Denn auch jene andere richtige Stelle, die von ihnen gleichfalls unrichtig verstanden wird, nämlich: „Von jenem Tag und jener Stunde weiß niemand, weder die Engel noch der Sohn“, hat einen guten Sinn. Jene folgern nämlich aus den Worten „noch der Sohn”, daß er mit dem Hinweis auf sein Nichtwissen seine Geschöpflichkeit zu erkennen gebe. Dem ist aber nicht so; das sei ferne! Denn wie er mit dem Worte ἔκτισεν sich so ausdrückte, wie es der menschlichen Natur 461 angemessen ist, so hat er sich auch mit den Worten „noch der Sohn" so ausgesprochen, wie es mit Bezug auf die menschliche Natur angebracht erscheint. Und der Grund, warum er so redete, ist sehr verständlich. Da er nämlich, wie geschrieben steht, Mensch geworden ist, das Nichtwissen aber den Menschen eigen ist wie Hungern und alles andere — denn die Menschen erkennen nichts, wenn sie es nicht gehört oder gelernt haben —, darum legte er, insofern er Mensch geworden war, auch die menschliche Unwissenheit an den Tag; einmal um zu zeigen, daß er wahrhaft einen menschlichen Leib habe, dann aber auch, um die menschliche Natur, indem er die menschliche Unwissenheit an seinem Leibe trüge, von allem zu erlösen und zu reinigen und sie vollkommen und heilig dem Vater darzubringen. Welchen Vorwand werden die Arianer noch finden können? Was werden sie ferner noch aussinnen und stammeln? Sie sind überwiesen, daß sie das Wort nicht verstehen: „Der Herr schuf mich zu seinen Werken“. Es ist auch gezeigt, daß sie den Sinn der Worte nicht erfassen: „Von jenem Tage weiß niemand, nicht einmal die Engel oder der Sohn”. Denn durch das Wort ἔκτισε με gibt er die menschliche Natur kund, weil er Mensch geworden und geschaffen worden ist. Aber durch die Worte: „Ich und der Vater sind eins“, „wer mich sieht, der sieht auch den Vater”, und „ich bin im Vater und der Vater ist in mir“ gibt er seine Ewigkeit und seine Wesensgleichheit mit dem Vater kund. Ebenso redet er wieder als Mensch, wenn er sagt: „Niemand weiß es, nicht einmal der Sohn”; denn Menschen ist das Nichtwissen eigen. Wenn er aber sagt: „Niemand kennt den Vater außer der Sohn noch den Sohn außer der Vater“, so wird er wohl noch weit mehr die geschaffenen Dinge kennen. Darum sprachen laut Johannes die Jünger zum Herrn: „Jetzt wissen wir, daß du alles weißst”. Es ist also offenbar, daß es nichts gibt, was er nicht weiß, weil er 462 der Logos ist, durch den alles geworden ist. Weil aber zu diesem allen auch jener Tag gehört, wird er sicher durch ihn kommen, und sollten die Arianer infolge ihrer Unwissenheit auch zehntausendmal bersten.