Die Eusebianer hatten den mareotischen Priester Pistus, den schon Alexander, der Vorgänger des hl. Athanasius auf dem alexandrinischen Pätriarchalsitze, im J. 320 abgesetzt hatte in Übereinstimmung mit dem übrigen Klerus, und den auch im J. 325 die Synode von Nicäa verurtheilte, dennoch im J. 339 als arianischen Bischof von Alexandrien gegen Athanasius eingesetzt. Hierauf sandten sie den Priester Makarius und die Diakonen Martyrius und Hesychius 96 mit einem gegen Athanasius gehässigen Briefe an Papst Julius, damit dieser den Pistus als rechtmäßigen Bischof von Alexandrien gegen Athanasius anerkennen möge. Dieser Brief ist nach Athanasius von Eusebius, nach Julius’ Ansicht von jenem und einigen anderen Mitarbeitern verfaßt. Da indessen auch die Gesandten des Athanasius in Rom angekommen waren, floh Makarius, aus Furcht von ihnen überwiesen zu werden. Die zwei Diakonen der Arianer aber, die in einer Zusammenkunft mit den Gesandten des Athanasius diese nicht widerlegen konnten, verlangten die Berufung einer Synode. Diesem Wunsche willfahrte auch der Papst und berief den Athanasius selbst nach Rom, der auch alsbald daselbst ankam. Nun forderte Julius in einem durch die Priester Philoxenus und Elpidius überbrachten Schreiben auch die Eusebianer auf, am bestimmten Tag auf der von ihnen verlangten Synode zu erscheinen. Diese aber hielten die päpstlichen Gesandten über die für den Zusammentritt der Synode bestimmte Zeit zurück und entließen sie dann mit einem Schreiben an Julius.
In diesem Briefe, soweit sein Inhalt aus der Antwort des Julius erhellt, warfen sie dem Papste vor, daß er sie schimpflich behandle, (num. 2.) indem er sie, da sie über ihre Entscheidungen Rechenschaft geben wollten, zu seiner Synode berufe, da doch (n. 3.) die Auctorität jeder Synode gewahrt bleiben müsse und dem Richter eine Unbilde zugefügt werde, wenn sein Urtheil von einem Andern geprüft wird. Hiezu berufen sie sich (n. 5.) auf das zu den Zeiten des Novatus oder Novatianus und des Paulus von Samosata Geschehene, wo, wie auch sie es wollen, die Orientalen dem Urtheile der Occidentalen über Novatus und Novatianus und die Occidentalen dem der Orientalen über Paulus von Samosata beitraten. Überdieß, fügten sie hinzu, sei das Ansehen der Bischöfe gleich und dürfe dasselbe nicht nach der Größe der Städte bemessen werden. Ihre Weigerung, nach Rom zu kommen, beschönigten sie (n. 6.) mit der Kürze der ihnen dazu bestimmten Frist und mit der wegen des Perserkrieges für die Orientalen mißlichen Lage. Auch 97 das (n. 8.) verdrieße sie, daß Julius allein, seinen Brief an Eusebius und dessen wenige Gefährten, nicht an sie gerichtet habe. Am meisten aber verargten sie (n. 16.) dem Papste, daß er den Athanasius und Marcellus. „einen Lästerer Christi.„ in seine Gemeinschaft aufgenommen habe, warfen ihm (n. 9. u. 20.) Parteilichkeit vor, indem sie sagten: „Du ersehnst mehr die Gemeinschaft mit Marcellus und Athanasius als unsere.“ Die wenigen Ehrenbezeigungen, die sie (n. 1.) in ihrem Briefe dem Papste schandenhalber erweisen, verschwinden gegen die so vielen Schmähungen, mit denen sie ihn wie einen Friedensstörer überhäufen.
Diesen Brief der Eusebianer hielt Julius aus Besorgniß, daß Alle über eine solche Frechheit erzürnt würden, so lange bei sich zurück, als noch einige Hoffnung war, daß wenigstens Einzelne der Eusebianer nach Rom kommen könnten. Dann aber, als er diese Hoffnung ganz aufgeben mußte, eröffnete er in der an dem Versammlungsorte des Priesters Vito berufenen Synode jenen Brief, den er im Namen der aus mehr als 50 Bischöfen bestehenden Versammlung mit diesem seinem ersten Schreiben beantwortete. Da Athanasius (etwa im Mai des J.) 340 nach Rom kam, in diesem Briefe aber (n. 13.) erwähnt wird, daß er auf Ankunft seiner Gegner in Rom schon 18 Monate vergeblich warte, so dürfte der Brief um den Monat September des J. 341 verfaßt sein; adressirt ist er an Dieselben, welche von Antiochien aus den oben angegebenen Brief au Julius geschickt hatten. Eusebius aber, der bald nach dieser Synode von Antiochia und der Absendung jenes auf derselben abgefaßten Briefes starb, erlebte nicht mehr die Ankunft des päpstlichen Schreibens. Wir verdanken 98 dasselbe dem hl. Athanasius, in dessen Werkenes enthalten ist.
Julius dem Danius, Flacillus, Narcissus, Eusebius, Maris, Macedonius,Theodorus und deren Genossen, welche von Antiochien an uns geschrieben haben, den geliebte Brüdern Gruß im Herrn!
Ich las eueren von meinen Priestern Elpidius und Miloxenus mir überbrachten Brief und staunte, daß ihr mein doch liebevolles und aufrichtiges Schreiben in erbitterter und ungeziemender Weise beantwortet habt. Der Hoch- 99 müth und die Anmaßung der Schreibenden verrieth sich durch den Brief; das aber ist fern vom christlichen Glauben. Denn es geziemte sich wohl, das, was mit Liebe geschrieben war, mit gleicher Liebe und nicht mit Erbitterung zu beantworten. Oder ist das nicht ein Beweis von Liebe, daß ich Priester sandte, die mit den Leidenden mitleiden und die, welche geschrieben hatten, aufmuntern sollten, zu kommen, auf daß endlich Alles so bald als möglich geschlichtet und geordnet werden könne, unsere Brüder nicht länger mehr beunruhigt werden und auch euch Niemand beschuldige? Aber ich weiß nicht, warum es euch beliebte, derart aufgeregt zu werden, daß ihr mich zu dem Verdachte veranlaßt, selbs das, was ihr, um mich zu ehren, zu sagen den Anschein hattet, gewissermaßen mit Verstellung und zum Hohne gesagt zu haben. Die Priester nemlich, die abgesandt waren, und die mit freudigem Herzen hätten zurückkehren sollen, kamen im Gegentheil betrübt zurück über das, was sie dort sich ereignen gesehen hatten. Ich aber, nachdem ich eueren Brief gelesen hatte, behielt ihn nach langer Überlegung bei mir zurück, in der Hoffnung. daß wenigstens Einige von euch kommen würden und es keines Briefes bedürfen werde, und damit jener nicht, wenn er offenkundig würde, Viele hier betrüben möchte. Nachdem es aber, da Niemand kam, nothwendig wurde, ihn zu veröffentlichen, gestehe ich euch, daß Alle von Staunen ergriffen kaum glauben konnten, daß derlei Dinge von euch geschrieben worden seien; denn vielmehr Erbitterung als Liebe trug jener Brief zur Schau. Sollte vielleicht der, welcher den Brief verfaßte, so geschrieben haben, um sich mit seiner Beredsamkeit zu prahlen, so ist das wahrlich die Sache Anderer. Denn in kirchlichen Angelegenheiten ist nicht der Ruhm der Beredsamkeit zu suchen, sondern die apostolischen Satzungen, und darnach zu streben, daß auch nicht Einer von den 100 Kleinen, die in der Kirche sind, ein Ärgerniß nehme. Denn es ist nach einem kirchlichen Ausspruche besser, mit einem Mühlsteine am Halse behangen und so in’s Meer versenkt zu werden, als auch nur Einen aus den Kleinen zu ärgern. Wenn es schon einigen durch gegenseitige Feindschaft Erbitterten (denn daß Alle dieselbe Gesinnung haben, will il nicht sagen) beliebte, einen solchen Brief zu schreiben, so ziemte es sich, entweder gar nicht zu zürnen oder daß die Sonne nicht untergehe über den Zorn; soweit wenigstens, sollte er nicht kommen, daß er auch schriftlich dargethan wurde.
Was ist denn geschehen, das einer Klage werth wäre, oder über welche Worte meines Schreibens mußtet ihr in Zorn gerathen? Etwa, weil wir euch aufgefordert haben, zui einer Synode zu kommen? Das hättet ihr ja vielmehr mit Freuden aufnehmen sollen. Denn Solche, welche zu den von ihnen verhandelten oder, wie sie selbst sagen, beurtheilten Angelegenheiten Vertrauen haben, nehmen es nicht übel, wenn ihr Urtheil von Anderen geprüft wird, sondern sind sicher, daß das, was sie selbst gerecht geurtheilt haben, niemals Unrecht werden kann. Deßhalb haben die auf der großen Synode von Nicäa versammelten Bischöfe, nicht ohne Gottes Rathschluß, gestattet, daß die Acten einer 101 früheren Synode auf einer anderen Synode untersucht werden können, damit sowohl die, welche richten, das bevorstehende zweite Gericht vor Augen haben und die Sache mit aller Vorsicht erwägen, als auch damit die, welche gerichtet werden, glauben, daß sie nicht aus Haß oder Feindseligkeit der früheren Richter, sondern nach Recht und Willigkeit gerichtet worden seien. Wenn ihr nun nicht wolltet, daß eine solche, in der That alte, auf der großen Synode erwähnte und beschriebene Gewohnheit bei euch gelten solle, so wäre eine solche Weigerung ungeziemend. Denn eine Sitte, die sich einmal in der Kirche eingebürgert hat und von Synoden bestätiget ist, darf keineswegs von Wenigen abgeschafft werden. Ohnedieß erscheinen sie hierüber mit Unrecht erzürnt. Denn die, welche von euch Eusebia- 102 nern mit dem Briefe gesandt wurden, nemlich der Priester Makarius und die Diakonen Martyrius und Hesychius haben bei ihrer Ankunft, da sie den hieher gekommenen Priestern des Athanasius nicht Stand halten konnten, sondern in allen Punkten widerlegt und überwiesen wurden, dann von uns verlangt, daß eine Synode angesagt, auch Briefe an den Bischof Athanasius nach Alexandrien und an die Eusebianer geschickt werden sollen, damit in Gegenwart Aller ein gerechtes Urtheil gefällt werden könne; dann würden sie, wie sie versprachen, alle gegen Athanasius vorgebrachten Verbrechen beweisen. Denn öffentlich sind Martyrius und Hesychius von uns überwiesen worden, und da die Priester des Athanasius, des Bischofs von Alexandria, mit Zuversicht ihnen entgegentraten, wurden Martyrius und seine Genossen, damit ich die Wahrheit sage, in allen Puncten widerlegt, und so ist es geschehen, daß sie gezwungen waren, eine Synode zu verlangen. Wenn also, gesetzt Martyrius und Hesychius hätten keine Synode verlangt, ich Ursache gewesen wäre, daß die, welche geschrieben hatten, sich einer Mühe und Beschwerde unterziehen solltenunserer Brüder wegen, die über erlittenes Unrecht sich beklagten, auch in diesem Falle wäre die Aufforderung billig und recht gewesen, da sie kirchlich und Gott angenehm ist. Nun aber da dieselben, welche ihr Eusebianer selbst für vertrauenswürdig gehalten habt, uns gebeten haben, daß eine Synode berufen werde, so ziemte es sich, daß die Berufenen nicht unwillig werden, sondern vielmehr freudig entgegenkommen. Deßhalb ist auch der Unwille derer, welche Dieß mit erzürntem Gemüthe aufzunehmen scheinen, verwegen; die Weigerung aber derer, die (ohnehin) nicht kommen wollten, erscheint unehrenhaft und verdächtig. Tadelt Jemand 103 das, was er billigt, wenn er selbst es thut, sobald er es einen Andern thun sieht?
Denn wenn, wie ihr schreibt, jede Synode ein unerchütterliches Ansehen hat und dem Richter ein Schimpf gefügt wird, wenn sein Urtheil von einem Anderen geprüft wird, so erwäget, Geliebte, wer denn die sind, welche eine Synode entehren und die früher von Anderen gefällten Urtheile aufheben. Und damit ich nicht durch Aufzählung der Handlungen Einzelner Manche zu belästigen scheine, so genügt das zuletzt Geschehene, da es schrecklich zu hören ist, zum Beweise des Übrigen, das von mir übergangen wird. Die Arianer, von Alexander, seligen Andenkens, einst Bischof von Alexandrien, wegen ihrer Gottlosigkeit ausgestoßen, wurden nicht nur von den einzelnen Städten vertrieben, sondern auch gleichfalls von Allen, die zur großen nicänischen Synode versammelt waren, mit dem Banne belegt. Denn nicht leicht war ihre Frevelthat: nicht gegen einen Menschen, sondern gegen unsern Herrn Jesus Christus selbst, den Sohn des lebendigen Gottes, hatten sie gesündiget. Dennoch sollen die, welche vom ganzen Erdkreis verstoßen waren und bei der gesammten Kirche als ehrlos gelten, jetzt wieder aufgenommen worden sein, was auch euch, wenn ihr es höret, nach meiner Ansicht mit Unwillen erfüllen muß. Wer also sind es, die einer Synode Schmach zufügen? Sind es nicht die, welche das Urtheil von dreihundert Bischöfen verachten und die Gottlosigkeit der Frömmigkeit vorziehen? Denn die Irrlehre der Ariomaniter (Arianer) ist von allen Bischöfen überall überwiesen und verurtheilt worden; die Bischöfe Athanasius und Marcellus aber haben Mehrere, die für sie reden und schreiben. Denn von Marcellus wurde uns bezeugt, daß er auf der nicänischen Synode den Arianern entgegengetreten sei. Von Athanasius aber wurde bezeugt, 104 daß er weder in Tyrus überführt wurde noch in der Mareotis, wo die Beweise gegen ihn beigebracht worde sein sollen, zugegen war. Ihr wisset aber, Geliebte, daß, was nur von einer Partei allein verhandelt wird, keine Bedeutung hat, sondern verdächtig ist. Doch haben wir, obgleich so verfahren wurde, der genaueren Untersuchung wegen, ohne Vorurtheil, weder gegen euch noch gegen die, welche zu Gunsten Jener geschrieben hatten, die, welche uns den Brief gesandt, ermahnt, hieber zu kommen, damit, da doch Mehrere für Jene geschrieben haben, auf einer Synode Alles geprüft werde, auf daß nicht der Unschuldige verurtheilt noch der Schuldige für schuldlos gehalten werde. Nicht also von uns werden Synoden gering geachtet, sondern von denen, die in verwegener und so leichtfertiger Weise die von Allen verurtheilten Arianer auch gegen den Ausspruch de Richter wieder aufgenommen haben. Von diesen sind zwar schon die meisten aufgelöst und bei Christus; aber die noch Lebenden nehmen es übel auf, daß ihr Urtheil Einige umstoßen.
Daß sich aber Dieß so verhalte, entnehmen wir aus dem, 105 was in Alexandrien geschehen ist. Denn ein gewisser Carpones, von Alexander wegen der arianischen Irrlebre vertrieben, und zugleich einige derselben Irrlehre wegen Verjagte kamen von einem gewissen Gregorius gesandt hieher. Dasselbeerfuhren wir auch von dem Priester Makarius und den Diakonen Martyrius und Hesychius. Denn bevor die Priester des Athanasius kamen, baten uns Jene, an einen gewissen Pistus in Alexandrien zu schreiben zu derselben Zeit, wo auch Athanasius, der Bischof von Alexandrien, lebte. Diesen Pistus erklärten die später ankommenden Priester des Athanasius für einen Arianer, der einst von Bischof Alexander und der nicäischen Synode vertrieben wurde, jetzt aber von einem gewissen Secundusordinirt worden sei, den die große Synode als einen Arianer abgesetzt hatte. Dieß aber leugneten weder Martyrius und seine Gefährten, noch stellten sie in Abrede, daß Pistus von Secundus ordinirt worden sei. Erwäget demnach, wer mit Recht zu beschuldigen ist, wir, die wir uns nicht überreden ließen, Pistus, dem Arianer, zu schreiben, oder die, welche uns riethen, die große Synode zu verachten und den Gottlosen, gleich als wären sie gottesfürchtig, zu schreiben? Denn der Priester Makarius selbst, der mit Martyrius von Eusebius gesandt wurde, ist, sobald er hörte, daß die Priester des Athanasius ankommen, während wir erwarteten, er werde sich zugleich mit Martyrius und Hesychius vor uns einfinden, obgleich krank, Nachts entflohen; so daß wir daraus mit Recht schloßen, daß er deßhalb weggegangen sei. weil er sich schämte, wegen des Pistus widerlegt zu werden, da es nicht möglich ist, daß die von dem Arianer Secundus 106 ertheilte Weihe in der katholischen Kirche gelten könne. Denn Dieß wäre in der That für die Synode und die Bischöfe, welche auf ihr zusammenkommen, schimpflich, wenn das, was sie mit so viel Eifer und Gewissenhaftigkeit gleichsam in Gottes Gegenwart verhandelt haben, als werthlos abgeschafft würde.
Wenn also, wie ihr schreibt, nach dem Beispiele dessen, was in der Angelegenheit des Novatus(https://bkv.unifr.ch/works/267/versions/288/scans/a0eig. Novatianus) und Paulus von Samosata geschehen ist, die Bestimmungen von Synoden in Kraft bleiben müssen, war es um so mehr 107 in der Ordnung, daß die Beschlüsse von dreihundert Bischöfen nicht ungiltig werden, ziemte es sich, daß eine allgemeine Synode nicht von Wenigen verachtet werde. Denn die Arianer sind Häretiker wie Jene, und gleiche Decrete sind gegen Diese wie gegen Jene erlassen worden. Nach solchen Wagnissen, wer hat die Flamme der Zwietracht angefacht? Denn daß wir es gethan haben, warft ihr uns in euerem Schreiben vor. Haben wir die Zwietracht veranlaßt, die wir mitleidend mit den leidenden Brüdern Alles nach den Satzungen gemacht haben, oder Diejenigen, die streitsüchtig und gegen die Satzungen die Beschlüsse von dreihundert verletzt und in Allem die Synode verachtet haben? Denn nicht bloß wurden die Arianer aufgenommen, sondern auch Bischöfe waren gesonnen, von einem Orte zum andern zu uebersiedeln. Wenn ihr nun in Wahrheit die Ehre der Bischöfe für gleich und dieselbe erachtet und ihre Würde, wie ihr schreibt, nicht nach der Größe der Städte bemesset, so sollte der, dem eine kleine Stadt anvertraut war, in derselben bleiben und nicht, nachdem er die ihm anvertraute verschmäht hat, in eine andere, ihm nicht übergebene übersiedeln, so daß er die ihm von Gott verliehene Ehre verachtete, an der eitlen von Menschen gespendeten aber sich erfreute.
So also, Geliebteste, hättet ihr hieher kommen sollen, euch sträuben, damit die Angelegenheit zu Ende gefühhrt werden konnte; denn Dieß fordert die Vernunft. Aber vielleicht gestattete euch Dieß nicht die festgesetzte Zeit; denn euerem Briefe habet ihr euch beklagt, daß wir einen kur- 108 zen Termin zur Berufung der Synode bestimmt hätten. Aber auch das, Geliebte, ist nur ein Vorwand. Denn wenn jener Tagsie schon auf der Reise überrascht hätte, dann könnten sie mit Recht klagen, daß die bestimmte Frist zu kurz gewesen sei. Wenn aber die, welche (überhaupt) nich gesonnen waren zu kommen, auch noch die Priester bis zum Monat Jänner zurückgehalten haben, so ist das eine Ausrede Solcher, die ihrer Sache nicht trauen. Sie wären gekommen, wie ich vorher sagte, wenn sie guter Hoffnung gewesen wären, ohne Rücksicht auf die Länge der Reise, noch achtend die bestimmte Zeit, sondern auf die Gerechtigkeit und Billigkeit ihrer Sache bauend.
Aber vielleicht sind sied er Zeitverhältnisse wegen nicht gekommen; denn auch das habt ihr uns wieder schriftlich bedeutet, daß wir, aus Rücksicht der gegenwärtigen Lageder Orientalen, euch nicht hätten auffordern sollen, zu kommen. Wenn ihr also wegen solcher Zeitverhältnisse nicht die Reise unternommen habet, wie ihr saget, so ziemte sich für euch von Anfang mit Rücksicht auf diese Zeit nicht Urheber eines Schisma, (so vieler) Trauer und Thränen in den Kirchen zu sein. Die aber, die Solches verübten, 109 bewiesen, daß nicht die Zeitverhältnisse die Ursache davon seien, sondern ihr vorausgefaßter Plan, nicht zu kommen.
Ich staune aber auch über jenen Theil eueres Briefes, in dem ihr euch beschwert habet, daß ich allein, (nur) an Eusebius und seine Genossen und nicht an euch alle geschrieben habe. Denn vielmehr Spitzfindigkeit ist bei den Beschwerdeführern zu finden, als Wahrheit. Denn ich, der ich die Briefe gegen Athanasius nicht anderswoher, als von Martyrius und Hesychius erhalten hatte, mußte denen antworten, die gegen Jenen geschrieben hatten. Es sollten daher entweder nicht die Eusebianer allein ohne euch alle schreiben oder ihr, an die ich nicht geschrieben habe, es nicht übel nehmen, daß denen geantwortet wurde, die geschrieben haben. Denn wenn es sich geziemte, daß der Brief an euch alle geschickt werde, so müßtet auch ihr zugleich mit Jenen geschrieben haben. Nun aber das, was passend war, berücksichtigend, schrieben wir Jenen, die uns benachrichtigt und den Brief an uns geschickt hatten. Wenn auch das euch erregte, daß ich allein geschrieben habe, so müsset ihr folgerichtig auch darüber unwillig sein, daß Jene mir allein geschrieben haben. Aber auch hierin ist eine zwar schöne, aber nicht billige Ausrede, Geliebte! Dennoch ist es nothwendig, euch bekannt zu machen, daß Dieß, wenngleich ich allein geschrieben habe, deßhalb nicht meine alleinige Ansicht 110 ist, sondern die gemeinsame aller Bischöfe, die in Italien sind, und derer, welche in diesen Theilen leben. Ich für meinen Theil wollte nicht Alle zum Schreiben auffordern, damit dieß Vielen nicht lästig und beschwerlich werde. Dessen ungeachtet sind zur bestimmten Zeit die Bischöfe zusammengekommen und derselben Meinung gewesen, die ich neuerdings euch in diesem Schreiben mittheile. Deßhalb, Geliebte, erkennet, wenn auch ich allein schreibe, doch Dieß als die Meinung Aller an. Und das nun genüge zum Beweise, daß Einige von euch nicht vernünftige, sondern ungerechte und verdächtige Entschuldigungen vorbringen.
Daß wir aber nicht unbedacht und ungerecht unser Mitbischöfe Athanasius und Marcellus in die Gemeinschaft aufgenommen haben, ist, obgleich schon aus dem bereits Gesagten klar genug, dennoch der Mühe werth, euch mit wenigen Worten zu beweisen. Gegen Athanasius haben zuerst die Eusebianer und Genossen geschrieben, jetzt habt auch ihr geschrieben. F ü r Athanasius aber haben die meisten Bischöfe aus Ägypten und anderen Provinzen geschrieben. Zunächst ist nun zu bemerken, daß euere Briefe gegen ihn einander widersprechen und der erste mit dem zweiten keineswegs übereinstimmt, sondern in vielen Punkten der erste von dem zweiten widerlegt und der zweite von dem ersten der Unwahrheit geziehen werde. Wenn aber Briefe mit einander nicht übereinstimmen, so ist dem, was darin gesagt wird, kein Glauben zu schenken. Wenn ihr demnach fordert, daß man eueren Briefen Glauben schenke, so ist es angemessen, auch denen, welche für ihn (Athanasius) geschrieben haben, den Glauben nicht zu versagen, besonders da ihr über Vorfälle schreibet, die sich weit von euch ereignet haben; Jene 111 aber, da sie an den Orten selbst waren,wo sie sowohl den Mann selbst als auch das dort Geschehene gesehen haben, schreiben als Zeugen der Unbescholtenheit seines Lebens und bebaupten, daß er in allen Puncten verleumdet worden sei. Und wiederum hieß es, ein gewisser Bischof Arseniussei von Athanasius ermordet worden; wir aber hörten, daß derselbe lebe, ja sogar sein Freund sei.
Jener also (Athanasius) behauptete, daß die in der Mareotis zusammengebrachten Schriftstücke nur in Gegenwart der einen von den Parteien verfertiget worden seien. Denn daß daselbst weder der Priester Makariusder angeklagt wurde, zugegen war, noch sein Bischof Athanasius 112 selbst, haben wir nicht bloß aus dessen Worten, sondern auch aus den Untersuchungsacten selbst, welche uns Marthyrius und Hesychius überbrachten, ersehen. Denn beim Lesen derselben erfuhren wir, daß zwar der Kläger Ischyras dort gewesen sei, keineswegs aber Makarius und der Bischof Athanasius, ja daß den Priestern des Athanasius, die verlangten, es möge ihnen erlaubt werden, zugegen zu sein, Dieß verweigert wurde. Es sollte aber, Geliebteste, wenn nur jenes Gericht wahrheitsgemäß gehalten worden wäre, nicht nur der Kläger, sondern auch der Angeklagte zugegen sein. Denn sowie in Thyrus Makarius, der Angeklagte, zugegen war und Ischyras, der Kläger, und daselbst Nichts bewiesen wurde, so sollte auch in der Mareotis nicht der Kläger allein, sondern auch der Angeklagte Zutritt haben, damit er gegenwärtig entweder überführt werde oder, wenn nicht überwiesen, die Verleumdung offen an den Tag legen könne. Da Dieß aber nicht geschehen ist, sondern der Kläger allein mit denen, welche Athanasius zurückwies, sich dahin begeben hatte, so erscheinen jene Acten in der That verdächtig. Es beklagte sich auch er (Athanasius) selbst, daß die, welche in die Mareotis giengen, obwohl er sich dagegen verwahrte, dahin sich begeben haben; denn er sagte, daß Theogius, Maris, Theodorus, Ursacius, Valens und Macedonius, die ihm verdächtig waren, dorthin geschickt worden seien.
Dieses aber bewies er nicht bloß mit seinen Worten, 113 sondern auch aus dem Briefe Alexander’s,einstens Bischofs von Thessalonich. Er überbrachte nemlich dessen Schreiben an Dionysius, der auf jener Synode Comeswar, in welchem er bedeutete, daß gegen Athanasius eine offenbare Verschwörung angezettelt sei. Aber auch eine authentische Schrift des Klägers Ischyras brachte er bei, welche ganz von dessen Hand verfaßt war, in welcher er, Gott den Allmächtigen zum Zeugen anrufend, erklärte, daß weder ein Kelch zerbrochen noch ein Altar zerstört worden sei, sondern daß er von Einigen angestiftet wurde, diese Klage zu erdichten. Als aber die mareotischen Priester angekommen waren, behaupteten sie, daß Ischyras weder ein Priester der katholischen Kirche sei, noch daß Makarius einen solchen Frevel verübt habe, dessen Jener ihn beschuldigte. Die Priester aber und Diakonen, welche hieher gekommen sind, haben nicht Weniges, ja sehr Vieles über die Unschuld des Bischofs Athanasius bezeugt, versichernd, daß Nichts von dem, was ihm vorgeworfen wurde, wahr sei, sondern daß eine Verschwörung gegen ihn angezettelt sei. Ja auch die Bischöfe Ägyptens und Libyens bezeugten alle in ihren Briefen, daß sowohl seine Ordination rechtmäßig und nach den Kirchlichen Vorschriften gewesen sei, als auch daß Alles, was von euch gegen ihn vorgebracht wurde, falsch sei: daß nemlich weder ein Mord begangen, noch Jemand seinetwegen erschlagen, noch ein Kelch zerbrochen worden, sondern daß Alles erlogen sei. 114
Ja selbst aus den Untersuchungsacten, welche in Mareotis in Gegenwart nur einer von den Parteien aufgenommen wurden, bewies der Bischof Athanasius, daß ein Katechumenus, den man befragte, gesagt habe, er sei innen mit Ischyras gewesen, als nach ihrer Aussage Makarius, der Priester des Athanasius, eingedrungen sei; von Anderen, die ebenfalls befragt wurden, habe der Eine gesagt, daß Ischyras in einer kleinen Zelle, ein Anderer, daß er nahe an der Thüre krank gelegen sei, als Makarius dahin kam. Nach diesen seinen Worten bemerken wir folgerichtig: Wie konnte es geschehen, daß der, welcher in der Nähe der Thüre krank darniederlag, damals stand, die Liturgie feierte und das Opfer darbrachte? Oder wie konnten schon die Opfergaben dargebracht sein, da innen Katechumenenwaren? Denn wenn innen Katechumenen sich befanden, war noch nicht die Zeit zum Opfern gekommen. Daß, wie erwähnt, sagte der Bischof Athanasius und bewies es aus den Acten selbst, während die, welche mit ihm waren, versicherten, daß Ischyras weder je in der katholischen Kirche ein Priester gewesen sei noch bei kirchlicher Versammlungen das Amt eines Priesters bekleidet habe. Ja selbst, als Alexander, da Dieß die große Synode (von Nicäa) aus (besonderer) Nachsicht gestattete, die, welche dem meletianischen Schisma angehörten, aufnahm, behaupteten sie, daß Ischyras von Meletius in der Zahl seiner Priester gar nicht genannt worden sei, was der stärkste Beweis dafür ist, da er auch nicht einmal einer von den Meletianischen Priestern sei; denn wäre er es gewesen, so wäre er ihnen gewiß beigezählt worden. Ausserdem erwies Athanasius aus jenen , 115 Acten auch andere Lügen des Ischyras, der auch bezüglich der Klage, durch welche er anzeigte, daß die (heiligen) Bücher, als Makarius nach ihrer Angabe eingedrungen, verbrannt worden seien, von den Zeugen, welche er selbst vorführte, der Unwahrheit geziehen wurde.
Da nun Solches erzählt wurde, so viele Zeugen auf seiner Seite standen und er selbst so viele Beweise seiner Unschuld beibrachte, was, bitte ich, sollten wir thun? Oder was Anderes forderte die kirchliche Satzung, als daß wir einen solchen Mann nicht verurtheilten, sondern vielmehr aufnahmen und für einen (wahren) Bischof hielten, wie wir ihn auch dafür gehalten haben? Denn über Dieß alles verblieb er hier ein Jahr und sechs Monate, die Ankunft von euch oder denen, welche Hieher sich begeben wollen, erwartend, und beschämte so durch seine Gegenwart Alle, da er gewiß nicht erschienen wäre, wenn er auf seine Sache nicht vertraut hätte. Denn nicht aus eigenem Antrieb, sondern gerufen und nach Erhalt unseres Schreibens kam er hieher, wie wir auch euch geschrieben haben. Dennoch, obgleich wir so gehandelt, habt ihr uns beschuldigt, als ob wir gegen die Canonen gehandelt hätten.
Erwäget denn, wer gegen die Canonen gehandelt hat: die wir nach so vielen Beweisen der Unschuld jenen 116 Mann aufgenommen haben, oder die, welche 36 Tagreisen entfernt in Antiochien einen Fremdling zum Bischöfe ernannt und von einer Schaar Soldaten begleitet nach Alexandrien geschickt haben? was nicht einmal da geschehen ist, als jener (Athanasius) nach Gallien in die Verbannung geschickt wurde; denn damals hätte es geschehen sollen, wenn er wirklich überwiesen worden wäre; wenigstens fand er bei seiner Rückkehr eine freie und ihn erwartende Kirche.Aber jetzt weiß ich nicht, auf welche Art Dießgeschen ist. Denn für’s Erste durften, wenn ich die Wahrheit sagen soll, nachdem wir schon Briefe zur Berufung einer Synode ausgeschickt hatten, nicht Einige dem Urtheile der Synode vorgreifen. Dann war es nicht in der Ordnung, eine solch Neuerung gegen die Kirche einzuführen. Denn welcher kirchliche Canon oder welche apostolische Tradition gestatt es, daß einer in Frieden lebenden Kirche, und wo so viel Bischöfe mit Athanasius, dem Bischofe von Alexandrien übereinstimmten, Gregorius gesandt wurde, ein Fremdling der dort nicht getauft, den Meisten unbekannt, auch nicht 117 von den Priestern oder Bischöfen oder vom Volke begehrt wurde; sondern daß er in Antiochien geweiht, nach Alexandrien aber nicht mit den Priestern oder Diakonen der Stadt, nicht mit den Bischöfen Ägyptens, sondern mit Soldaten geführt wurde? Das nemlich berichteten nicht ohne Beschwerde die, welche hieher gekommen sind. Denn gesetzt luch, Athanasius wäre nach der Synode schuldig befunden worden, es ziemte sich doch nicht, so gegen alles Recht und Herkommen und gegen den kirchlichen Canon, irgend einen Beliebigen zu ordiniren; sondern in der Kirche selbst, aus dem Priesterstande selbst, aus dem Klerus selbst sollte von den Bischöfen jener Provinz die Wahl vorgenommen und nicht die apostolischen Canonenverletzt werden. Denn wenn gegen Einen aus euch so Etwas begangen worden wäre, hättet ihr nicht geschrieen, nicht die Bestrafung der Frevler an den Canonen gefordert? Gewiß, Geliebte, das sagen wir wie vor Gottes Angesicht. Dieß ist nicht gottesfürchtig, nicht gesetzmäßig, nicht kirchlich. Denn das, was Gregorius bei seinem Einzuge verübt haben soll, beweist den Hergang seiner Ordination. Denn in diesen friedlichen Zeiten erlitt, wie die, welche von Alexandrien kamen, erzählten, und wie auch die Bischöfe in ihren Briefen berichteten, die Kirche eine Feuersbrunst, wurden Jungfrauen entblößt, Mönche 118 mit Füßen getreten, Priester und Viele aus dem Volke zerfleischt und ihnen Gewalt angethan, Bischöfe in’s Gefängniß geworfen, Viele hin und her geschleift, die heiligen Geheimnisse, wegen deren Verletzung sie den Priester Makarius anklagten, wurden von Heiden verwüstet und zu Boden geworfen, damit Einige die Wahl des Gregorius billigen sollten. Solche Ereignisse aber beweism, wer die Canones verletzt. Denn wäre seine Wahl rechtmäßig gewesen, so hätte er keineswegs gegen alles Recht die zum Gehorsam gezwungen, welche sich mit Recht seiner Herrschaft entzogen. Trotzdem, nach solchen Frevelthaten, schreibt ihr, daß damals in Alexandrien und in (ganz) Ägypten großer Friede geherrscht habe, ausser es wäre etwa das Geschäft des Friedens verwechseltund ihr nennt so Etwas Frieden.
Das auch glaubte ich euch mittheilen zu müssen, daß nemlich Athanasius versichert habe, Makarius sei in Tyrus unter einer Militärwache geblieben und bloß sein Ankläger mit denen, welche in die Mareotis reisten, weggegangen; auch sei den Priestern, welche um Erlaubniß baten, der Untersuchung beiwohnen zu dürfen, Dieß verweigert, die Frage aber über den Kelch und Altar vor dem Präfect und seiner Cohorte in Gegenwart von Heiden und Juden gestellt worden. Unglaublich schien Dieß Anfangs, wenn es nicht aus den Acten selbst bewiesen worden wäre. Was uns in Staunen versetzte, über das werdet, glaube ich, auch ihr Geliebte euch verwundern, daß nemlich eine Untersuchung über das Blut und den Leib Christi, welcher die Priester, obgleichs sie die Verwalter der Geheimnisse sind, nicht beiwohnen dürfen, bei einem auswärtigen Richter, in Gegenwart von 119 Katechumenen und, was noch schimpflicher ist, bei Heiden und Juden, die doch als Feinde des Christenthums bekannt sind, gepflogen wurde. Denn wenn überhaupt ein Verbrechen begangen worden ist, so mußte diese Angelegenheit in der Kirche von den Geistlichen nach den Gesetzen geprüft werden, und nicht von Heiden, die das Wortverabscheuen und die Wahrheit nicht kennen. Welch’ große und schwere Schandthat aber Dieß sei, glaube ich, werdet ihr und Alle erkennen. Dieß nun bezüglich des Athanasius.
Was aber den Marcellus betrifft, beeilte ich mich, nachdem ihr über ihn als einen Lästerer Christi geschrieen habet, euch bekannt zu geben, daß er, hier angekommen, behauptet habe, Alles sei unwahr, was ihr über ihn geschrieben habet. "Da wir trotzdem dennoch von ihm verlangten, sich über seinen Glauben zu erklären, antwortete er aus sich selbst mit solcher Zuversicht, daß es bei uns ausgemacht war, daß er nichts von der Wahrheit Abweichendes billige. Denn er bekannte, daß er über unseren Herrn und Erlöser Jesus Christus ebenso gläubig denke wie die katholische Kirche, und daß er nicht erst jetzt, sondern seit jeher so gedacht habe. Das bezeugten auch unsere Priester, die bei der nicänischen Synode anwesend waren, und bestätigten seinen rechtmäßigen Glauben; denn damals sowie jetzt sei er gegen die Irrlehre der Ariauer gesinnt gewesen. Deßhalb ist es gerecht, auch euch ermahnt zu haben, daß Keiner eine solche Irrlehre annehme, vielmehr verabscheue, als von der gesunden Lehre abweichend. Da also Jener recht dachte und ein Zeugniß seiner Rechtgläubigkeit erhielt, was,bitte ich euch, sollten wir auch bezüglich seiner machen, als daß 120 wir ihn für einen Bischof hielten, wie wir ihn auch dafür gehalten haben und aus der Gemeinschaft nicht ausschloßen?
Dieß nun schreibe ich nicht in der Absicht, um deren Sache zu vertreten, sondern um euch zu überzeugen, daß wir nach Recht und Gesetz jene Männer aufgenommen haben und ihr unnöthigen Zwiespalt erzeuget. Es ist aber billig, daß ihr euch bemühet und auf alle Weise darnach trachtet, daß sowohl das gegen die Canonen Geschehenes verbessert werde als auch die Kirchen Frieden haben, damit so der Friede des Herrn, der uns gegeben worden ist, verbleibe und die Kirchen nicht gespalten werden und auch ihr nicht als Urheber eines Schisma beschuldigt werdet. Denn ich bekenne euch: Das, was geschehen ist, hat nicht den Schein des Friedens, sondern des Schisma.
Denn nicht nur die Bischöfe Athanasius und Marcellus kamen hieher und beklagten sich über das ihnen zugefügtes Unrecht, sondern auch sehr viele andere Bischöfe aus Thracien, Cölesyrien, Phönicien und Palästina und zugleich nicht wenige Priester theils von Alexandrien, theils von anderen Gegenden kamen zu der hieher berufenen Synode, die vor allen versammelten Bischöfen nebst Anderem, was sie berichteten, überdieß laut klagten, daß die Kirchen Gewalt und Unbilden erlitten, und versicherten, daß in ihren und anderen Kirchen Dasselbe wie in Alexandrien geschehen sei, nicht bloß durch ihr Wort, sondern durch die Thatsachen selbst. Auch die aus Ägypten und Libyen erst jüngst wieder mit Briefen ankommenden Priester bezeugten nicht obne Klagen 121 Seufzer, daß sehr viele Bischöfe und Priester, die zur.Synode kommen wollten, daran gehindert worden seien. Denn sie sagten, daß seit der Flucht des Athanasius bis auf die Gegenwart Bischöfe, noch dazu Bekenner, mit Ruthen zerfleischt, andere im Kerker festgehalten werden, auch chon bejahrte Vorsteher, die schon viele Jahre im Bischofsamte zugebracht, an öffentliche Amter ausgeliefertund fast alle Geistliche und Gläubige der katholischen Kirche Nachstellungen und Verfolgungen erleiden. Einige Bischöfe und Brüder, sagten sie, seien verwiesen worden, aus keiner anderen Ursache, als daß sie auch gegen ihren Willen gezwungen wären mit Gregorius und den mit ihm verbündeten Arianern Gemeinschaft zu halten. Zu Ancyra aber in Galatien ist nicht Weniges, sondern Dasselbe wie in Alexandrien verübt worden, wie wir sowohl von Anderen, als auch von dem Bischofe Marcellus hörten, der Dieß mit seinem Zeugnisse bekräftigte. Überdieß wurden so viele und so schwere Verbrechen Einzelner von euch, deren Namen ich Verschweige, von den hieher Gekommenen angezeigt, die niederzuschreiben ich mich nicht traue, da vielleicht auch ihr es von Anderen gehört habet. Das war denn auch der vorzüglichste Grund, warum ich euch schrieb und aufforderte zu kommen, damit ihr Dieß öffentlich höret und Alles verbessert und geheilt werden könne. Deßhalb sollten auch die, welche gerufen waren, bereitwilliger entgegenkommen und nicht sich sträuben, damit sie nicht, wenn sie nicht kommen, schon bezüglich dessen, was vorgebracht wurde, verdächtig scheinen, als ob sie die von ihnen geschriebenen Sachen nicht beweisen könnten.
Da nun Dieß so berichtet wurde und die Kirchen von 122 so schweren Übeln bedrängt und ihnen Nachstellungen bereitet werden, wie die, welche Dieß erzählten, versicherten, welche sind es, so die Flamme der Zwietracht angezündet haben? Sind wir es, die wir das bedauern und die gequälten Brüder bemitleiden, oder sind es die, welche Solches begangen haben? Denn ich staune, daß, obwohl eine solche und so große Verwirrung in den einzelnen Kirchen war (die Jene veranlaßte, hieher zu eilen), ihr doch schreibet, es herrsche Eintracht in den Kirchen. Das aber gereicht nie zur Erbauung, sondern zum Verderben der Kirche; und die an Solchem sich erfreuen, sind nicht Söhne des Friedens, sondern der der Zwietracht. Wir aber haben nicht einen Gott der Zwietracht, sondern des Friedens. Deßhalb, wie Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus, mir dessen Zeuge ist, aus Sorge für eueren Ruf und weil ich auch wünsche, daß die Kirchen nicht im Unfrieden leben, sondern so bleiben, wie es von den Aposteln angeordnet ist, glaubte ich euch Dieses schreiben zu müssen, daß ihr jetzt endlich die beschämet, welche durch ihren gegenseitigen Haß die Kirchen so verunstalten. Denn ich hörte, daß nur einige Wenige von allem Diesem die Urheber seien. Bemühet euch, daß ihr aus mitleidigem Herzen das verbessert, wie ich früher sagte, was gegen das Gesetz verbrochen wurde, damit, wenn etwa Unrechtes vorausgegangen ist, Dieß durch eueren Eifer geheilt werde.
Schreibt mir aber nicht: Du hast lieber die Gemeinschaft des Marcellus und Athanasius aufgenommen als unsere; denn das wäre ein Zeichen nicht des Friedens, sondern der Feindschaft und des Bruderhasses. Deßhalb habe ich das Vorhergehende geschrieben, damit ihr versichert seid, 123 daß Diese nicht ungerecht von uns aufgenommen wurden, und daß ihr diesem Streite ein Ende macht. Denn wenn Jene nach euerer Hieherkunft überwiesen worden wären und nicht triftige Gründe zu ihrer Vertheidigung vorgebracht hätten, dann hättet ihr mit vollem Rechte so schreiben können. Da wir nun aber, wie ich früher sagte, nach der Vorschrift der Canonen und nicht ungerechter Weise mit ihnen Gemeinschaft halten, so beschwöre ich euch bei Christus, laßt doch nicht die Glieder Christi zerreissen, noch vertrauet auf Vorurtheile, sondern achtet den Frieden des Herrn höher. Denn das wäre nicht billig und recht, wegen der niedrigen Gesinnung Weniger Solche, die nicht überführt sind, zu verstoßen und so den (heiligen) Geist zu betrüben.
Wenn ihr glaubt, daß gegen Jene Etwas bewiesen und sie öffentlich überführt werden können, so mögen die, welche das thun wollen, kommen. Denn sie versprachen, daß sie bereit seien, das, was sie uns angezeigt haben, klar zu widerlegen. Benachrichtiget uns daher, Geliebte, hierüber, Damit wir sowohl Jenen als auch den Bischöfen, die bereit sind wieder zu kommen, schreiben, auf daß in Gegenwart Aller die Schuldigen überführt werden und fernerhin keine Verwirrung mehr in den Kirchen entstehe. Denn es genügt das bisher Geschehene; es ist genug an dem, daß in Gegenwart von Bischöfen Bischöfe verbannt wurden; hierüber ist keine weitläufigere Erklärung abzugeben, damit nicht Jene, die damals zugegen waren, belästiget erscheinen. Denn soll man die Wahrheit sagen, so ziemte es sich nicht, bis zu solchen Gewaltthaten zu schreiten, noch bis zu einem solchen Grade die Feindschaft zu steigern. Gesetzt, Athanasius und Marcellus wären, wie ihr schreibt, (mit Recht) von ihren Sitzen vertrieben worden, aber was soll man über die andern Bischöfe und Priester sagen, die aus verschiedenen Orten, wie ich früher erwähnte, hieher gekommen? Denn 124 auch diese bezeugten, daß sie vertrieben worden seien und solche Drangsale erlitten hätten.
Geliebte, nicht mehr werden die Gerichte der Kirche nach dem Evangelium,sonderndazu gehalten, um mit Exil und Tod zu bestrafen. Denn wenn überhaupt, wie ihr sagt, Jene Etwas verschuldet hatten, so sollte das Gericht nach dem kirchlichen Canon und nicht auf diese Weise gehalten werden. Ihr solltet an uns alle geschrieben haben, damit so von Allen, was recht ist, beschlossen werden konnte; denn Bischöfe waren es, die dadurch litten, auch waren es keine gewöhnlichen Kirchen, die bedrängt wurden, sondern solche, welche die Apostel selbst regiert hatten. Warum aber wurde uns besonders bezüglich der alexandrinischenKirche 125 Nichts geschrieben? Oder wisset ihr nicht, daß es Gewohnheit ist, daß zuerst uns geschrieben und von hier aus, was recht ist, entschieden werde? Wahrlich, wenn ein solcher Verdacht auf den Bischof jener Stadt fiel, so mußte an die hiesige Kirche geschrieben werden.Nun aber wollen Jene, ohne uns den Sachverhalt angegeben zu haben, nachdem sie gethan hatten, was ihnen beliebte, daß wir, denen jene Verbrechen nicht bekannt sind, ihnen zuletzt beistimmen sollen. So lauten durchaus nicht die Anordnungen des Paulus,Solches überlieferten uns nicht die Väter; sondern das ist eine unbekannte Weise, eine neue Einrichtung. Ich beschwöre euch, nehmet das mit gutem Willen auf; denn was ich schreibe, dient zum öffentlichen Besten. Denn was wir vom hl. Apostel Petrus empfangen haben, das erkläre ich euch; ich würde es aber nicht schreiben, weil ich glaube, daß es ohnehin Allen bekannt sei, wenn uns nicht jene Vorfälle bestürzt hätten. Bischöfe werden ergriffen und von ihren Sitzen vertrieben, andere von anderwärts an ihre 126 Stelle gesetzt, wieder andere mit Nachstellungen verfolgt, so daß die Gläubigen über die ihnen Entrissenen trauern und Eindringlinge aufzunehmen gezwungen werden, daß sie die, welche sie wünschen, nicht erlangen, die sie aber nicht wollen, gezwungen annehmen. Ich bitte euch, daß fernerin Solches nicht geschehe; vielmehr schreibet gegen die, welch so Etwas unternehmen, damit nicht deßhalb die Kirchen beunruhiget werden, kein Bischof oder Priester Schmach leide oder Jemand, wie uns angezeigt wurde, gegen seine Ueberzeugung handeln muß, damit wir nicht die Heiden zum Spotte reizen und vor Allem Gott nicht erzürnen. Den ein Jeder von uns wird am Tage des Gerichtes von seinen in diesem Leben vollbrachten Thaten Rechenschaft ablegen. Daß doch Alle nach Gott gesinnt wären, damit auch die Kirchen, nachdem sie ihren Bischöfen wiedergegeben sind, sich immerfort erfreuen mögen in Christus Jesus, unserem Herrn, durch welchen Ehre sei dem Vater in Ewigkeit Amen. Lebet wohl, wünsche ich in Christus, theuerste und geliebteste Brüder!