„Es war Winter. Und Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salomos. Es umringten ihn nun die Juden und sagten: Wie lange hältst Du unsere Seele hin? Wenn Du Christus bist, so sage es uns offen.“ Nicht nach Wahrheit verlangten sie, sondern auf eine List sannen sie. „Es war Winter“, und sie waren kalt; denn zu jenem göttlichen Feuer hinzuzutreten, waren sie zu träge. Aber hinzutreten heißt glauben; wer glaubt, tritt hinzu; wer widerstrebt, tritt zurück. Die Seele bewegt sich nicht mit Füßen, sondern durch Affekte. Sie waren kalt im Streben nach Liebe und brannten vor Verlangen zu schaden. Sie waren weit fort und waren nahe dabei; sie traten nicht im Glauben hinzu und drängten sich verfolgungssüchtig heran. Sie hätten gern vom Herrn hören mögen: Ich bin Christus, und hatten vielleicht Christus nur nach seiner menschlichen Seite im Auge. Die Propheten hatten zwar die Gottheit Christi verkündet, allein die Gottheit Christi in den Propheten und sogar im Evangelium verstehen nicht einmal die Häretiker, um wieviel weniger die Juden, solange der Schleier über ihrem Herzen ist? Mit einem Worte, an einer Stelle hat der Herr Jesus, da er wußte, daß sie Christus nur nach seiner Menschheit, nicht nach seiner Gottheit auffaßten, nach dem, was er als Mensch war, nicht nach dem, was er als Gott auch nach Annahme der Menschheit blieb, zu ihnen gesagt: „Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?“ Sie antworteten gemäß ihrer Meinung: „Davids“. Denn so hatten sie gelesen, und dies allein hielten sie fest, weil sie seine Gottheit zwar lasen aber nicht verstanden. Der Herr aber, um sie anzuhalten, daß sie die Gottheit desjenigen suchen möchten, dessen Schwäche sie verachteten, antwortete ihnen: „Wie nennt ihn also David im Geiste Herr, indem er sagt: Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze Dich zu meiner Rechten, bis ich Deine Feinde zu Deinen Füßen lege? Wenn 703 ihn also David im Geiste Herr nennt, wie ist er sein Sohn?“. Er hat nichts verneint, sondern nur gefragt. Niemand meine, wenn er dies hört, daß der Herr Jesus verneint habe, er sei der Sohn Davids. Wenn Christus der Herr als Sohn Davids sich verneinte, so würde er nicht die ihn so anrufenden Blinden erleuchten. Er ging nämlich einmal vorüber, und zwei am Wege sitzende Blinde riefen: „Erbarme Dich unser, Sohn Davids“. Als er dieses Wort hörte, hatte er Mitleid, blieb stehen, heilte und gab das Augenlicht, weil er den Namen anerkannte. Auch der Apostel Paulus sagt: „Der ihm geworden ist aus dem Samen Davids nach dem Fleische“, und an Timotheus: „Sei eingedenk, daß Jesus Christus auferstanden ist von den Toten aus dem Samen Davids nach meinem Evangelium“. Denn vom Samen Davids stammte die Jungfrau Maria, daher kam der Herr vom Samen Davids.