Da mir dies bekannt war und ich wußte, daß niemand des großen Gottes und Opfers und Hohenpriesters würdig ist, der nicht zuerst sich selbst Gott als lebendiges, heiliges Opfer hingegeben, den vernünftigen, wohlgefälligen Dienst erwiesen und Gott ein Opfer des Lobes und einen zerknirschten Geist gebracht hat, das einzige Opfer, welches Gott, der uns alles gegeben hat, von uns fordert, wie hätte ich den Mut haben sollen, ihm das objektive Opfer zu bringen, welches die die großen Geheimnisse enthaltende Erfüllung ist, wie hätte 56 ich es wagen sollen, Würde und Name eines Priesters anzunehmen, ohne zuvor meine Hände durch heilige Werke gereinigt, ohne das Auge zur gesunden Weltbetrachtung ― nur zur Bewunderung des Schöpfers, nicht aber zum Verderben des Geschöpfes ― erzogen zu haben, ohne daß zuvor meine Ohren durch die Zucht des Herrn genügend geöffnet sind und mir ein Gehör gegeben ist, das nicht schwer zu hören vermag, ohne daß goldenem Ohrgehänge ein kostbarer Edelstein eingelegt ist, (d. h.) das Wort der Weisheit seinen Weg in aufmerksames Ohr gefunden hat. Wie hätte ich es wagen sollen, ehe der Mund sich öffnete, um den Geist in sich aufzunehmen, ehe er sich weit auftat, angefüllt durch den Geist mit geheimnisvollen und lehrreichen Worten, ehe meine Lippen ― um ein Wort der Weisheit zu gebrauchen ― sich in göttlichem Genusse schlossen und ― wie ich beifügen möchte ― zur rechten Zeit sich wieder lösten, ehe meine Zunge von Freude überströmte und ein Instrument göttlicher Melodie wurde, erwachend zur Verherrlichung, erwachend am Morgen und erst ermüdend, wenn sie am Gaumen klebt? Wie hätte ich es wagen sollen, ohne daß zuvor meine Füße, aufrecht wie die Füße von Hirschen, auf Felsen stehen und ohne daß meine Schritte den Weg Gottes geradeaus wandeln, nirgend, auch nicht ein wenig abweichend, ohne daß zuvor jedes Glied ein Werkzeug der Gerechtigkeit geworden ist und wir alles Sterbliche abgelegt haben, nachdem es vom Leben verschlungen und dem Geiste gewichen ist?