Um die der Synode gestellte Aufgabe, welche in unserem Schreiben selbst angegeben ist, desto sicherer zu erreichen, wurde für sie gerade die durch ihre Lage im Centrum des ganzen römischen Reiches zu einer zahlreichen Versamm- 133 lung besonders geeignete Stadt Sardikaausersehen: es kamen auch wirklich 97 orthodoxe, meistens abendländische, 76 eusebianische, fast alle orientalische Bischöfe zusammen;letztere aber wollten wegen der Anwesenheit des Athanasius und anderer von ihnen abgesetzten Bischöfe an dieser Synode nicht Theil nehmen und hielten in der benachbarten Stadt Philippopolis eine Aftersynode. Nach Beendigung ihrer Aufgabe richtete die legitime Synode von Sardika ein encyklisches Schreiben an alle Bischöfe, ein anderes an die Gemeinde von Alexandrien und andere, deren Bischöfe ungerecht abgesetzt waren, und ein drittes an den Papst Julius, in welchem sie über die Verhandlungen Bericht erstatten. Dasselbe ist demnach im J. 344 verfaßt, wohl schon von Anfang her in lateinischer Sprache und auch nur mehr in dieser bei Hilarius Frg. t. II. p. 1297 in der Collectio Cresconiana vorhanden.
Was wir stets geglaubt haben, fühlen wir jetzt; denn 134 die Erfährung beweist und bestätigt, was ein Jeder gehört hat. Denn wahr ist, was der seligste Lehrer der Heiden, der Apostel Paulus von sich gesagt hat, obwohl man, da Christus der Herr in ihm wohnte, nicht zweifeln kann, daß der (heilige) Geist durch seinen Geist geredet und das Organ seines Leibes ertönen gemacht. So warst auch du, geliebtester Bruder, obwohl dem Leibe nach entfernt, doch dem einmüthigen Geiste und Willen nach zugegen; anständig und triftig war die Entschuldigung (deiner) Abwesenheit, damit weder die Schismatiker (wie) Wölfe listiger Weise stehlen und rauben, noch die Häretiker (gleich) wüthend gemachten Hunden wahnsinnig bellen, noch die Schlange, der Teufel, das Gift der Lästerer ausspeie. Denn das wird als das Beste und Passendste erscheinen, wenn die Herrn Priester (Bischöfe) aus den einzelnen Provinzen an das Haupt, d. i. an den Stuhl des Apostels Petrus, Bericht erstatten.
Weil also Alles, was geschehen, was verhandelt, was beschlossen wurde, sowohl die Acten enthalten, als auch un- 135 unsere theuersten Brüder und Mitpriester Archidamus und Philoxenus und unser theuerster Sohn, der Diakon Leo, auf das wahrhaftigste und getreu berichten können werden, möchte es fast überflüssig erscheinen, dasselbe in diesem Briefe mitzutheilen. Allen Versammelten war es offenbar, daß Jene aus dem Orient, die sich Bischöfe nennen, — obwohl aus ihnen Viele die arianische Häresie mit ihrem tödtlichen Gifte angesteckt hatte, — nachdem sie sich lange Ausflüchte gesucht, aus Mißtrauen (in ihre Sache) nicht zum Gerichte kommen wollten und sowobl deine als unsere Gemeinschaft verschmähten, da wir doch keine Schuld hatten, indem nicht nur wir 80 Bischöfen, welche einmüthig die Unschuld des Atbanasius bezeugten,Glauben schenkten, sondern auch Jene. obwohl durch deine Priester und dein Schreibeneingeladen, nicht zu der bevorstehenden Synode nach Rom kommen wollten. Sehr ungerecht wäre es also gewesen, weil Jene sie verachteten, dem Marcellus und Athanasius trotz des Zeugnisses so vieler Priester die Gemeinschaft zu verweigern.
Drei Gegenstände waren zu verhandeln. Denn selbst die höchstfrommen Kaiser gestatteten, daß Alles von Neuem geprüft und besprochen werde, vor Allem über den heiligen Glauben und über die Reinheit der Wahrheit, welche geschädigt war; zum zweiten bezüglich der Personen, welche siefür abgesetzt erklärten, die Ungerechtigkeit des Urtheiles 136 zu untersuchen oder, wenn sie dasselbe hätten beweisen können, es nach Recht zu bestätigen. Die dritte Frage aber, welche wahrhaft eine Frage zu nennen ist, betraf die schweren und harten Ungerechtigkeiten, die unerträgliche und unsägliche Schmach, welche sie den Kirchen zugefügt hatten, da sie Bischöfe, Priester, Diakonen und alle Kleriker griffen und in’s Exil schickten, in Wüsten schleppten, durch Hunger, Durst, Blöße und jeglichen Mangel tödteten, Andere in Kerker einschloßen und durch Schmutz und Faulniß zu Grunde gehen ließen, Einige durch eiserne Ketten, so daß ihr Hals durch die enge anliegenden Fesseln erdrosselt wurde. Manche von den Gefesselten giengen in dieser ungerechten Strafe zu Grunde, deren Tod ohne Zweifel ein glorreiches Martyrium war. Auch jetzt noch wagen sie es, Einige gefangen zu halten, die sich nichts Anderes zu Schuld kommen ließen, als daß sie sich gegen Jene widersetzten und erklärten, daß sie die Häresie des Arius und Eusebius verwarfen und mit Diesen keine Gemeinschaft haben wollten. Die aber, welche lieber der Welt dienen als den Nutzen (der Kirche) wahren wollten und vorher vertrieben waren, wurden nicht nur wieder aufgenommen, sondern auch zu geistlichen Würden befördert und erhielten für ihre Falschheit eine Belohnung.
Vernimm ferner, seligster Bruder, was über die gottlosen und unverständigen Jünglinge Ursacius und Valens beschlossen wurde. Da es offenbar war, daß Diese den todtbringenden Samen der falschen Lehre unablässig ausstreuen und weil Valens, nachdem er seine Kirche verlassen, sich in eine andereeindrängen wollte und eben, als er einen Aufstand erregte, einer von unseren Brüdern, welcher nicht mehr 137 fliehen konnte, Viator, niedergeworfen und zertreten wurde und am dritten Tage in derselben Stadt Aquileja starb, war in der That Valens die Ursache seines Todes, da er die Verwirrung und Aufregung hervorgerufen hatte. Aber wenn ihr auch das, was wir den seligsten Kaisern mittheilten, werdet gelesen haben, werdet ihr ersehen, daß wir Nichts übergangen haben; soweit es möglich war, um durch eine zu lange Erzählung nicht lästig zu fallen, haben wir ihnen alles mitgetheilt, was Jene verübt und gethan haben.
Deine ausgezeichnete Klugheit aber soll es veranstalten, daß durch deine Schreiben unsere Brüder in Sicilien, Sardinien und Italienunsere Verhandlungen und Beschlüsse kennen lernen, und damit sie nicht aus Unwissenheit von Solchen Gemeinschaftsbriefe annehmen, welche ein gerechtes Urtheil abgesetzt hat. Marcellus, Athanasius und Asclepius aber sollen in unserer Gemeinschaft verbleiben, weil ihnen ein ungerechtes Urtheil und die Flucht und Weigerung Derjenigen, welche zu dem Gerichte aller Bischöfe, die wir (hier) versammelt sind, nicht kommen wollten, nicht schaden kann. Übrigens wird, wie schon oben erwähnt, der vollständige Bericht der Brüder, welche deine aufrichtige Liebe (hieher) sandte, deine Einmüthigkeit genau belehren. Die Namen aber Derjenigen, welche ihrer Frevelthaten wegen abgesetzt wurden, ließen wir unten anfügen, damit deine erhabene Würde wisse, wer der Gemeinschaft beraubt sei. Wie wir schon vorher sagten, mögest du geruhen, alle unsere 138 Brüder und Mitbischöfe brieflich zu ermahnen, daß sie von Jenen keine Briefe als Gemeinschaftsschreiben annebmen mögen. Die Namen der Häretiker: Acacius von Cäsarea,Ursacius von Singidunum, Menophantus von Ephesus, Valens von Mursa,Georgius von Laodicea, Narcissus von Hierapolis, Stephanus von Antiochien.