Das ist als das Wesen von den Aposteln her durch die Väter auf uns gekommen. Wer übrigens in der Schrift liest, muß prüfen und unterscheiden, wann sie von der Gottheit des Logos und wann sie von seiner Menschheit redet, damit wir nicht das eine für das andere nehmen und törichte Reden führen, wie es den Arianern ergangen ist. Wir haben nun erkannt, daß er der Logos ist, und deshalb wissen wir, daß „durch ihn alles geschaffen und ohne ihn nichts geschaffen ist“, „daß durch das Wort des Herrn die Himmel befestigt sind”, „daß er sein Wort sendet und alles heilt“. Wir haben ferner erkannt, daß er die Weisheit ist, und deshalb wissen wir, daß Gott durch die Weisheit die Erde gegründet und der Vater alles mit Weisheit gemacht hat. Wir haben auch erkannt, daß er Gott ist, 460 und deshalb glauben wir, daß er der Gesalbte ist; denn David singt: „Dein Thron, o Gott, steht für immer und ewig; ein Szepter der Gerechtigkeit ist das Szepter deiner Herrschaft; du liebst die Gerechtigkeit und hassest das Unrecht, deshalb hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl mehr als deine Genossen”; und bei Jesaias sagt er von sich selbst: „Der Geist des Herrn ist über mir, deshalb hat er mich gesalbt“; Petrus aber legte das Bekenntnis ab: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes”. Ebenso haben wir erkannt, daß er Mensch geworden ist, und deshalb leugnen wir nicht, was von ihm Menschliches ausgesagt wird, z. B. Hungern, Dürsten, Geschlagenwerden, Weinen, Schlafen und endlich den Tod am Kreuz für uns erdulden; denn das alles steht von ihm geschrieben. So hat die Schrift auch das Wort „geschaffen" (ἔκτισεν), das auf die Menschen paßt, nicht verschwiegen, sondern ausgesprochen; denn wir Menschen sind geschaffen und gemacht. Wenn wir aber hören, daß er hungerte, schlief, geschlagen wurde, so leugnen wir doch seine Gottheit nicht. Ebenso werden wir uns wohl, wenn wir das Wort ἔκτισεν vernehmen, folgerichtig daran erinnern, daß er, der Gott ist, als Mensch geschaffen wurde; denn Menschen ist es eigen, geschaffen zu werden, sowie auch, was vorhin angeführt wurde, zu hungern und dergleichen.