„Im ewigen Leben.“ Jenes ganze Glück, daß wir auf- 451 erweckt werden, und daß wir von Sünden frei sein werden, ist ein ewiges und wird deßhalb ein immerwährendes Gut sein, weil es im ewigen Leben bleiben wird. Wer sollte aber das Wesen des von Gott seinen Heiligen verheissenen Gutes mit Worten erörtern? Leichter können wir indessen angeben, was im ewigen Leben nicht sein wird, als was dort sei. Dort ist kein Tod, keine Trauer, keine Müdigkeit, keine Schwäche, kein Hunger, kein Durst, keine Hitze, keine Verweslichkeit, kein Bedürfniß, keine Trübfal, keine Niedergeschlagenheit. Hiemit haben wir gesagt, was dort nicht sein wird. Wollt ihr aber wissen, was dort sei? „Kein Auge hat es gesehen, und kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was der Herr denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Wenn es in keines Menschen Herz gekommen ist, so schwinge sich das Menschenherz dort hinauf. Das Herz reinige sich von jeder Unreinigkeit, auf daß es Gott, die wahre und ewige Gerechtigkeit, in sich tragen könne. Es bleibt Gott in dem Herzen Desjenigen, der glaubt und ihn liebt, und es bleibt der Mensch in Gott d. h. im ewigen Leben, der Belohnung eines Gott liebenden Herzens.
Wer nicht in seiner Kirche ist, der kann weder glauben noch ihn lieben; denn Jeder, der ausser ihr steht, ist nicht bei Gott, dem ewigen Leben. Daher erfolgt der Schluß dieses Sakramentes durch die Kirche, weil sie die fruchtbare, unversehrte, keusche und überall verbreitete Mutter ist. Diese gebiert Gott geistige Kinder, nährt die Kleinen mit 452 der geistigen Milch seiner Worte, lehrt die Knaben Weisheit, bewahrt die Jünglinge durch ihre heilige Keuschheit vor Üppigkeit und Unreinheit, waffnet die Männer mit der Kraft der Tugend gegen den Teufel und lehrt Greise Klugheit, welche die an Jahren weit vorgerückten Alten verehrungswürdig macht. Durch sie loben Jünglinge und Jungfrauen, Ältere und Jüngere, jedes Alter und jedes Geschlecht den Namen des Herrn. Sie ruft die irrenden Söhne zurück, beweint und beklagt die erstorbenen und weidet unermüdet die treuergebenen. Diese wollen wir, Geliebteste, alle lieben, einer so liebevollen und für uns so ängstlich beforgten Mutter wollen wir anhängen, um zugleich mit ihr und durch sie Gott dem Vater ewig verbunden zu werden.
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