Die lateinische (caelum) und griechische (ouranos) Bezeichnung für Himmel. Der “verschlossene” bezw. “eiserne” Himmel der Hl. Schrift. Allegorische Deutungen des Himmels, des Firmamentes, der Wasser über dem Himmel: der Literalsinn ist vorzuziehen.
§ 15
Doch kehren wir zum Thema zurück: „Es werde eine Veste inmitten des Wassers“. Man nehme, wie ich 65 schon betonte, keinen Anstoß, wenn er (Moses) vorher den Ausdruck „Himmel“ gebrauchte, hier die Bezeichnung „Firmament“; denn auch David spricht: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und die Werke seiner Hände verkündet das Firmament“, das heißt: Die Weltschöpfung lobt, wenn man sie schaut, ihren Meister, weil dessen unsichtbare Größe durch das Sichtbare erkennbar wird. Und zwar dünkt mir der Name „Himmel“ ein Allgemeinbegriff zu sein, weil es nach dem Zeugnisse der Schrift sehr viele Himmel gibt; der Name „Firmament“ hingegen ein besonderer, zumal es auch an unserer Stelle so heißt: „Und er nannte die Veste (Firmament) Himmel“. Sonach sprach er augenscheinlich im vorausgehenden nur allgemein die Erschaffung des Himmels im Anfang aus, um damit den Gesamtkomplex der Himmelsschöpfung zusammenzufassen, an unserer Stelle hingegen die besondere Festigkeit dieses nach außen sichtbaren Firmamentes, das eben darum Himmelsveste heißt, wie wir’s in des Propheten Lobgesang lesen: „Gepriesen bist Du in der Veste des Himmels“. Der Himmel, griechisch * οὐρανός* [ouranos], heißt lateinisch „der Geprägte“, weil er der Gestirne Leuchten gleich Münzzeichen aufgeprägt trägt; so nennen wir auch eine Sibermünze mit erhabenen Charakteren „geprägt“. Οὐρανός [Ouranos] hingegen heißt er von * ὁρᾶσθαι* [horasthai] (gesehen werden), weil er sichtbar ist. Im Gegensatz also zur Erde, die dunkler ist, wird er οὐρανός [ouranos] genannt, der „Sichtbare“, insofern er hell erstrahlt. Daher auch, wie ich glaube, jener Ausspruch: „Die Vögel des Himmels sehen immerdar das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist“, sowie (der Ausspruch) von den „Vögeln im Umkreise der 66 Himmelsveste“. Die (Engels-) Mächte nämlich, die an jenem sichtbaren Orte weilen, schauen dies alles und sehen es unter sich vor ihren Blicken ausgebreitet.
§ 16
Von einem „verschlossenen“ Himmel ist sodann die Rede in den Zeiten des Elias, als in Achab und Jezabel die Gottlosigkeit das Szepter führte, während das Volk dem frevlen Treiben des Königs willfahrte: niemand nämlich richtete seine Augen gen Himmel, niemand verehrte den Schöpfer desselben, sie beteten vielmehr Holz- und Steingebilde an. Woraus nun schließen wir dies? Weil Gott auch beim Fluche über das Volk Israel, als das Judenvolk zur Buße für seine Gottlosigkeit mit der Ungunst des Himmels und der Unfruchtbarkeit der Erde bestraft wurde, die Wendung gebrauchte: „Der Himmel über deinem Haupte soll dir Erz sein und dein Land Eisen“. Im Himmel nämlich hat die Fruchtbarkeit ihren Grund. So erflehte auch Moses in seinen Segensgebeten dem Stamme Joseph als Gabe jene „von den Enden des Himmels und vom Tau der Bronnen unten in der Tiefe und nach der Jahreszeit von der Sonne Lauf und den einfallenden Monden und vom Gipfel der Berge und der ewigen Hügel“. Denn aus der Milde des Himmels schöpft die Fruchtbarkeit der Erde ihre Nahrung. „Eisern“ ist der Himmel, der keine Feuchtigkeit taut, wann kein Regen aus den Wolken bricht. Ein „eiserner“ Himmel ist auch die düstere Luft, die drückende und nebelige von eisengrauer Färbung, wann die Erde in den Fesseln grimmiger Kälte starrt. Da scheint dann die Regenwolke über unserem Haupte zu schweben und jeden Augenblick sich zu entladen. Gar häufig auch verdichtet sich das vor eisigem Windeswehen starrende Wasser zu Schnee, die Luft teilt sich 67 und der Schnee wallt herab. Nicht die Himmelsveste kann sich teilen, sie müßte denn irgendwie gewaltsam geteilt werden. Darum auch die Bezeichnung „Veste“, weil sie nicht ohne Festigkeit und Widerstandskraft ist. Deshalb ferner das Schriftwort über den Donner, der mit lautem Hall erdröhnt, wenn die gewitterschwangere Luft im Wolkenschoß zu heftiger Entladung aufeinanderprallt: „Ich festige den Donner“. Nach ihrer Festigkeit ward also die Himmelsveste benannt, bezw. nach ihrer Festigung durch Gottes Kraft. So lehrt es uns auch die Schrift mit der Aufforderung: „Lobt ihn in der Veste seiner Kraft“.
§ 17
Es entgeht uns nicht, daß einige „die Himmel der Himmel“ auf die ‚unsichtbaren‘ Kräfte, „Firmament“ auf die ‚wirksamen‘ bezogen haben. Darum betonen wir: wohl „loben die Himmel“ oder „erzählen sie die Herrlichkeit Gottes“, „kündet das Firmament (die Werke seiner Hände) an“ ― doch nicht als geistige Wesen, sondern als die geschöpflichen Dinge der Welt im Sinne unserer obigen Darstellung. Andere desgleichen erklärten die „Wasser über den Himmeln“ als die ‚reinigenden‘ Kräfte. Wir nehmen nur gleichsam zur Ausschmückung unserer Rede hiervon Notiz. Indes dünkt es uns aus dem schon genannten Grund nicht für befremdlich und ungereimt, wirkliches Wasser darunter zu verstehen. Denn auch Tau und Frost und Kälte und Hitze preisen nach des Propheten Lobgesang den Herrn; es preist ihn desgleichen die Erde. Auch die Sterne beziehen wir nicht auf die unsichtbaren Wesen, sondern auf die Wirklichkeit. Es loben selbst auch die Drachen 68 den Herrn, insofern ihre Natur und ihr Anblick beim näheren Zusehen nicht geringe Schönheit aufweist, nicht geringe Zweckmäßigkeit verrät.