Fünfter Abschnitt. (VI. Cap.) Vom Ende oder der Vollendung.
§ 1
Das Ende (die Vollendung) ist die Erscheinung der in sich vollendeten Welt. Ich habe jedoch gleich zu bemerken, 62 daß zum Verständniß so tiefer und schwieriger Gegenstände ein gebildeter und reiner Sinn erforderlich ist, wenn je Einer nach dem Verständniß derselben ein Verlangen trägt: damit nicht, wer die Sache unfruchtbar fände, sie für eitel und nutzlos erkläre, oder wer schon zum Voraus dagegen eingenommen ist, sie sonst verketzere und nicht nach Gründen, sondern aus persönlichem Vorurtheil verdächtige. Uebrigens wird die Sache hier mit Vorsicht vorgetragen, indem wir mehr eine Untersuchung einleiten, als Behauptungen aufstellen. Was die Kirchenlehre bestimmt enthält, haben wir oben angegeben, wo wir bestimmte Lehrsätze aufstellten. Hier handelt es sich nur um Fragen. Die Vollendung also wird eintreten, wenn Jeder nach Verhältniß seiner Vergehungen gestraft werden wird: die Zeit der Vergeltung weiß Gott allein. Jedoch nehmen wir an, daß die Güte Gottes durch Christum, nach Besiegung und Unterwerfung seiner Feinde, alles Erschaffene zur Einheit der Zwecke zurückführen werde. So redet die Schrift, Ps. 110, 1. und wenn der prophetische Sinn dieser Rede nicht klar genug ist, hören wir den Apostel 1 Cor. 15, 25., und wenn auch hier das „unter die Füße legen“ nicht verständlich wäre, so sagt er im Nachfolgenden: Ihm muß alles Unterworfen werden. — Diese Unterwerfung unter Christus ist nun wohl keine andere, als die auch uns wünschenswerthe der Apostel und überhaupt der Heiligen unter seinen Bekennern. Sie bezeichnet das Heil aus Christus für die, die ihm unterthan sind. Ps. 62, 1.
72Τελος (neutestamentlich) und αποτελησις (platonisch) ist dem patristischen Sprachgebrauch gleich eigen, und bezeichnet namentlich hier mehr die Wiederbringung, Wiedervereinigung des Ursprünglichen (αποκαταστασις, ενωσις των παντων s. später), als allgemein die Eschatologie (diese im 2. Buch, 10. 11. 12. Abschn.); jedoch auch jede hier nur in Bezug auf die vernünftigen Wesen, von denen gerade der vorhergehende Abschnitt handelt. Die Definition, welche Origenes voranstellt: „Finis vel consummatio rerum perfectarum consummatarumque esse videtur indicium“, glaubte ich so verstehen zu müssen, daß indicium für αποδειξις, Darstellung steht, welche active Bedeutung ich passiv ausdrückte, το φαινεσθαι, αποδεικνυσθαι.
73haeretica haec et contra fidem ecclesiasticam putet, in den älteren Ausgaben sogar catholicam! Als Origenes dieses schrieb, hatte weder er eine Verketzerung erfahren, noch war diese überhaupt schon zu fürchten, wie unter den allgem. Concilien. Freilich weicht er im Folgenden von der „ecclesiastica praedicatio“ ab, und insofern läßt sich obige Verwahrung in Origenes Sinne wohl hören. Vergleiche die letzte Anm. des I. Buchs
74de Trinitate, d. Rue. determinate, die Andern, dem Zusammenhang angemessener.
§ 2
Von jenem Ende, da alle Feinde Christo sich unterwerfen werden, und der letzte Feind, der Tod, vernichtet 63 seyn, und Christus, dem dann Alles unterthan ist, die Herrschaft in die Hände des Vaters niederlegen wird; von jenem Ende, sage ich, wollen wir zurückgehen auf den Anfang. Denn immer ist Ende und Anfang gleich. Wie nun Alles Ein Ende, so hat Alles auch Einen Anfang: wie die Vielheit Ein Ende hat, so entspringen die Veränderungen und Abstände der Vielheit aus Einem Anfang, und werden nur durch die Güte Gottes, durch die Unterwerfung unter Christum, und durch die Einigung des heiligen Geistes zu Einem Ende, das dem Anfang gleich ist, hingeführt. Denn indem Alles im Namen Jesu die Kniee beugen wird, gibt es ja eben damit seine Unterwerfung zu erkennen. In der dreifachen Bezeichnung „was im Himmel, auf der Erde und unter der der Erde ist“, nehmlich das ganze All. Sofern aber dieses All nicht die wesentliche Vollkommenheit ist, geht es von seinem Ursprung ab, und in unendlichem Wechsel und unzählbaren Spaltungen auseinander: und das Einzelne durchläuft nach seinem innern Werthe die verschiedenen Stufen. Nur in der Gottheit haftet das unwandelbare Gute. Allen übrigen Wesen ist es zufällig und somit verlierbar; auch sind diese nur zufällig und somit verlierbar; auch sind diese nur so lang in einem seligen Zustande, als sie an der Heiligkeit und Weisheit, an der Gottheit selbst, Antheil haben. Denn wenn sie diesen Antheil vernachläßigen oder verleugnen, und nicht stets über sich wachen, so ist es ihre eigene Schuld, daß sie dann früher oder später, mehr oder weniger zu Falle kommen. 64 Eben um dieser Verschiedenheit willen hat das göttliche Gericht, das Jedem nach seinen bessern oder schlimmeren Bestrebungen sein Verdienst zumißt, gewisse Ordnungen bestimmt. So wird der, welcher dem Anfang, zu dem wie gesagt das Ende zurückkehren soll, am meisten treu geblieben, in der künftigen Weltordnung seine Stelle entweder als Engel, oder als urwesentliche Kraft, oder als Gewalt, oder als Herrscherstuhl über Unterthanen, oder als Herr über Diener bekommen. Dieß Alles nach Verhältniß ihrer Fortschritte in der Gottähnlichkeit. Diejenigen dagegen, welche zwar gestrauchelt und gewankt haben, doch nicht völlig gesunken sind, werden jenen zur Leitung und Besserung untergeben werden, und ihnen Dienste und Handreichung thun, um dereinst von ihnen gebildet in den Stand der Seligen zurückgeführt werden zu können. Und vielleicht wird gerade aus diesen, die den Engeln und Fürsten und Gewalten unterthan sind, oder anstatt ihrer, das Menschengeschlecht in einer der folgenden Weltordnungen wiederhergestellt, wo nach der Weissagung Jesaja’s Himmel und Erde neu seyn werden. Von welcher Wiederbringung auch 65 Christus im Gebete Joh. 17, 20—23. spricht; wie auch Paulus, in Hinsicht auf dieselbe, tröstet (Eph. 4, 13.) und ermahnt. (1. Cor. 1, 10.).
75Hieron. drückt sich hier anders aus: Rursumque nasci ex fine principium et ex principio finem (rusumque ist nur Fortsetzungspartikel der Auszüge des Hieron. und gehört nicht dem Original an, wie Rue meint). Ich glaube, daß Rufin diesen Satz völlig ausgelassen, wie die meisten, die Hier. notirt. Der Rufinische Text muß vielmehr der Grund seyn, woraus Origenes den Satz bei Hieron. ableitet: nehmlich, aus Einem Anfang geht Alles zu Einem Ende; Ende und Anfang fallen der Idee nach zusammen; mithin „geht, aus dem Ende der Anfang, aus dem Anfang das Ende hervor.“ Ich habe darum des Hieron. Angabe nach der Entwicklung des ersteren Satzes (nach Rufin) — eingeschaltet.
76ενωσις glaube ich hier für unitas lesen zu dürfen, nicht ενοτης.
77Vergleichen wir die hierher gehörigen Stellen aus Justinian und Hieronymus ad. Av., so ergibt sich eine ziemliche Identität der letzten Hälfte des griechischen und der ersten des Textes von Hier. mit de, Rufinischen; wozu auch die in der Einleitung angeführte Stelle aus Joh. Damascenus gehört. Das Gemeinsame in allen diesen ist, „daß von den Gefallenen ein Theil den Bevorzugten werde untergeben seyn, um ihnen zu dienen und von diesen dazu gebildet und angeleitet zu werden, daß aus ihnen das Menschengeschlecht wieder erstehen könne.“ Nur wird die Eintheilung der Gefallenen dadurch erschwert, daß Just. hat: οι δε πανυτι εκπεσοντες, Hieronymus: Qui vero fluctuaverint et moti pedibus nequnquam corruerint, Rufin: qui de statu primae beatudinis moti quidem sunt, non tamen irremediabiliter moti, (und sodann dasselbe, was die beiden werden). Nehmen wir nun 1) diese Verschiedenheit des Ausdrucks in den beiden letztern, und zugleich ihre Uebereinstimmung dem Sinne nach, 2) ihr Verhältniß zu einander, da Hieron. hier den Rufin kritisirt; 3) daß Justin, ohne eine solche Absicht, überhaupt auch ohne den genauen Zusammenhang zu beachten — ercerpirt, 4) daß besonders jene beiden nachher als dritte Classe die gänzlich Gefallenen aufführen, von deren Loos ganz anders geurtheilt wird; so müssen wir bei Justinian entweder ουδε πανυτι lesen, wie es wahrscheinlich auch ursprünglich geheißen haben mag; oder müssen wir annehmen, er habe der Kürze wegen die zweite und dritte Classe zusammengenommen, weil es ihm nur auf den Schluß ankam, den hier Origenes macht. De la Rue übersetzt wirklich das griech. Fragment „Qui vero non multum etc.“ hat aber „πανυτι.“ Dann scheint aber das Fragment auch am Anfang nicht genau: ο μεν τις ist kein deutlicher Gegensatz zum Folgenden: οι δε πανυτι επεσοντες: Jenes hat Ruf. vollständiger: ex his, qui in illo initio permanuerunt, quod futuro fini simile esse descripsimus, quidem — das Uebrige ist gleichlautend. Rufin ist hier um so weniger verdächtig, als Hieron. darüber nichts bemerkt, und doch das Folgende, in welchem Rufin gar nicht viel abweicht, summarisch wiedergibt. Auch konnte Justinian jene Beziehung auf das Frühere nicht aufnehmen, weil er dieses nicht angibt. Vereinigen wir nun die nicht widersprechenden Angaben, so erhalten wir 3 Classen: 1) die Beharrenden, deren Bestimmung ist, eine ταξις αγγελικη oder δυναμις αρχικη, oder εξουσια, oder θρονος, oder κυρεια; 2) die zwar Gefallenen, aber nicht Verlornen, welche den Ersten dienen werden, und aus welchen „συστησεται το των ανθρωπων γενος´.“ 3) die gänzlich Abgefallenen, der Teufel und sein Reich (8, 3.). Freilich dürfen wir das „permanserunt“ beim Anfang dieses §. gemäß nicht streng nehmen, weil dort der Abfall in einem gewissen Grade bei Allen vorausgesetzt und gleichwohl nicht als Entwicklung, sondern als That des freien Willens betrachtet wird. Jedenfalls aber wird jener ersten Classe auch nach Justinians Fragm. eine vorzüglichere αξια, und βελτιονα κινηματα zugeschrieben. Die Menschheit dagegen stellt er gleich oben c. 5, 1. als Mittelzustand dar.
§ 3
Uebrigens ist nicht zu vergessen, daß es auch Geister gibt, die dem Ursprung gänzlich entfremdet und so sehr in Verderben und Bosheit versunken sind, daß sie jene Durchbildung, vermöge welcher das Menschengeschlecht durch den Beistand der höhern Geister wieder herangezogen wird, nicht verdienen: sondern im Gegentheil als Feinde und Widersacher der zu erziehenden auftreten. Daher die Kämpfe, in welche das Le- 66 ben des Sterblichen verwickelt ist, mit denen, die völlig abgefallen sind, dem Teufel und seinen Engeln, und mit den übrigen Gestalten des Bösen, die der Apostel unter den feindlichen Kräften begreift. Es ist nun kein Zweifel, daß auch aus den Reihen dieser Wesen noch einige, da sie doch noch die Freiheit des Willens haben, irgend einmal in einer der künftigen Welten zum Guten umkehren können. Wenigstens steht diese Seite der Geisterwelt weder in dieser noch in jener (der unsichtbaren) Weltordnung der endlichen Wiederbringung entgegen. Inzwischen sind alle jene Geister nach Maasgabe ihres Werthes und Verdienstes theils in der sichtbaren, theils in der unsichtbaren Welt so gestellt und verwendet, daß sie, wenn sie sich zum Guten bekehren wollen, entweder in der ersten, oder zweiten, oder auch in der letzten der Welten den Erziehungszustand des Menschengeschlechtes durchlaufen, und so zu ihrem Uranfang zurückkehren. Zum Theil freilich erst, nachdem sie in jenem Zustande längere oder kürzere Strafen und Qualen getragen, und durch die Leitung der Engel, oder noch höherer Kräfte auf den Weg der Besserung gebracht worden. Und nachdem sie so die verschiedenen Erziehungsstufen unter der himmlischen Führung durchlaufen haben, mögen sie wieder zum unsichtbaren und Unvergänglichen Wesen der Gei- 67 ster gelangen. Es folgt aber zugleich aus dieser Entwicklung, daß alle vernünftigen Wesen von einer Stufe auf die andere übergehen, und somit diese alle nacheinander durchlaufen können, je nachdem sie in Folge ihres freien Willensgebrauches größere Fortschritte im Guten oder Rückschritte machen; und daß daher auch alle den Gang der Menschheit durchgehen können, nicht auf einmal, sondern in öfteren Zwischenräumen, ebenso, daß wir und die Engel in einer künftigen Ordnung Dämonen werden, wenn wir nachgelassen haben, und wiederum Dämonen, wenn sie sich zur Tugend ermannt haben, zur Würde der Engel gelangen werden.
78Hieron. sagt hier: Diaboli fient, et angeli ejus et pessimi daemones; nun spricht Origenes nicht von einer Zukunft, sondern von einem schon bestehenden Zustande der bösen Geister. Hieron. scheint aber zuviel davon auf die Menschen zu beziehen, denn weiter unten legt er ihm gar in den Mund „ex quo consequenter monstravi, omnes rationabiles creaturas ex hominibus fieri.“ Dieß kann Origenes in Folge dessen, was er oben über die Classen der Geister sagt, und was auch Hier. anführt, in dieser Weise nicht gesagt haben. Er macht zwar am Ende den Schluß, daß alle Wesen durch alle niederere oder höhere Stufen durchgehen können, um geläutert zu werden, daß gottlose Menschen in der andern Welt Teufel werden u. s. w., aber daraus kann jenes doch nicht gefolgert werden. Vielleicht hatte Origenes geschrieben: δι’ανθρωπων γενησονται, oder besser: διελευσονται, was ganz für die von Origenes angenommenen Durchgangsperioden paßte. So habe ich es dann auch unten übersetzt. Daß Hieronymus hier zu weit geht, beweist eine andere Stelle, wo er dem Origenes sogar die pythagoreische Seelenwanderung aufbürdet, wogegen sich dieser bestimmt erklärt, c. Cels. III. 75.
79So glaube ich die Rufin. und Hieron. Uebersetzung vereinigt zu haben, ad ea, quae invisibilia sunt atque aeterna, jener; und ad angelorum fastigium, ad angelicam dignitatem dieser. Im Uebrigen stimmen sie hier überein. Nur den Schluß hat R. allgemein, H. mit besonderer Anwendung auf Menschen und Engel. Wahrscheinlich liegt beiden Aechtes zu Grunde: Rufin mag die besondere Anwendung bedenklich gefunden haben, weßwegen er sie wegließ; H. dagegen trieb diese zusehr auf die Spitze. So ist wohl auch übertrieben, was H. ad Pamm. et Ocean. (Ed. Erasm. II, 194.) sagt: Origenem sensisse, post multa secula atque unam omnium restitutionem, idipsum fore Gabrielem quod Diabolum, Paulum quod Caipham, virgines quod prostibulas, welche „Irrlehre“ er besonders den Büchern περι Αρχων zuzuschreiben scheint, da er bald darauf hinzusetzt: denique vos, dum libros ejus π. α. haereticos confitemini, et in alios crimen transferre vultis. Hier. spricht hier etwas leidenschaftlich, um sich so gewisser von dem Vorwurf des Origenianismus zu reinigen. Wenigstens würde Origenes jene Beispiele nicht gebraucht haben, wenn auch die Consequenz seiner Ansicht sich soweit ausdehnen ließe. Allein er spricht ja überall nur von einer endlichen Wiederbringung des Guten (des Ursprünglichen), welche die Durchgangsperioden vorbereiten sollen.
§ 4
Da aber Paulus einen Unterschied macht zwischen dem Sichtbaren oder Zeitlichen und Unsichtbaren oder Ewigen: so fragt sich’s, inwiefern das Sichtbare gerade das Zeitliche sey, ob etwa darum, weil nach dieser Zeit in dem künftigen Daseyn, wo die Zerspaltung des Uranfänglichen zur Einheit zurückgeführt werden soll, überall Nichts seyn wird, oder weil nur die äußere Form des Sichtbaren vergehen, das Wesen 68 aber darum nicht verändert wird. Paulus scheint für das letztere zu seyn, wenn er sagt: „die Gestalt (σχημα) dieser Welt vergeht“ (1 Cor. 7, 13.). Und dasselbe scheint David anzudeuten Ψ. 102, 27. „Die Himmel — werden veralten wie ein Kleid“ &c. Denn wenn die Himmel verwandelt werden, so geht doch nicht unter, was verwandelt wird; ebenso, wenn die Gestalt der Welt vergeht, ist es nicht eine Vernichtung des Stoffes, sondern eine bloße Umwandlung der Form und Beschaffenheit. Denselben Sinn hat die Stelle Jes. 66, 22. Die Erneuung des Himmels und der Erde, die Umwandlung der gegenwärtigen Form der Welt erwartet ohne Zweifel diejenigen, welche auf dem oben nachgewiesenen Wege zum Ziele der Seligkeit fortschreiten, welchem Ziele sich auch die Feinde unterwerfen sollen, und in welchem Gott Alles in Allen seyn wird. Wenn ich nun sage, daß dann die Körperwelt ganz aufhören werde, so bleibt dabei unbegreiflich, wie so viele und so große Wesen ohne Körper leben und fortdauern könnten, da es doch dem Wesen des Vaters, Sohnes und Geistes eigen ist, ohne körperlichen Stoff und außer aller Berührung der Materie gedacht werden zu können. Ein Anderer sagt vielleicht, daß 69 in der Vollendung aller körperliche Stoff so rein und lauter seyn werde, wie man sich den reinen Himmelsäther denkt. Das Gewissere aber weiß allein Gott, und etwa dessen Freunde durch Christum und den heiligen Geist.
80Den Origenes veranlaßt hier sein oben (Abschnitt I, 1.) bemerkter Eifer für die Behauptung der reinen Geistigkeit Gottes, reine Geistigkeit nur Gott ausschließend zuzuschreiben. Hieron. dagegen läßt ihn das Gegentheil sagen: corporales quoque substantias penitus dilapsuras; aut certe in fine omnium hoc esse futura corpora, quod nunc est aether et coelum, et si quod aliud corpus sincerius et purius intelligi potest. Das letztere hat auch Rufin. Das erstere kann, wie selbst Hieron. durch sein „aut certe“ zugibt, Origenes hier nicht wohl gesagt haben: 1) wäre es seiner obigen Erklärung der biblischen Stellen zuwider, wo er ausdrücklich Erscheinungsformen und Grundwesen unterscheidet, und dieses das Bleibende nennt; 2) würde er sich unten II, 10. Abschn. und c. Cels. IV, 37. widersprechen, wo er sagt: διο δε την αναστασιν των νεκρων αποδεχομενοι μεταβολας γινεσθαι φαμεν των ποιητων των εν σωμασιν, und: υλην δεκτικην ειναι ποιοτητων, ων ο δημιουργος βουλεται, die Materie sey jeder Form fähig, die ihr der Schöpfer geben wolle. 3) Widerstreitet dem auch, was H. selbst von Or. Auferstehungslehre (ad Pammach. adv. err. Jo. Hier.) sagt: duplicem errorem, dieß die Meinung des Or., versari in ecclesia: simplices et philosarcas dicere, eadem ossa etc.; haereticos vero resurrectionem penitus negare. H. scheint wohl für Meinung des Or. genommen zu haben, was er nur proplematisch hinstellt (wie c. Cels. VI., 60. 61.); schon eingenommen, wie die Bemerkung lehrt, „quod cum ita sit, quid de resurrectionone sentiat, perspicuum est.“ Schwebend ist allerdings der Ausdruck des Origenes, daher schon Methodius ein Buch über die Auferstehung gegen Origenes schrieb. Allein nach seinen anderweitigen Erklärungen nahm er einen künftigen ätherischen Körper an, nur die υλη γηινη fand er mit dem höhern Daseyn unvereinbar (c. Cels. IV. 92.); außerdem schreibt er auch den Engeln feinere Luftkörper zu (ib. III, 35—37. Exh. ad mart. 25.).