Theophilus, Bischof von Alexandrien, unermüdlich bestrebt, dem Origenismus entgegen zu arbeiten, hielt im J. 399zu Alexandrien eine Synode, auf welcher er die 499 Lehrsätze des Origenes und deren Anhänger mit dem Anathem belegte, und suchte durch Briefe auch andere Bischöfe zur Beurtheilung des Origenes zu bestimmen. Ein solches Schreiben richtete er auch an den Papst Anastasius, welcher hinwieder den Bischof Simplicianus von Mailand hievon verständigte, den Eifer und die Wachsamkeit des Theophilus belobt und erklärt, daß auch er den Origenes und seine Lehre verurtheilt habe. Unser Schreiben gehört demnach dem J. 399 oder 400an.
§ 1
Dem Herrn Bruder Simplicianus(entbietet)Anastasius (seinen Gruß).
Durch große Sorgfalt und Wachsamkeit über seine Heerde bewährt sich der Hirt. So auch hält von seinem hohen Thurme aus um der Stadt willen ein vorsichtiger Wächter Tag und Nacht seine Beobachtungen. Ein kluger Schiffsmeister leidet in der Stunde des Sturmes und der Gefahr große Geistesanstrengung, damit dasSchiff durch die Stürme und ungestümen Wellen nicht an die Felsen geschleudert werde. Mit gleicher Gesinnung wacht der heilige und ehrwürdige Theophilus, unser Bruder und Mitbischof, unablässig über die Beförderung des Heiles, auf daß nicht das Volk Gottes in den verschiedenen Kirchen 500 durch das Lesen des Origenes in große Gotteslästerungen gerathe.
§ 2
Durch des Genannten Schreiben verständigt, theile ich deiner Heiligkeit mit, daß auch wir hier in der Stadt Rom, welche der Apostelfürst gründeteund durch seinen Glauben befestigte, der glorreiche Petrus, das, was wir erwähnten, verurtheilt haben, damit es Niemand gegen das Verbot lese, und (daß wir) unter großen Bitten gefordert haben, daß die evangelische Lehre, welche die Stimme Gottes und Christi mit eigenem Munde verkündigte, (bewahrt werde und) von ihr keinesfalls abgewichen werden dürfe,sondern in’s Gedächtniß gerufen werden solle, was der ehrwürdige Apostel Paulus vorhersagte und einschärfte: „Wenn Jemand Etwas verkündigte ausser dem, was euch verkündigt worden ist, der sei im Banne." An dieser Vorschrift festhaltend erklärten wir Alles, was im Widersprüche mit unserem Glauben je von Origenes geschrieben wurde, für fremd und verpönt.
§ 3
Dieß haben wir deiner Heiligkeit durch den Priester Eusebius geschrieben, welcher in seinem glühenden Eifer 501 für den Glauben und aus Liebe zu dem Herrn einige Capitel der gotteslästerlichen Lehrevorlegte, welche wir Nicht nur verabscheuten und verurtheilten, sondern wisse, daß auch alle anderen Schriften des Origenes zugleich mit ihrem Verfasser von uns verworfen worden seien. Der Herr bewahre Dich unversehrt, verehrnngswürdiger Herr Bruder!