1. Wenn du bei dem Gottesdienste vor allen Andern erscheinst und dabei ganz bis an’s Ende aushältst, so werde deßwegen nicht hochmüthig; denn auch die Handwerker wenden bei ihrer Arbeit viel Müh’ und Wachsamkeit an. Stelle dich aber dem Herrn nicht bloß dem Leibe nach vor, sondern versammle auch mit demüthigem Herzen deine Gedanken! Der Hochmuth ist nämlich einer Höhle ähnlich, in welcher der Drache gern haust und den Nahekommenden tödtet.
2. Daß du dich nicht mit Wein berauschen und mit weiblichen Personen nicht Umgang pflegen sollest, darüber scheint es mir überflüssig, dir, mein gottliebender Bruder, eine Andeutung zu geben. Es ist ja Allen ohnehin bekannt genug, daß Dieß alles der Tugend fremd ist. Doch ist es nothwendig, nicht bloß in dieser Hinsicht (nämlich was den weiblichen Umgang betrifft) vor den Anfechtungen der bösen Geister sich zu hüten, sondern selbst mit männlichen Personen darf man sich nicht in wollüstige und weibische Gespräche einlassen, welche zum Verderben der Seele führen. Wir verwerfen den Umgang mit dem weiblichen Geschlechte nicht, als wäre er an sich schon böse, sondern weil es unserm Widersacher leicht ist, durch den vertrauten Umgang mit weiblichen Personen uns zu verkehren und zur Übertretung des Gebotes Gottes zu verführen.
3. Wir müssen daher von allen Seiten auf uns’rer Hut sein vor den Anfällen der bösen Geister, muthig vertrauend auf die Waffenrüstung Gottes und die Kraft des 398 hl. Geistes; denn wer dem Feind ein Thor versperrt, ihm aber zwei andere aufthut und in Sicherheit zu bleiben wähnt, ein Solcher betrügt sich. Es ist also nothwendig, uns von allen Seiten sicher zu stellen und Denjenigen, welche eine Gelegenheit suchen, keine zu geben. Denn Gott läßt sich nicht verspotten, und „es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Sein ist die Ehre und Macht in alle Ewigkeiten, Amen.