Und wenn der Bräutigam als weiser und leidenschaftsloser Mann nicht um seinetwillen die Verlobte von aller Befleckung fern hält, so wird er doch wenigstens um ihretwillen, wenn er die verabscheuungswerte Befleckung an ihr sieht, alle Mittel, die die Heilung und Umkehr bewirken können, anwenden und ihr als einem Geschöpf mit Selbstbestimmung Gründe vortragen, die sie vom Buhlen abzubringen vermögen. Gibt es nun wohl eine schlimmere Befleckung für die Seele, als wenn sie auf irgendeine Weise einen andern Gott verkündet und nicht den wahrhaft einen und alleinigen Herrn bekennt? Und wie der, „welcher an der Buhlerin hängt, ein Leib mit ihr ist“, so vermischt und vereint sich, wie ich glaube, der Bekenner mit dem, den er bekennt, und zwar besonders in der Zeit der Prüfung und Erforschung des Glaubens; wer aber verleugnet, den trennt gerade die Verleugnung wie ein schneidendes Schwert von jenem, den er verleugnet, und er muß, geschieden von jenem, den er verleugnete, die Trennung 164 leiden. Deshalb erwäge, ob nicht das Schriftwort: „Wer sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater in den Himmeln; [wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater in den Himmeln]“ besagt, dass dem Bekenner das Bekanntwerden und dem Verleugner das Verleugnetwerden als notwendige Begleiterscheinung folgt. Und vielleicht sagt der, welcher „Wort und Wahrheit“ selbst ist, zu dem Bekenner wie zu dem Verleugner; „Mit welchem Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.“ Du nun, der du mit dem „Maß“ des für mich abgelegten Bekenntnisses gemessen und das „Maß“ des Bekenntnisses gefüllt hast, wirst ein „gerütteltes, gedrücktes, überlaufendes Maß“ meines Bekenntnisses zu dir empfangen, das „in deinen Schoß“ gegeben werden wird; und du, der du mit dem „Maß“ der Verleugnung gemessen und mich verleugnet hast, wirst entsprechend dem „Maß“ deiner Verleugnung ein „Maß“ meiner Verleugnung deiner selbst erhalten.