276 Lob der Gläubigen wegen ihres zahlreichen Erscheinens. Der Feier des Festes gebührt ein freudiger Redeton, weil der Gegenstand derselben ein freudiger ist. Die Taufe ist geistige Wiedergeburt. Diese Wiedergeburt geschieht in Wasser und heiligem Geiste, weil der Mensch aus Geist und Körper besteht. Durch das Wasser wird Großes vollbracht. Die Taufe darf man wegen des Gebrauches des Wassers nicht als geringfügig ansehen, denn auch in andern Materien wird Großes gewirkt. Wer nicht begreift, wie diese Wirkung vor sich geht, möge bedenken, daß man auch nicht begreift, wie die fleischliche Geburt zu Stande kommt, und so auch manches Andere nicht. ― Hierauf wird erklärt, warum gerade unter den Elementen das Wasser zur Taufe benützt wird, und warum drei Untertauchungen geschehen. Letzterer Umstand gibt ihm wieder Veranlassung zur 277 Polemik gegen die Pneumatomachen. Dann wird mit den Betrachtungen über die Taufe fortgefahren und von den alttestamentlichen Vorbildern der Taufe ausführlich gesprochen. Daran schließt sich eine Ermahnung an die Getauften, die Früchte der Taufe durch die Änderung ihrer Sitten zu zeigen und gegen die Versuchungen des Satans zu kämpfen. Den Schluß bilden Worte des Dankes für die Gnade des Festtages.
§ 1
Jetzt erkenne ich meine Heerde, heute sehe ich die gewohnte Gestalt der Kirche, da ihr aus Überdruß, den fleischlichen Sorgen euch hinzugeben, vollzählig euch zum Dienste Gottes eingefunden habt und das Haus gedrängt voll von Menschen ist, die in das innerste Heiligthum gedrungen sind, den äusseren Platz aber in der Vorhalle Die füllen, welche der innere Raum nicht faßt, ungefähr wie es die Bienen machen. Denn die einen von diesen arbeiten im Innern, die andern aber umsummen den Bienenstock von aussen. So nun macht es, Kinder, und laßt niemals in diesem Eifer nach. Denn ich gestehe, daß ich wie ein Hirt gelaunt bin, und daß ich auf dieser hohen Warte sitzend rings um den Vorsprung der Höhe die Heerde versammelt zu sehen wünsche. Und finde ich es so, so werde ich von bewunderungswürdigem Eifer erfüllt, und die Mühe der Rede ist mir angenehm, wie dem Hirten die Hirtenlieder. Verhält sich aber die Sache anders, und schweift ihr nach auswärts, wie ihr jüngst am vergangenen Tag des Herrn gethan habt, so bin ich sehr ungehalten und ziehe es vor, zu schweigen. Und ich sinne darauf, von hier zu entfliehen, und suche den Karmel des Propheten Elias oder einen unbewohnten Fels auf. Denn es belieben Die, welche niedergeschlagen sind, gewöhnlich die Abschließung von den Menschen und die Einsamkeit. Da ich euch aber jetzt insgesammt 278 mit euren Familien beim Fest versammelt sehe, erinnere ich mich des prophetischen Ausspruches, den Isaias aus der Ferne that, da er die Kirche als eine reichlich mit guten Kindern gesegnete vorher verkündete. „Welche“, sagt er, „sind Diese? Sie fliegen wie Wolken und wie Tauben mit Jungen gegen mich.“ Dem aber fügt er auch Dieß bei: „Zu eng ist mir der Raum, mache mir Platz, damit ich da wohnen kann.“ Denn das hat die Macht des Geistes von der menschenreichen Kirche Gottes vorherverkündet, welche in späterer Zeit die ganze bewohnte Erde von einem Ende zum andern erfüllen sollte.
§ 2
Gekommen ist also die Zeit, welche uns die Erinnerung an die hl. Geheimnisse bringt und zurückführt, die den Menschen reinigen, welche auch von der schwer abzuwaschenden Sünde Seele und Leib reinigen und zur ursprünglichen Schönheit uns emporführen, die Gott, der beste Künstler, an uns dargestellt hat. Und deßhalb habt ihr euch als das eingeweihte Volk, da ihr die Güter unseres Glaubens gekostet habt, hier versammelt; ihr führt aber auch den noch Unwissenden herbei, und wie gute Väter leitet ihr die Uneingeweihten durch sorgfältige Anleitung zur vollkommenen Erfassung der Gottesfurcht. Ich aber freue mich mit beiden Theilen, mit euch Eingeweihten, weil ihr mit einem großen Geschenk bereichert worden seid, und mit euch Uneingeweihten, weil ihr eine herrliche Hoffnung habt, die Nachlassung der Strafe, die Befreiung von den Ketten, die Aussöhnung mit Gott, offenherziges Zutrauen und statt der Niedrigkeit des Knechtes gleichen Rang mit den Engeln. Denn Dieß, und was damit zusammenhängt, gibt uns die Gnade des Taufbades.
Deßhalb wollen wir die übrigen Gegenstände der Schrift auf andere Zeiten versparen und bei dem vorgesteckten 279 Ziele bleiben, indem wir, was für den Festtag geeignet und passend ist, nach unserm Vermögen zum Geschenke bringen. Denn für jedes Fest ist angenehm, was ihm entspricht. So feiern wir das Hochzeitfest mit Hochzeitgesängen, der Trauer aber bringen wir unsere Pflichtgebühr durch Leichengedichte. Bei einem Geschäfte sprechen wir ernst, bei einem Gastmahle lassen wir die Schwermuth und den Ernst der Seele fahren. Jedes Zeitverhältniß aber erhalten wir ungetrübt von Fremdartigem. Es wurde also Christus wie vor wenigen Tagen geboren; der vor jedem sinnlichen und geistigen Wesen Geborne wird heute von Johannes getauft, damit er den Unreinen reinige, den Geist von oben bringe und den Menschen in den Himmel erhöhe, damit der Gefallene aufgerichtet und, der ihn zu Boden geworfen, beschämt werde. Und wundere dich nicht, wenn Gott so große Sorge für uns getragen hat, um* selbst* die Rettung des Menschen zu wirken. Denn mit der Sorge des Bösewichts wurde uns nachgestellt, mit der Vorsorge des Schöpfers werden wir gerettet. Und der boshafte Neider, der in unser Geschlecht die Sünde einschmuggelte, steckte sich unter eine seiner Gesinnung würdige Hülle, die der Schlange, indem der Unreine sich mit seines Gleichen verband, der in seiner Gesinnung Irdische und Unterirdische in einem kriechenden Thiere seine Wohnung aufschlug. Christus aber, welcher dessen Bosheit wieder gut macht, nimmt den vollkommenen Menschen an und rettet den Menschen. Und er wird uns allen Vorbild und Muster, damit er die Erstlinge jeder Handlung heilige und den Eifer der Überlieferung den Knechten unbestritten hinterlasse.
Die Taufe ist also die Reinigung von Sünden, die Verzeihung der Übertretungen, die Ursache der Erneuerung und Wiedergeburt, ― verstehe die Wiedergeburt, die geistig wahrgenommen, nicht mit den Augen gesehen wird. Denn nicht werden wir in Wirklichkeit nach der rohen Auffassung 280 des Hebräers Nikodemus das Greisenalter mit dem Kindesalter vertauschen noch die Runzeln und grauen Haare in das weichliche und jugendliche Aussehen umwandeln, indem wir uns den Menschen wieder in den Mutterleib zurückgeführt denken, sondern wir führen den von Sünden Befleckten, der schon in einem schlechten Lebenswandel ergraut ist, durch die königliche Gnade zur Unschuld des Kindes zurück. Denn wie das neugeborne Kind frei von Schuld und Strafe ist, so braucht auch das Kind der Wiedergeburt sich über Nichts zu verantworten und ist durch ein königliches Geschenk von der Rechenschaft befreit.
§ 3
Diese Wohlthat spendet nicht das Wasser, denn sie ist ja größer als die ganze Schöpfung, sondern der Befehl Gottes und das Herabkommen des Geistes, das in geheimnißvoller Weise zu unserer Freiheit vor sich geht. Das Wasser aber dient, um die Reinigung anzudeuten. Denn da wir gewohnt sind, den von Schmutz und Unrath entstellten Körper mit Wasser zu waschen und zu reinigen, so nehmen wir es deßhalb auch zur heiligen Handlung und zeigen durch eine wahrnehmbare Sache den unkörperlichen Glanz an. Noch gründlicher aber, wenn es beliebt, wollen wir uns mit der Untersuchung über das Bad befassen, indem wir wie bei einer Quelle beim Ausspruch der Schrift beginnen: „Wenn nicht Einer geboren ist aus dem Wasser und Geiste,“ sagt sie, „so kann er nicht eingehen in’s Reich Gottes.“ Was sollen beide, und warum wurde nicht der Geist allein zur vollkommenen Taufe für hinreichend gehalten? Zusammengesetzt ist der Mensch und nicht einfach, wie wir deutlich einsehen, und deßhalb wurden Dem, was doppelt und zusammengesetzt ist, auch verwandte und gleichartige Mittel zur Heilung zugewiesen; dem Körper, welcher äusserlich erscheint, das sinnlich wahrnehmbare Wasser, der unsichtbaren Seele der unsichtbare Geist, der 281 im Glauben angerufen wird und geheimnißvoll zugegen ist. „Denn der Geist weht, wo er will, und du vernimmst seine Stimme und weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht.“ Er segnet den Körper, der getauft wird, und das Wasser, welches tauft. Deßwegen verachte das göttliche Bad nicht und schätze es nicht wegen des Gebrauches des Wassers als etwas Gemeines gering! Denn groß ist seine Wirksamkeit, und bewundernswerth ist, was durch dasselbe zu Stande gebracht wird. Denn auch dieser heilige Altar, an dem wir stehen, ist seiner Natur nach ein gewöhnlicher Stein, der sich in Nichts von den übrigen Steinplatten unterscheidet, aus denen unsere Wände gebaut werden, und mit denen man unsere Fußböden schmückt. Da er aber dem Dienste Gottes geheiligt ist und die Segnung erhalten hat, so ist er ein heiliger Tisch, ein makelloser Altar, der nicht mehr von Allen, sondern nur von den Priestern und auch von diesen mit heiliger Scheu berührt wird. Das Brod hinwiederum ist Anfangs gewöhnliches Brod; wenn es aber durch das Sakrament geheiligt wird, heißt und wird es der Leib Christi. So auch das mystische Öl, so der Wein, welche vor der Segnung geringen Werth haben, nach der Segnung des Geistes aber beide in hervorragender Weise wirksam sind. Die nämliche Kraft des Wortes aber verschafft auch dem Priester Würde und Ehre, indem der neue Segen von dem gemeinen Werthe der Übrigen ihn absondert. Denn gestern und vorgestern war er noch Einer von der Menge und dem Volke, und plötzlich erscheint er als Wegweiser, Vorstand, Lehrer der Gottesfurcht, der in die verborgenen Mysterien einführt; und das thut er ohne Veränderung der körperlichen Gestalt, und indem er äusserlich als Der erscheint, welcher er früher war, wird seine unsichtbare Seele durch eine unsichtbare Macht und Gnade in einen besseren Zustand versetzt.
282 Und wenn du so auf viele Dinge deine Gedanken richtest, so wirst du die äussere Erscheinung ohne Bedeutung finden, groß aber, was von derselben ausgeht, und vorzugsweise, wenn du aus der alten Geschichte sammelst, was dem Gegenstand der Untersuchung verwandt und ähnlich ist. Der Stab des Moses war von Nußbaumholz, was anders als gemeines Holz, das von jeder Hand abgehauen und getragen, nach Belieben zugerichtet und zum Beispiel dem Feuer übergeben wird; als aber Gott die hohen unaussprechlichen Wunder mittelst desselben wirken wollte, wurde das Holz in eine Schlange verwandelt. Und wieder einmal verwandelte er durch einen Schlag in das Wasser, jetzt in Blut das Wasser, und ließ dann eine endlose Schaar von Fröschen hervorkommen. Und wiederum theilte er das Meer, das bis in die Tiefe sich spaltete und nicht zusammenfloß. In gleicher Weise macht das Kleid eines Propheten, das in einem Ziegenfell bestand, den Elisäus zum Gespräche der ganzen Erde. Das Holz des Kreuzes aber bringt allen Menschen Rettung, obschon es, wie ich höre, von einem werthlosen Baume stammt, der ein geringeres Ansehen hat als die meisten. Der Dornstrauch offenbarte dem Moses die Gegenwart Gottes, und die todten Gebeine des Elisäus weckten einen Todten zum Leben, und Erde verschaffte dem Blindgebornen das Augenlicht. Und Dieß alles, was lebloser Stoff ohne Empfindung war, vermittelte die großen Wunder und nahm in sich die Kraft Gottes auf. Mit gleicher Folgerichtigkeit läßt sich schließen, daß auch das Wasser, welches nichts Anderes ist als Wasser, den Menschen zur geistigen Wiedergeburt erneuert, wenn die himmlische Gnade es segnet. Wenn mir aber wieder Einer mit Zweifeln und Einwürfen kommen und mit weiteren Fragen in mich dringen sollte, wie das Wasser und 283 die durch dasselbe bewirkte Weihe eine Wiedergeburt zu Stande bringe, so werde ich ihm ganz mit Recht entgegnen: Erkläre mir die Art und Weise, wie die Geburt nach dem Fleische vor sich geht, und ich werde dir auseinander setzen, wie die Wiedergeburt der Seele bewirkt wird. Du wirst vielleicht einen Grund anzugeben glauben, wenn du sagst: Der Same bewirkt die Entstehung des Menschen. Nimm also auch unsere Erklärung hin, daß das gesegnete Wasser den Menschen reinigt und erleuchtet. Fällst du mir aber wieder in die Rede mit deinem Wie, so werde ich noch lauter die Frage an dich richten, wie aus der feuchten und gestaltlosen Substanz ein Mensch entstehe. Und wenn so die Untersuchung über die ganze Schöpfung sich ausbreitet, kann sie an jedem Gegenstande sich üben, wie der Himmel, wie die Erde, wie das Meer, wie alle einzelnen Dinge entstanden sind. Denn überall ist die Vernunft des Menschen ungenügend, es ausfindig zu machen, und flüchtet sich, wie sich Die, welche nicht gehen können, auf einen Sitz niederlassen, hinter dieses Wörtchen. Und um es kurz zu sagen, überall ist die Macht und Thätigkeit Gottes unergründlich und über jede Wissenschaft erhaben, bringt überall leicht zu Stande, was sie will, und verbirgt uns die gründliche Kenntniß ihrer Wirksamkeit. Daher brach auch der selige David, der einst seinen Geist auf die Herrlichkeit der Schöpfung richtete, mit grenzenlosem Staunen in seiner Seele erfüllt, in jenes von Allen gesungene Wort aus: „Wie herrlich sind deine Werke, o Herr! Alles hast du in Weisheit geschaffen.“ Denn die Weisheit erkannte er im Geiste, die Kunst der Weisheit aber hat er nicht ausfindig gemacht.
Wollen wir also aufhören, lange zu untersuchen, was die menschlichen Kräfte übersteigt, und vielmehr nach Dem forschen, was doch theilweise begriffen werden kann. Warum wird die Reinigung durch Wasser vollzogen? Und 284 zu welchem Zwecke werden drei Untertauchungen vorgenommen? Was nun die Väter lehren, und wozu auch unser Verstand seine Zustimmung gibt, ist Dieß. Wir kennen vier Elemente, aus denen die Welt gebildet ist, die Allen bekannt sind, ohne daß man sie zu nennen braucht; oder wenn man etwa auch für die Einfältigeren sie namentlich ausführen soll: Feuer, Luft, Wasser und Erde. Unser Gott und Erlöser, der das göttliche Werk an uns vollendet, ist auf das vierte derselben, auf die Erde, gekommen, um von da aus das Leben zu erwecken. Wir aber, indem wir die Taufe empfangen, lassen uns zur Nachahmung unsers Herrn, unsers Lehrers und Wegweisers, nicht in der Erde begraben, (denn das ist der Ruheplatz des ganz und gar abgestorbenen Körpers und umgibt die Ohnmacht und Verwesung unserer Natur,) sondern wir begeben uns in das der Erde verwandte Element, das Wasser, und verbergen uns in demselben, wie der Erlöser in der Erde, und indem wir Dieß dreimal thun, stellen wir in uns die Gnade der Auferstehung nach drei Tagen im Bilde dar. Und Dieß thun wir, indem wir nicht unter Stillschweigen das Geheimniß an uns vollziehen lassen, sondern indem die drei heiligen Personen über uns ausgesprochen werden, an die wir glauben, auf die wir hoffen, durch die das gegenwärtige und das zukünftige Leben uns zu Theil wird.
§ 4
Du bist vielleicht ungehalten, der du gegen die Ehre des Geistes vermessen ankämpfest, und mißgönnst dem Tröster die Verehrung, die ihm von den Gottesfürchtigen zu Theil wird. Höre aber auf, mit mir zu zanken, und kämpfe gegen die Aussprüche des Herrn, wenn du kannst, welche die Worte der Taufe den Menschen vorschreiben. Was sagt aber der Befehl des Herrn? Taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Warum 285 im Namen des Vaters? Weil er der Ursprung aller Dinge. Warum des Sohnes? Weil er der Werkmeister der Schöpfung. Warum des heiligen Geistes? Weil er alle Dinge vollendet. Wir unterwerfen uns also dem Vater, damit wir geheiligt werden; wir unterwerfen uns dem Sohne, damit das Nämliche geschehe; wir unterwerfen uns dem heiligen Geiste, damit wir Das werden, was er ist und heißt. Es ist kein Unterschied der Heiligung, als ob der Vater mehr heiligte und der Sohn weniger und der heilige Geist weniger als Beide. Warum also zerstückelst du die drei Personen in verschiedene Naturen und machst drei Götter, die einander unähnlich sind, da du ein und die nämliche Gnade von allen empfängst?
Da aber Beispiele immer die Rede für die Zuhörer mehr beleben, so will ich durch ein Bild die Lästerer über ihren Irrthum belehren, indem ich durch das Irdische und Niedrige das Große deutlich mache, das durch die Sinne nicht wahrgenommen wird. Wenn dir also das Unglück begegnete, von den Feinden gefangen zu werden und die Leiden der Sklaverei zu ertragen und den Verlust der früheren Freiheit zu beseufzen, plötzlich aber drei bekannte Bürger in dem Lande deiner Herren und Gebieter erschienen und dich von deiner Noth und Bedrängniß befreiten, indem sie zu gleichen Theilen das Lösegeld zahlten und die Kosten unter sich gleichmäßig vertheilten: würdest du, wenn dir eine solche Gunst erwiesen würde, nicht alle Drei in gleicher Weise als Wohlthäter ansehen und den Ersatz des Lösegeldes ihnen zu gleichen Theilen bringen, da die Bemühung und der Aufwand für dich gemeinsam gewesen ist, wenn du die Wohlthat in gerechter Weise schätzest? Und das wollte ich nur beispielsweise anführen, denn unser Zweck war jetzt nicht, die Glaubenslehre zu entwickeln.
Wollen wir aber wieder zu Dem, um was es sich jetzt handelt, und zu unserm vorliegenden Gegenstand zurückkehren. Denn ich finde, daß uns die Gnade der Taufe 286 nicht bloß vom Evangelium des Kreuzes verkündet wird, sondern auch vor der Menschwerdung unseres Herrn überall die alte Schrift das Bild unserer Wiedergeburt vorgebildet hat, indem sie nicht offen die Gestalt darstellte, sondern in Sinnbildern die Menschenliebe Gottes im Voraus zu erkennen gab. Und wie das Lamm sich im Voraus sehen ließ und das Kreuz vorhergesagt wurde, so wurde auch die Taufe durch Wort und That angekündigt. Wir wollen die Freunde des Schönen an die Bilder erinnern, denn die Zeit des Festes fordert mit Nothwendigkeit, daran zu erinnern. Agar, die Magd des Abraham, die Paulus im Briefe an die Galater allegorisch anführt, wurde wegen des Zornes der Sara (denn für die gesetzmäßigen Frauen ist eine Magd, die wegen des Herrn in Verdacht steht, etwas Widriges) aus dem Hause ihres Herrn entlassen und irrte einsam im einsamen Lande mit ihrem Säugling Ismael umher. Als sie aber am Nöthigen Mangel litt und sie selbst dem Tode nahe war, noch mehr aber das Kind, ― denn das Wasser im Schlauche war ausgegangen, da es auch nicht möglich war, daß die Synagoge, in der sich bisher nur die Bilder der beständig fließenden Quelle befanden, hinlängliches Wasser des Lebens gewährte, ― da erschien wider Erwarten ein Engel und zeigte ihr einen Brunnen lebendigen Wassers, aus dem sie schöpfte und den Ismael rettete. Sieh also das mystische Bild, wie sogleich im Anfang Dem, welcher dem Untergang nahe ist, durch lebendiges Wasser die Rettung zu Theil wird, das nicht zuvor vorhanden war, sondern von einem Engel aus Gnade gewährt wurde. In späterer Zeit mußte Isaak wieder eine Frau nehmen, wegen dessen Ismael mit seiner Mutter vom väterlichen Heerde vertrieben worden war. Der Diener des Abraham aber, der als Brautwerber abgesendet worden ist, um seinem Herrn eine Braut zu suchen, findet die 287 Rebekka am Brunnen; und die Ehe, aus der Christus abstammen soll, findet ihren Anfang und ihren ersten Abschluß bei dem Wasser.
§ 5
Auch Isaak selbst, als ihm Heerden anvertraut waren, grub überall in der Wüste Brunnen, welche von den Fremden verstopft und verschüttet wurden, um die späteren gottlosen Menschen vorzubilden, welche die Gnade der Taufe durch ihren Kampf gegen die Wahrheit verhinderten und verstopften. Aber doch siegten die Blutzeugen und Priester, welche die Brunnen gruben, und die ganze bewohnte Erde wurde von der Taufgnade überschwemmt. Die nämliche Bedeutung im geistigen Sinne hat es, wenn Jakob eine Braut sucht und unvermuthet am Brunnen mit der Rachel zusammentrifft. Es lag ein großer Stein über dem Brunnen, den die Schaar der Hirten, die da zusammen kam, wegwälzte und dann für sich und ihre Schafe Wasser schöpfte. Jakob aber wälzt den Stein allein weg und tränkt die Schafe seiner Braut. Der Vorfall, glaube ich, ist ein Vorbild und Schatten der Zukunft. Denn was ist der zudeckende Stein anders als Christus selbst, von dem Isajas sagt: „Ich werde in die Grundfeste Sions einen kostbaren, werthvollen und auserlesenen Stein setzen“? Und ebenso Daniel: „Es wurde ein Stein gehauen ohne Hand,“ das heißt, es wurde Christus geboren ohne Mann. Denn wie es neu und unerwartet ist, daß ein Stein vom Felsen gebrochen werde ohne Steinmetz und ohne Werkzeuge eines Steinmetzen, so übertrifft es alle Wunder, daß von einer Jungfrau ohne Mann eine Geburt zum Vorschein kommt. Der Stein also, der über dem Brunnen lag, ist in geistigem Sinne Christus, der in der Tiefe und im Geheimniß das Bad der Wiedergeburt verbirgt, das zur Enthüllung wie eines langen Seiles noch langer Zeit bedarf. 288 Niemand anders aber wälzte den Stein hinweg als Israel, welcher der Geist ist, der Gott sieht. Aber er zieht auch das Wasser empor und tränkt die Schafe der Rachel, das heißt, er offenbart das verborgene Geheimniß und gibt lebendiges Wasser der Heerde der Kirche. Füge hinzu die drei Stäbe des Jakob! Denn sobald die drei Stäbe an die Quelle gelegt waren, wurde von da an der Götzendiener Laban arm, Jakob aber reich an Lämmern. Laban werde aber allegorisch als der Teufel, Jakob als Christus gefaßt. Denn nach der Taufe nahm Christus dem Satan die ganze Heerde ab und wurde selbst reich. Der große Moses, da er noch als ein schönes Kind gesäugt wurde, verfiel dem gemeinsamen finsteren Urtheilsspruch, den der grausame Pharao gegen die männlichen Kinder erließ, und wurde am Gestade des Flusses nicht nackt, sondern in einer Kiste ausgesetzt. Denn das Gesetz mußte bildlich in einer Arche sein. Er wurde aber nahe am Wasser niedergesetzt; denn das Gesetz ist der Gnade benachbart, und täglich nahmen die Hebräer Waschungen vor, die etwas später durch die vollkommene und bewunderungswürdige Taufe überstrahlt werden sollten. Wie aber der göttliche Paulus glaubt, verkündete auch das Volk, das über das rothe Meer ging, die Erlösung der Menschen. Es ging das Volk hindurch, und der ägyptische König wurde mit seinem Heere in den Wellen begraben, und dieß Geheimniß wurde durch die Thatsachen prophezeit. Denn auch jetzt wird das Volk, da es sich im Bad der Wiedergeburt befindet, nachdem es aus Ägypten und der bösen Sünde entkommen ist, seinerseits befreit und gerettet, der Teufel dagegen mit seinen Dienern, nämlich den Geistern der Bosheit, von Schmerz gequält und verzehrt, weil er das Heil der Menschen für sich als ein Unglück betrachtet.
289 Es würde nun Dieß schon zur Bekräftigung des vorliegenden Gegenstandes genügen. Aber auch, was weiter folgt, darf der Freund des Schönen nicht unbeachtet lassen. Denn nachdem das hebräische Volk, wie wir gehört haben, Vieles gelitten und den beschwerlichen Zug durch die Wüste vollendet hatte, kam es nicht eher in den Besitz des Landes der Verheissung, als bis es unter der Führung des Josua, der sein Leben leitete, bis an den Jordan vorgedrungen war. Indem aber Josua auch die zwölf Steine in den Fluß legte, hat er offenbar die zwölf Apostel als die Diener der Taufe im Voraus angedeutet. Und das wunderbare und alle menschliche Vernunft übersteigende Opfer des greisen Thesbiten, ist es etwas Anderes als eine thatsächliche Vorherverkündung des Glaubens an den Vater, Sohn und heiligen Geist und an die Erlösung? Denn da das ganze Volk der Hebräer die Gottesfurcht der Väter mit Füßen trat und sich in die Abgötterei verirrte, und der König Achab ein Spielball des Götzendienstes war, indem er eine böse Genossin des Lebens und eine ganz verruchte Lehrerin der Gottlosigkeit in der verrufenen Jezabel hatte, da ging der Prophet, von der geistigen Gnade erfüllt, zu Achab, und vor den Augen des Königs und des ganzen Volkes erhob er sich gegen die Priester des Baal zum wunderbaren ungeheuren Kampfe, und indem er ihnen vorschlug, das Rind ohne Feuer zu opfern, zeigte er sie in ihrer Lächerlichkeit und Jämmerlichkeit, da sie vergebens zu den falschen Göttern beteten und schrieen. Zuletzt rief er selbst seinen eigenen wahrem Gott an, und führte mit mehreren Vergrößerungen und Zugaben in bewunderungswürdiger Weise den vorgeschlagenem Kampf zu Ende. Denn er lockte nicht einfach durch sein Gebet das Feuer vom Himmel auf das Holz im* trockenen* Zustand herab, sondern nachdem er den Dienern aufgetragen und befohlen, reichliches Wasser herbeizuholen, und dreimal die Wassergefäße auf das gespaltene Holz 290 ausgegossen hatte, zündete er aus dem Wasser durch Gebet das Feuer an, um aus dem natürlichen Gegensatz der Elemente, die unerwartet zu freundschaftlichem Zusammenwirken sich verbanden, die große Überlegenheit der Macht seines Gottes zu zeigen. Auf diese Weise hat Elias uns deutlich die später einzuführende Weihe der Taufe durch jenes bewunderungswürdige Opfer vorhergesagt. Denn als dreimal Wasser ausgegossen war, entzündete sich das Feuer, so daß sich deutlich zeigt, es sei, wo das mystische Feuer, dort auch der belebende, erwärmende, feurige Geist, der die Gottlosen brennt und die Gläubigen erleuchtet. Aber auch dessen Jünger Elisäus reinigt, als der Syrer Naaman, welcher am Aussatze krank war, Hilfe suchend zu ihm kommt, den Kranken nach vorhergegangenem Bade im Jordan, und deutet sowohl durch den Gebrauch des Wassers im Allgemeinen, als durch das Bad im Jordan insbesondere im Voraus die Zukunft an. Denn der Jordan hat allein unter allen Flüssen die erste Heiligung und Segnung in sich aufgenommen und wie aus einer Quelle dessen selbst, was er vorbildete, der ganzen Welt die Gnade der Taufe zugeführt.
Das sind nun die in der* That* und Wirklichkeit hervortretenden Anzeichen der Wiedergeburt durch das Bad. Wollen wir ausserdem auch die Prophezeiungen in* Worten* und Reden betrachten! Isaias also ruft aus und sagt: „Waschet euch, werdet rein, entfernet die Bosheit aus euren Seelen,“ und David: „Tretet zu ihm hinzu und laßt euch erleuchten, und euer Angesicht wird nicht zu Schanden werden.“ Ezechiel aber, der deutlicher und klarer als Beide schreibt, macht die herrliche Verheissung: „Ich werde euch besprengen mit klarem Wasser, und ihr werdet von allen eueren Unreinigkeiten geläutert werden, und ich werde euch von allen eueren Götzenbildern reinigen und euch ein neues Herz 291 und einen neuen Geist verleihen, und ich werde euer steinernes Herz aus euerm Leibe wegnehmen und euch ein Herz von Fleisch geben und werde euch meinen Geist geben.“ Sehr deutlich sagt auch Zacharias den Jesus voraus, der das schmutzige Kleid, das Fleisch des Knechtes, das wir an uns tragen, angezogen hat, und indem er ihm die finstere Kleidung auszieht, läßt er ihn mit dem reinen und glänzenden Gewande schmücken, und belehrt uns durch die bildliche Darstellung, daß wir ja in der Taufe Jesu alle die Sünden wie ein vielfach geflicktes Bettlerkleid aus- und das heilige und schönste Kleid der Wiedergeburt anziehen.
§ 6
Wie werden wir aber jenen Ausspruch des Isaias deuten, welcher den Verlassenen zuruft: „Freue dich, Verlassene, die du durstest. Juble, Verlassene, und blühe wie eine Lilie, und es wird blühen und jubeln die Wüste des Jordan?“ Denn es ist offenbar, daß er nicht unbeseelten und empfindungslosen Gegenden Freude verkündet, sondern er stellt durch die Verlassene sinnbildlich die dürre und ungeschmückte Seele dar, wie auch David, wenn er sagt: „Meine Seele ist dir wie wasserlose Erde,“ und hinwiederum: „Meine Seele durstet nach dem starken lebendigen Gotte,“ und wiederum der Herr im Evangelium: „Wenn Einer durstet, so komme er zu mir und trinke, und zur Samariterin: „Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dursten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird in Ewigkeit nicht dursten.“ Und die Ehre des Karmel wird der Seele verliehen werden, welche der Verlassenen ähnlich ist, nämlich die Gnade des Geistes. Denn weil Elias auf dem Karmel wohnte (der Berg aber wurde wegen der Tugend des Bewohners bekannt und berühmt) und der Täufer Johannes, der im Geiste des Elias 292 hervorleuchtete, den Jordan heiligte, deßhalb weissagte der Prophet, daß die Ehre des Karmel dem Flusse werde verliehen werden. Und die Ehre des Libanon hat er in dem Gleichniß der hohen Bäume auf den Fluß übergetragen. Denn wie jener Libanon hinlänglichen Stoff zur Bewunderung schon in den Bäumen darbietet, die er hervorbringt und erhält, so wird der Jordan verherrlicht, weil er den Menschen die Wiedergeburt verleiht und sie in den Garten Gottes pflanzt; und da die Wiedergebornen nach dem Ausspruch des Psalmisten immer blühen und Tugenden aus ihnen hervorsprossen, so wird ihr Laub nicht abfallen, sondern Gott wird zur rechten Zeit ihre Frucht in Empfang nehmen und sich freuen und als ein guter Pfleger des Gewächses an seinen Werken sich ergötzen. Der göttliche David, der auch den Ausspruch prophezeit, welchen der Vater vom Himmel herab bei der Taufe des Sohnes that, auf die Hörenden natürliche Würde der Gottheit hinzuleiten, wenn sie auf die bis dahin sinnlich wahrnehmbare Niedrigkeit im Menschen sähen, hinterlegte folgenden Ausspruch in der Schrift: „Das Wort des Herrn über den Gewässern, das Wort des Herrn in Herrlichkeit.“
Aber die Zeugnisse aus der heiligen Schrift müssen wir damit beschließen, denn es würde die Rede endlos anwachsen, wenn man alles Einzelne ausheben und in* ein* Buch zusammenstellen wollte. Ihr alle aber, die ihr euch brüstet mit dem Geschenke der Wiedergeburt und stolz seid auf die heilsame Erneuerung, zeigt mir nach der mystischen Gnade die Veränderung der Sitten und lasset, wie sehr ihr euch zum Bessern umgewandelt habt, an der Reinheit eueres Lebens erkennen. Denn in dem, was in die Augen tritt, ändert sich Nichts, die Gestalt des Körpers bleibt unverändert, und in der Bildung der sichtbaren Natur tritt kein Wechsel ein. Wir müssen aber nothwendig einen 293 * offenbaren* Beweis haben, um den neugebornen Menschen zu erkennen und an gewissen offenbaren Zeichen den neuen vom alten zu unterscheiden. Dieß aber, glaube ich, sind die freiwilligen Bewegungen der Seele, durch welche sie sich selbst von der alten Lebensweise losreißt und einen neuen Lebensweg einschlägt und so Denen, die mit ihr in Berührung kommen, offen zeigen wird, daß sie anders geworden ist und kein Merkmal der alten Seele an sich trägt. Folgendes aber ist die Art und Weise der Umgestaltung, wenn ihr mir folgen und meine Worte zur Richtschnur nehmen wollt. Der Mensch war vor der Taufe zügellos, habsüchtig, fremdem Eigenthum gefährlich, schmähsüchtig, lügenhaft, verleumderisch, und wenn sonst Etwas dem ähnlich ist und damit zusammenhängt. Er werde nun eingezogen, mäßig, zufrieden mit seinem Eigenthum, und theile von demselben den Armen mit, werde wahrheitsliebend, lasse Jedem seine Ehre, sei zugänglich und übe, um es kurz zu sagen, jedes lobenswerthe Werk aus. Denn wie durch das Licht die Finsterniß verscheucht wird, und das Schwarze durch das Hinzukommen der weissen Farbe verschwindet, so verschwindet auch der alte Mensch, wenn man mit den Werken der Gerechtigkeit ihn schmückt. Du siehst, wie auch Zachäus durch die Umwandlung seines Lebens den Zöllner ablegte und Denen, welche er durch seine Ungerechtigkeit beschädigt hatte, vierfachen Ersatz leistete, das Übrige aber unter die Armen vertheilte, da er es früher aus dem Säckel der bedrängten Armen in verkehrter Weise angesammelt hatte.
Ein anderer Zöllner, der Evangelist Matthäus, ein Standesgenosse des Zachäus, legte sogleich nach seiner Berufung wie eine Maske sein bisheriges Leben ab. Paulus ist ein Verfolger, aber nach empfangener Gnade ein Apostel, der für Christus schwere Ketten trägt zur Abbitte und Sühne für jene ungerechten Ketten, die er einst vom 294 Gesetze empfing, und mit denen er die Anhänger des Evangeliums bekämpfte. So mußte die Wiedergeburt beschaffen sein, so mußte man die Gewohnheit der Sünde ausrotten, so einen Wandel mußten die Kinder Gottes führen. Denn nach dem Empfang der Gnade heissen wir seine Kinder. Und deßhalb mußten wir genau die Eigenschaften unseres Schöpfers betrachten, damit wir mit dem Vater gleiche Gestalt und Bildung annehmen und als wahre Kinder Desjenigen erscheinen, der uns in die Kindschaft der Gnade aufgenommen hat. Denn ein schlimmer Vorwurf ist ein unächter und unterschobener Sohn, der in seinen Werken den Adel seines Vaters Lügen straft. Deßwegen, glaube ich, bedient sich auch der Herr selbst, da er im Evangelium uns die Lebensregeln vorschreibt, jener Reden an seine Jünger: „Thut Denen Gutes, die euch hassen, betet für Die, welche euch mißhandeln und verfolgen, damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel seid; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Denn Söhne, will er sagen, werden sie dann werden, wenn sie die Ähnlichkeit mit der Güte des Vaters durch ihre Liebe gegen ihre Stammesgenossen ihrer eigenen Gesinnung einprägen.
Deßhalb setzt uns auch, nachdem wir zur Würde der Kindschaft gelangt sind, der Teufel um so heftiger zu, indem er neidischen Blickes fast vergeht, wenn er die Schönheit des neugebornen Menschen sieht, der zum himmlischen Leben eilt, aus dem er selbst vertrieben wurde; und da facht er in euch heftige Versuchungen an und bemüht sich, euch auch den zweiten Schmuck zu rauben, wie die erste Zierde. Aber wenn wir seine Anfälle fühlen, so ziemt es sich, das Wort des Apostels auf uns anzuwenden: „Wir alle, die wir in Christus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft.“ Wenn wir aber dem Tode gleich geworden sind, so ist 295 nothwendig fürderhin in uns auch die Sünde todt, durchbohrt von der Lanze der Taufe, wie jener Unreine von dem Eiferer Phineas. Fliehe also von uns, Unglücklicher, denn du willst einen Todten plündern, der einst auf deiner Seite stand, der längst die Empfindungen der bösen Lust abgelegt hat! Ein Leichnam hat keine Liebe zu den Körpern, ein Leichnam wird nicht vom Reichthum gefesselt, ein Leichnam verleumdet nicht, ein Leichnam lügt nicht, raubt nicht, was ihm nicht gehört, schmäht nicht über Das, was ihm begegnet. In einer andern Weise habe ich mein Leben eingerichtet. Ich habe gelernt, die Welt zu verachten, das Irdische fahren zu lassen und nach dem Himmlischen zu streben, wie auch Paulus ausdrücklich bezeugt, daß „die Welt ihm gekreuzigt ist und er der Welt.“ Das sind die Worte der in Wahrheit wiedergebornen Seele, das die Aussprüche des neuen Menschen, welcher sich an sein Versprechen erinnert, das er bei der Mittheilung des Geheimnisses Gott machte, wo er sich bereit erklärte, jede Pein und jede Lust aus Liebe zu ihm zu verachten.
Das nun mag genug sein über den heiligen Gegenstand des Tages, den der Kreislauf des Jahres in dem festgesetzten Zeitabschnitte uns gebracht hat. Passend ist es nunmehr, mit dem menschenfreundlichen Geber eines so großen Geschenkes die Rede zu beschließen, indem wir ein schwaches Wort für großartige Dinge als Ersatz darbieten. Denn du bist in Wahrheit, o Herr, eine reine und ewige Quelle der Güte, der du mit Recht uns von dir gewiesen und dann liebevoll dich unser erbarmt hast. Du hast uns gehaßt und hast dich ausgesöhnt, du hast uns verflucht und hast uns gesegnet, du hast uns aus dem Paradiese verstoßen und wieder zurückgerufen, du hast die Feigenblätter, das schmucklose Kleid, uns ausgezogen und uns in einen kostbaren Mantel gehüllt, du hast das Gefängniß aufgeschlossen und die Verurtheilten <296> entlassen, du hast uns besprengt mit reinem Wasser und vom Schmutze gereinigt. Nicht mehr wird Adam, wenn er von dir gerufen wird, sich schämen, und nicht wird er vom Gewissen überführt sich verhüllen und unter den Bäumen des Paradieses sich verbergen. Auch wird fürwahr nicht das feurige Schwert das Paradies rings absperren und Denen, welche nahen, den Eingang unzugänglich machen. Alles vielmehr ist für uns, die Erben der Sünde, in Freude umgestaltet, und zugänglich ist für den Menschen das Paradies und selbst der Himmel. In Freundschaft hat sich die Schöpfung vereinigt, die irdische und überirdische, die einst in sich selbst uneins war, und wir Menschen stehen in Einklang mit den Engeln und halten ihre Gotteserkenntniß heilig. Deßhalb wollen wir Gott den Freudengesang singen, den ein vom Geiste erfüllter Mund einst prophetisch angestimmt hat: „Es juble meine Seele im Herrn. Denn er hat mir angezogen das Kleid des Heiles und mich bekleidet mit dem Mantel der Freude. Wie einen Bräutigam hat er mich umgürtet und wie eine Braut mich mit Schmuck geziert.“ Der die Braut schmückt, ist nothwendig Christus, der ist und war und sein wird hochgelobt jetzt und in Ewigkeit. Amen.III. Rede auf das heilige Osterfest und die dreitägige Feier der Auferstehung Christi.