§ 148
1. Damit soll es mit unserem Bericht über die von vielen Gelehrten in voneinander abweichender Form gegebene Zeitrechnung sein Bewenden haben. Was aber die Übersetzung der Heiligen Schrift,sowohl des Gesetzes als auch der Propheten aus der hebräischen in die griechische Sprache betrifft, so geschah sie nach den einen zur Zeit des Königs Ptolemaios, des Sohnes des Lagos, nach den anderen zur Zeit des Ptolemaios mit dem Beinamen Philadelphos, wobei er diese Sache mit dem größten Eifer betrieben und Demetrios von Phaleron die Übersetzung mit großer Sorgfalt in die Wege geleitet hat.
2. Denn während die Makedonier noch Asien beherrschten, hatte der König 125 den Ehrgeiz, die von ihm in Alexandreia gegründete Bibliothek mit allen möglichen Schriften auszustatten, und wünschte deswegen, daß auch die Leute von Jerusalem die Werke ihrer Propheten in die griechische Sprache übersetzten.
§ 149
1. Da diese den Makedoniern noch untertan waren, wählten sie aus ihren angesehensten Männern siebenzig Älteste aus, die in der Heiligen Schrift bewandert und der griechischen Sprache kundig waren, und sandten sie ihm zusammen mit den göttlichen Büchern.
2. Als nun jeder einzelne für sich jedes prophetische Buch übersetzt hatte, stimmten die gesamten Übersetzungen, als man sie miteinander verglich, sowohl dem Sinn als dem Wortlaut nach überein; denn Gottes Wille war auf das Verständnis griechischer Ohren bedacht.
3.Und es ist wirklich nichts Verwunderliches, wenn durch göttliche Eingebung, durch die die Weissagung gegeben worden war, auch die Übersetzung gleichsam als Weissagung in griechischer Sprache bewirkt wurde, da ja auch der Priester Esdras vom Stamm Levi, als während der Gefangenschaft unter Nabuchodonosor die Heiligen Schriften verlorengegangen waren, zur Zeit des Perserkönigs Artaxerxes von göttlichem Geiste beseelt alle die alten Schriften in prophetischer Kraft wieder erneuerte.
§ 150
1. Aristobulos schreibt in dem ersten Buch seines an Philometor gerichteten Werkes wörtlich: „Beeinflußt ist aber auch Platon von unserem Gesetzbuch und hat sich offenbar um jede einzelne der in ihm enthaltenen Bestimmung gekümmert.
2. Die Geschichte des Auszugs der Hebräer, unserer Mitbürger, aus Ägypten und all die wunderbaren Ereignisse, die sie dabei erlebten, und die Eroberung des Landes und die hinzugefügte Erläuterung von der ganzen Gesetzgebung, all das ist schon vor Demetrios von anderen Männern übersetzt worden, und zwar schon vor der Herrschaft des Alexandros und der Perser. 126
3. Daher ist es ganz klar, daß der obengenannte Philosoph vieles daraus entnommen hat (er war ja sehr gelehrt) ebenso wie auch Pythagoras, der manche von unseren Lehren in sein eigenes Lehrgebäude aufgenommen hat.“
4. Und der pythagoreische Philosoph Numenios schreibt geradezu: „Denn was ist Platon anders als ein attisch sprechender Moses?“ Dieser Moses war ein Gottesgelehrter und ein Philosoph oder, wie andere sagen, ein Erklärer der heiligen Gesetze.
5. Von seiner Abstammung, seinen Taten und seinem Leben erzählen zwar die Heiligen Schriften selbst in glaubwürdiger Weise; aber trotzdem müssen auch wir möglichst kurz davon sprechen.