51 1. Höchst erstaunlich ist es für den Menschen, meine Geliebten, die Wunder zu betrachten, wie Gott berabkam und in einem Mutterleibe seine Wohnung nahm; wie ferner das höchste Wesen einen menschlichen Leib anzog und neun Monate lang im Mutterschooße ohne Widerwillen wohnte; wie aber auch der Schooß von Fleisch im Stande war, das Feuer zu tragen, und wie die Flamme im weichen Mutterleibe wohnte, ohne daß er vom Feuer verzehrt wurde. Wie einst der Dornbusch auf dem Berge Horeb (als Gott dem Moses erschien) Gott selbst in der Flamme trug, ebenso trug Maria Christum in ihrem jungfräulichen Schooße. Gott kam 52 vollkommen durch das Ohr in den Mutterleib und trat als Gottmensch auf reine Weise aus demselben in die Welt hervor. Die Jungfrau empfing Gott, die Unfruchtbare ward mit dem Jungfräulichen schwanger, und der Sohn der Unfruchtbarkeit hüpfte (im Mutterleibe) vor der Leibesfrucht bei der Heimsuchung der Jungfräulichkeit.
2. Ein ganz neues Wunder wirkte also Gott unter den Erdbewohnern, daß er selbst ohne ehelichen Umgang geboren ward, sein Herold aber gegen den gewöhnlichen Lauf der Natur. Die Himmel mißt er mit seiner Spanne und liegt spannenlang in der Krippe; das Meer faßt er mit seiner Handhöhle, und seine Geburt fand in einer Höhle statt. Die Himmel sind seiner Herrlichkeit voll, und die Krippe ist voll seines Glanzes. Moses wünschte seine Herrlichkeit zu schauen, vermochte aber nicht, sie so zu sehen, wie sie ist. So mag er denn heute kommen; denn sie liegt in Windeln eingehüllt in der Krippe. Einst wagte es kein Mensch zu hoffen, Gott sehen zu können und am Leben zu bleiben. Heut’ lebten Alle, die ihn sahen, vom zweiten Tode (dem Zustande der Verdammung) zu neuem Leben auf.