Ferner heißt und ist der Heilige Geist Salbung und Siegel; denn Johannes schreibt: „Und ihr, die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, daß euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt…“. Beim Propheten Jesaias aber steht geschrieben: „Der Geist des Herrn ist über mir, deshalb hat er mich gesalbt”. Und Paulus schreibt: „Durch den auch ihr, nachdem ihr gläubig geworden seid, besiegelt wurdet“. Und wiederum: „Betrübet nicht den Geist, durch den ihr besiegelt worden seid für den Tag der Erlösung”. Die Geschöpfe dagegen werden durch ihn gesalbt und versiegelt. Werden aber die Geschöpfe durch den Geist gesalbt und versiegelt, dann ist er kein Geschöpf; denn der Salbende ist nicht den gesalbten Dingen gleich. Diese Salbe ist nämlich Hauch des 465 Sohnes, so daß, wer den Geist hat, sagen kann: „Christi Wohlgeruch sind wir“. Das Siegel ferner drückt den Sohn ab, so daß der Versiegelte die Gestalt Christi hat, wie der Apostel sagt: „Meine Kinder, die ich abermals mit Schmerzen gebäre, bis daß Christus in euch gestaltet ist”. Wenn aber der Geist Wohlgeruch und Gestalt des Sohnes ist, so ist klar, daß er kein Geschöpf ist, da auch der Sohn, der in der Gestalt des Vaters existiert, kein Geschöpf ist. Denn wie derjenige, der den Sohn schaut, auch den Vater schaut, so hat derjenige, der den Heiligen Geist hat, auch den Sohn, und wer ihn hat, ist ein Tempel Gottes, wie Paulus schreibt: „Wisset ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Johannes aber sagt: „Daran erkennen wir, daß wir in Gott bleiben und er in uns, weil er uns von seinem Geiste gegeben hat”. Ist es aber anerkannt, daß der Sohn kein Geschöpf ist, weil er im Vater und der Vater in ihm ist, so folgt mit unbedingter Notwendigkeit, daß auch der Geist kein Geschöpf ist; denn in ihm ist der Sohn und er ist im Sohn. Wer den Geist empfängt, heißt daher Tempel Gottes. Weiterhin läßt sich daraus auch gut ersehen, daß der Sohn, wenn er der Logos Gottes ist, wie der Vater nur einer ist; „denn es ist ein Gott, aus dem alles ist, und ein Herr Jesus Christus". Deshalb wird er in Wort und Schrift als der eingeborene Sohn bezeichnet. Die Geschöpfe dagegen sind viel und verschieden: Engel, Erzengel, Cherubim, Mächte, Gewalten u. s. w., wie bereits bemerkt wurde. Wenn aber der Sohn kein Geschöpf ist, weil er nicht einer aus den vielen, sondern einer ist, wie der Vater einer ist, so ist zweifellos auch der Geist kein Geschöpf. Denn vom Sohne muß man auch die Kenntnis über den Geist erlangen. Der Geist ist ja nicht einer aus den vielen, sondern ist gleichfalls einzig. 466