567 Ja, einige haben sich in der Gottlosigkeit und Torheit so weit treiben lassen, daß sie ihren Pseudogöttern sogar Menschen, von denen diese doch Typen und Form haben, schlachten und zum Opfer bringen. Und die Unseligen sehen nicht, daß die Schlachtopfer die Urbilder der von ihnen ersonnenen und angebeteten Götter sind. Sie opfern ja fast Gleiches dem Gleichen oder vielmehr das Bessere dem Minderwertigen: sie opfern beseelte Wesen den unbeseelten, vernünftige den bewegungslosen. So opfern die sogenannten taurischen Skythen ihrer sogenannten Jungfrau die Schiffbrüchigen und alle Griechen, deren sie habhaft werden können, womit sie bis zum Übermaß ihren Frevelsinn gegen die gleichgearteten Menschen bekunden und so deutlich die Roheit ihrer Götter verraten. Denn sie schlachten ja ihrerseits die, welche die Vorsehung aus den Gefahren des Meeres errettet hat, und treten so fast gegen die Vorsehung auf, weil sie deren gnädige Fügung mit ihrer tierwilden Seele vereiteln. Dem Ares zu Ehren teilen wieder andere nach siegreicher Heimkehr aus dem Krieg die erbeuteten Gefangenen, soweit es reicht, in Abteilungen zu hundert ab, nehmen je einen heraus und schlachten so viele, als sie Hunderte abzählten. Doch nicht bloß die Skythen verüben bei ihrer angeborenen barbarischen Wildheit solche Greueltaten; vielmehr ist dieses Verfahren für die Verruchtheit der Götzen und Dämonen charakteristisch. So brachten auch die Ägypter vor Zeiten der Hera solche Schlachtopfer dar; und die Phönizier und Kreter versuchten den Kronos mit ihren Kindesopfern gnädig zu stimmen. Die alten Römer verehrten den sogenannten latiarischen Zeus mit Menschenopfern. Ob auf die eine oder andere Art, 568 es verunreinigten einfach alle, und alle wurden verunreinigt: Verunreinigt wurden sie, indem sie Mordtaten verübten; sie verunreinigten aber ihre Tempel mit dem Rauch solcher Opfer. Das gab den Menschen Anlaß zu einer Unzahl von Missetaten. Denn da sie sahen, daß ihre Dämonen sich daran ergötzten, so machten sie es alsbald ihren Dämonen in diesen Verfehlungen nach und hielten die Nachahmung des vermeintlich Besseren für ein besonderes Verdienst. Daher erniedrigten sich die Menschen zu Menschen- und Kindermorden und zu allen möglichen Ausschweifungen. So ist denn auch fast jede Stadt aller Unzucht voll, weil ihre Sitten nach denen ihrer Götter sich richteten; und unter den Götzendienern ist keiner recht, der bei ihnen nicht das Zeugnis der Unzucht hat.