Nach solchen Beweisen ist gottlos, wer den Sohn ein Geschöpf nennt. Denn er wird sich genötigt sehen, auch die sprudelnde Quelle ein Geschöpf, die Weisheit, den Logos, in dem alles ist, was des Vaters ist, ein Geschöpf zu nennen. Überdies kann man auch aus folgendem ersehen, daß die Ketzerei dieser Ariomaniten unhaltbar ist. Wir teilen mit jenen, denen wir gleichen, dieselbe Natur und Wesenheit. Weil wir nun als Menschen gleich sind und dieselbe Natur haben, sind wir einander wesensgleich. Allen kommt ja dieselbe Sterblichkeit, Vergänglichkeit, Wandelbarkeit und derselbe Ursprung aus Nichts zu. Auch die Engel untereinander und alle übrigen Dinge haben ebenso die gleiche Natur miteinander gemein. In ihrem Vorwitz sollten sie also erwägen, ob zwischen dem Sohn und den Geschöpfen Gleichheit obwalte, oder ob sie das, was im Sohne ist, auch in den gewordenen Dingen finden können, so daß sie sich erdreisten könnten, auch den Logos Gottes ein Geschöpf zu nennen. Das werden aber diese ganz unbesonnenen Leute, die von der Frömmigkeit abirren, wohl nicht finden. Denn unter den Geschöpfen ist keines allmächtig, steht keines voll in der Gewalt des anderen, weil jedes Gott gehört. Denn „die Himmel erzählen Gottes Herrlichkeit„, „die Erde ist des Herrn und ihre Fülle“, „das Meer sah es und floh„. Und alles dient dem Schöpfer, vollzieht sein Wort und 454 gehorcht seinem Befehl. Der Sohn aber ist allmächtig wie der Vater; das steht geschrieben und ist bewiesen. Unter den Geschöpfen ist ferner keines von Natur unwandelbar. Denn unter den Engeln haben einige ihre Stellung nicht bewahrt, und „die Sterne sind nicht rein vor ihm“. Auch der Teufel fiel vom Himmel; Adam sündigte, und alles ist veränderlich. Der Sohn aber ist unwandelbar und unveränderlich wie der Vater. Das bringt Paulus aus dem 101. Psalm in Erinnerung mit den Worten: „Und du, o Herr, hast im Anfang die Erde gegründet und die Werke deiner Hände sind die Himmel. Sie vergehen, du aber bleibst; sie alle werden altern wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie ändern, und sie werden sich wandeln. Du aber bist derselbe, und deine Jahre nehmen kein Ende„. Und abermals sagt er: „Jesus Christus gestern und heute, derselbe in Ewigkeit“.