§ 180
1. Daher sagt der ägyptische Priester bei Platon ganz richtig: „Ach Solon, Solon, sagte er, ihr Griechen seid immer Kinder, da ihr in euren Seelen keinerlei althergebrachte, auf alter Überlieferung beruhende Anschauung habt; und unter den Griechen ist keiner ein Greis.“
2. Dabei nannte er, wie ich glaube, „Greise“ diejenigen, die die älteste Geschichte, d.i. unsere Geschichte, kennen, wie anderseits „junge Leute“ diejenigen, die nur die neuere 147 Geschichte und die Vorgänge bei den Griechen, die sich gestern und vor ganz kurzer Zeit ereignet haben, als alt und ursprünglich kennen.
3. Er fügte daher hinzu: „ein altersgraues Wissen“, da die bildlichen Ausdrücke, deren wir uns bedienen, nach einer gewissen bei Barbaren üblichen Gewohnheit formlos und nicht leicht verständlich sind. Freilich kommen die Verständigen ohne besondere Mühe an die ganze Form des sprachlichen Ausdrucks heran.
4. Von den Griechen aber sagt er, daß sich ihre Anschauungen nur wenig von Märchen d.h. Kindern unterscheiden. Denn man darf die Stelle nicht als „Kindermärchen“ auffassen und ebensowenig als „Märchen, die bei den Kindern entstanden sind“.
5. Kinder nannte er vielmehr die Märchen selbst und deutete damit an, daß die, welche sich bei den Griechen für weise halten, nur wenig Einsicht haben; dabei dachte er an „das altersgraue Wissen“, nämlich die bei den Barbaren vorhandene uralte Wahrheit, und setzte diesem Ausdruck den Ausdruck „Märchen, d.h. Kind“ entgegen. Damit brandmarkte er die mit Märchen zu vergleichenden (geschichtlichen) Versuche der Jüngeren, weil sie gleich Kindern kein Alter haben, und bezeichneten so in gleicher Weise beide, sowohl ihre Mythen als auch ihre (geschichtlichen) Erzählungen, als etwas Kindliches.
§ 181
1.Göttlich sagt daher die Erscheinung, die zu Hermas in der Offenbarung spricht: „Die Gesichte und Offenbarungen (werden dir zuteil) wegen der Zweifler, die in ihrem Herzen überlegen, ob dies wohl wirklich ist oder ob es nicht ist.“
2. Ebenso suchen sie auch aus einem Überfluß reichen Wissens sichere Beweise zu gewinnen und den beweisenden Worten Gewißheit und sicheren Grund zu geben, soweit noch ihr Sinn wie der junger Leute „hin und her flattert“.
3.„Eine Leuchte ist ein gutes Gebot“ 148 nach der Schrift, „und das Gesetz ist ein Licht auf dem Wege; denn die Wege des Lebens zeigt die Zucht auf.“
4. „Das Gesetz ist aller König, Der Sterblichen sowohl wie der Unsterblichen“, sagt Pindaros.
5. Ich verstehe aber diese Worte so,daß damit der gemeint ist, der das Gesetz gegeben hat; und ich fasse auch die folgenden Verse des Hesiodos als von dem Gott des Alls gesagt auf, wenn auch der Dichter nur auf Grund unsicherer Vermutung, nicht infolge klarer Erkenntnis so gesprochen hat.
6. „Denn der Kronide hat folgende Ordnung auf Erden gegeben: Fische und Tiere des Feldes und schnellbefiederte Vögel Sollen einander verzehren, dieweil bei ihnen kein Recht gilt; Aber den Menschen verlieh er das Recht, das weitaus das beste“.
§ 182
1. Mag er nun das zugleich mit der Schöpfung oder das später gegebene Gesetz meinen, so stammt jedenfalls von Gott sowohl das angeborene als auch das durch Lernen erworbene Gesetz, da es ein und dasselbe ist, wie auch Platon im „Staatsmann“ sagt, daß es nur einen einzigen Gesetzgeber gebe, und in den „Gesetzen“, daß nur ein einziger Musik wirklich verstehen werde, womit er lehrt, daß es nur einen einzigen Logos und nur einen einzigen Gott gibt.
2. Moses aber nennt offenbar den Herrn „Bund“, wenn er sagt: „Siehe, hier bin ich; mein Bund ist mit dir.“ Nachdem er schon vorher „Bund“ gesagt hatte, fügt er hinzu: Suche ihn nicht in einer schriftlichen Aufzeichnung! Denn „Bund“ ist Gott selbst, der 149 Urheber des Alls, der die Weltordnung schafft; denn (xxx) (theos Gott) hat seinen Namen von (xxx) ( thesis Satzung) und von der Ordnung.
3. In der „Predigt des Petrus“ aber kann man den Herrn „Gesetz und Wort“ genannt finden.
Aber hier soll der erste „Teppich“ unserer wissenschaftlichen Darlegung gemäß der wahren Philosophie abgeschlossen sein.