Brüder, kehret im Geiste in eure Wohnungen zurück; ich rede Fleischliches, ich rede Irdisches, ich nenne Menschliches, wegen der Schwachheit eures Fleisches. Viele von euch haben Frauen, viele wollen solche haben, viele, die keine Frauen haben wollen, haben solche gehabt; viele, die überhaupt keine Frauen haben wollen, sind von den Frauen ihrer Väter geboren; es gibt kein Herz, dem dieser Affekt fremd wäre; keiner steht in menschlichen Dingen vom Menschengeschlechte so abseits, daß er das, was ich sage, nicht empfinden würde. Denket euch, jemand, der in die Fremde gegangen, habe seinem Freunde seine Braut anempfohlen: Gib acht, ich bitte dich, du bist mein Lieber, damit nicht in meiner Abwesenheit statt meiner ein anderer geliebt werde. Was ist nun das für einer, der als Hüter der Braut oder Frau seines Freundes sich zwar Mühe gibt, daß kein anderer geliebt werde, wenn er aber statt des Freundes geliebt werden will und mit der ihm Anempfohlenen Umgang pflegen will ―, wie verabscheuungswürdig erscheint er dem ganzen Menschengeschlechte? Er sieht vielleicht, wie sie einmal etwas leichtfertig zum Fenster hinausschaut oder mit jemand scherzt, er verbietet es, als eifere er; ich sehe ihn eifern, aber ich möchte sehen für wen, ob für den abwesenden Freund oder für sich. Denket euch, so hat es unser Herr Jesus Christus 228 gemacht. Er empfahl seinem Freunde seine Braut, zog fort, um ein Reich in Besitz zu nehmen, wie er selbst sagt im Evangelium, und ist doch gegenwärtig der Majestät nach. Es mag der Freund getäuscht werden, der über das Meer gereist ist, und wenn er wirklich getäuscht wird, wehe dem, der täuscht. Was suchen sie aber Gott zu täuschen, Gott, der in die Herzen aller blickt und die Geheimnisse aller durchforscht? Da ist ein Häretiker und sagt:* Ich* gebe,* ich* heilige,* ich* rechtfertige, gehe ja nicht zu jener Sekte. Er eifert zwar vortrefflich, aber siehe zu, für wen. „Gehe nicht zu den Götzen“, er eifert vortrefflich; „nicht zu den Wahrsagern“, er eifert vortrefflich. Sehen wir, für wen er eifert. Was* ich* gebe, das ist heilig, weil* ich* es gebe; den* ich* taufe, der ist getauft; den* ich* nicht taufe, der ist nicht getauft. Höre den Freund des Bräutigams, lerne eifern für deinen Freund; höre seine Stimme: „Der ist es, welcher tauft“. Warum willst du für dich in Anspruch nehmen, was dir nicht gehört? Ist der so weit entfernt, der hier seine Braut zurückließ? Weißt du nicht, daß der, welcher von den Toten auferstand, zur Rechten des Vaters sitzt? Wenn die Juden ihn verachteten, da er am Holze hing, kannst du ihn nicht verachten, da er im Himmel thront? Es möge eure Liebe wissen, daß ich hierüber großen Schmerz leide, aber, wie bemerkt, ich überlasse das übrige eurem Nachdenken. Denn ich kann es nicht sagen, wenn ich auch den ganzen Tag rede; wenn ich auch den ganzen Tag wehklage, es reicht nicht hin; ich vermag es nicht auszudrücken, wenn ich auch, wie der Prophet sagt, „einen Tränenquell“ hätte; aber auch, wenn ich mich in Tränen verwandelte und zu Tränen würde, in Zungen mich verwandelte und zu Zungen würde, es wäre zu wenig.