liegt ihnen gar nichts; wenn nur zugleich den Widerlegungen der von ihnen vorgebrachten Lügen die Zulassung versperrt wird.