„Von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten.“ Seine Ankunft zeigt die Apostelgeschichte an. Nach seiner Auferstehung verweilte er nämlich vierzig Tage und vierzig Nächte bei seinen Jüngern, ging bei ihnen ein und aus, aß und trank, nicht als ob er eine Schwäche fühlte, sondern um sie von der Wahrheit zu über- 446 zeugen. Als sie ihn am vierzigsten Tage sahen und so zu sagen mit ihren Augen in den Himmel begleiteten, da „standen zwei Männer bei ihnen im weissen Gewande und sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr da und schauet zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch in den Himmel aufgenommen wurde, wird so wieder kommen, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen.“ Er wird also kommen, meine Brüder, er wird wirklich kommen; der früher verborgen kam, wird sichtbar in Gewalt kommen. Der Gerichtete kommt, um zu richten; der vor einem menschlichen Richter stand, wird jeden Menschen richten. „Gott wird sichtbar kommen.“ Was bedeuten die Worte: Gott wird sichtbar kommen? Er wird nicht wie früher als demüthiger Mensch, sondern als Gott-Mensch in erhabener Majestät kommen und richten. Und wie wird er richten? Er wird nicht wie ein irdischer Richter Zeugen verhören, um dich zu überweisen, noch die Wahrheit durch Folter erforschen, um den Geständigen zu bestrafen, weil dort die Gerechtigkeit selbst zu Gericht sitzt und das böse Gewissen gegen sich selbst zeugt. Geliebteste! Jener Richter wird weder durch Gunst gewonnen, noch durch Mitleid gerührt, noch durch Geld bestochen, noch durch Genugthuung besänftiget. Hienieden so lange es Zeit ist, so lange noch der Barmherzigkeit eine Stelle eingeräumt ist, führe jede Seele ihre Sache; denn dort, wo nur die Gerechtigkeit allein herrscht, kann sie ihre Sache nicht mehr führen. Hier thue die Seele Buße, damit der Richter seinen Urtheilsspruch abändern kann; hier theile sie Brod aus, um dort Heil zu empfangen; hier übe sie Barmherzigkeit, um dort Verzeihung zu erlangen.
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