303 Wie kommt es, daß der Gute, welcher süße und liebliche Wohlthaten spendete, auch furchtbare und gewaltige Übel verhängte? Er ist ein einsichtsvoller Arzt und weiß, dass Arzneien verschiedener Art nothwendig sind; deßwegen verlieh er in Fülle Heilmittel der Güte, aber auch der Gerechtigkeit, um jedem Kranken die für ihn passende Arznei zu geben. Die Krankheit der Gotteslästerung und das Übel des Stolzes fand sich an den Kreuzigern. Der Arzt sah es diesem Leiden an, daß es ein schaudervolles Übel und ein garstiger Schandfleck sei; da nahm er und legte allerlei Wehe (Strafgerichte) auf, Brennmittel der Gerechtigkeit, um durch harte Strenge die Übel des Hochmuths, die aus freier Schuld (der Kranken) gewaltig überhand genommen hatten, mit der Wurzel auszurotten.