Ephräm der Syrer · Ausgewählte Gesänge gegen die Grübler über die Glaubensgeheimnisse · Buch 15 · Kapitel 1
1. Das Ei als Bild der Dreifaltigkeit.
116 Durch ein kleines Ei mach’ den vermessenen Grübler verächtlich! Dreifältig ist im Wasser (Dotter) die Gestalt verborgen; allein wo ist der Kopf? Wo sind denn die Füße und Flügel? Verlange, daß er diese drei dir zeige! Wenn er aber bei seiner Untersuchung schon bei einem Ei erstickt, um wie viel mehr wird Derjenige versinken, welcher sich erkühnt, das große Meer ermessen zu wollen! Gepriesen sei 117 Er, der unser Denkvermögen schon durch geringfügige Dinge in Verwirrung bringt!
142Weil das Geheimniß der Lehre von der allerheiligsten Dreifaltigkeit so schwer ist, sucht der h. Ephräm in mehreren Gesängen die Glaubwürdigkeit derselben durch Bilder anschaulich zu machen. Im vierzigsten Gesange z. B. stellt er die Sonne dar, wie in ihr sie selbst, ihr Licht und ihre Wärme nur Eins sind; so ist auch das Feuer ein Bild: es selbst, seine Glut und sein Licht Eines. Die Gesänge sind meist spekulativ=dogmativ, daher trocken und weniger ansprechend. Einen wenigstens glaubte ich dennoch aufnehmen zu sollen, weil in ihm doch einigermaßen dichterische Darstellung herrscht.
143Vieles Unscheinbare in der Natur vermögen wir nicht zu erklären.