Übrigens ist dieses Verfahren nicht neu und kam auch nicht erst im römischen Senat auf, sondern war längst vorher bekannt und wurde üblich, um zu Idolen zu kommen. So wurden die bei den Griechen von jeher gefeierten Götter Zeus, Poseidon, Apollo, Hephäst, Hermes, und unter den weiblichen Hera, Demeter, Athene und Artemis auf Anordnung des bei den Griechen hochberühmten Theseus des Gottesnamens gewürdigt. 546 Diejenigen, die solche Anordnungen trafen, werden nachher als sterbliche Menschen beweint, die sie aber als Götter installierten, werden als Götter angebetet. O des großen Widerspruches und Wahnsinnes! Sie kennen den, der den Kult gebot, und ehren doch mehr die, die er zum Kult erhob. Und hätte doch ihr Götzenwahn beim männlichen Geschlechte haltgemacht und nicht auch noch auf das weibliche den Gottesnamen übertragen! Ja, sogar Frauen, die man nicht einmal zu einer gemeinsamen Beratung von öffentlichen Fragen mit ruhigem Gewissen zulassen kann, erwiesen sie die Gott schuldige Ehre und Ehrfurcht, wie denen, die, wie gesagt, von Theseus eingesetzt wurden: bei den Ägyptern der Isis, Kore, Neotera, und bei anderen Aphrodite. Die Namen der übrigen kann man nach meinem Urteil nicht einmal mit Anstand nennen; so ganz und gar lächerlich sind sie. Es sind nämlich viele, nicht nur in den alten Zeiten, sondern auch in unseren, die nach dem Verlust ihres Teuersten, von Brüdern, Verwandten, Frauen und Männern, die alle von der Natur als sterbliche Menschen erwiesen wurden, eben diese in ihrer großen Trauer um sie abbilden ließen, Weihegaben (für sie) ersannen und aufstellten; diesen erwiesen dann die Nachkommen wegen des Bildes und des künstlerischen Wertes göttliche Verehrung — ein ganz unnatürliches Vorgehen. Denn die die Eltern als Nichtgötter beweinten — hätten sie sie nämlich als Götter gewußt, so würden sie ja sie nicht als tot betrauert haben; deshalb also, weil sie nicht nur nicht an ihre Göttlichkeit glaubten, sondern nicht einmal an ihre Existenz, ließen sie diese im Bilde darstellen, um über ihr Nichtmehrsein durch den Anblick ihres bildlichen Abrisses sich zu trösten —, eben diesen huldigen als Göttern gleichwohl die Toren und erweisen ihnen die dem wahren Gott schuldige Ehre. Wenigstens in Ägypten wird heutzutage noch die Trauer über den Tod 547 des Osiris, Oros und Typhon und der anderen gefeiert. Und die Erze in Dodona und die Korybanten auf Kreta bezeugen heute noch, daß Zeus nicht Gott, sondern ein Mensch ist, und daß er von einem Vater gezeugt ist, der rohes Fleisch aß. Das Auffallendste aber ist, daß sogar Plato, der hochberühmte Weise der Griechen, der sich auf seine Spekulation über Gott viel zugute tat, mit Sokrates in den Piräus hinabgeht zur Anbetung der Artemis, die Menschenkunst gebildet hatte.