Darum wollen wir das Licht des Geistes nicht auslöschen. Ausgelöscht wird aber dieses Licht durch jede böse Handlung, Lästerung, Schmähung und ähnliches. Es ist mit diesem Lichte wie mit dem Feuer, welches durch alles Fremdartige ausgelöscht, durch alles Verwandte genährt wird. Was trocken, was warm, was feuerartig ist, das nährt die Flamme des Geistes; darum wollen wir nichts Kaltes, nichts Nasses hinzukommen lassen, denn sonst erlischt sie.
718 Diese Stelle kann man aber auch noch anders auslegen. Unter den Christen von Thessalonike gab es nämlich Manche, welche wahre Prophezeiungen verkündeten, aber auch solche, welche falsche Weißagungen verbreiteten. Nun sagt der Apostel im Briefe an die Korinthier, Gott habe deßhalb die Gabe der Unterscheidung der Geister verliehen. Die göttliche Gnadengabe der Weißagung wollte der Teufel in seiner Bosheit benutzen zum Verderben der Kirche. Denn neben Denjenigen, welche auf göttliche Eingebung weißagten, gab es jetzt auch Solche, welche vom Teufel angetrieben prophezeiten, die Ersteren wahr, die Letzteren lügenhaft, und man hatte kein Mittel zur Unterscheidung des Einen von dem andern. Beide redeten fort, wie Jeremias und Ezechiel. Da verlieh Gott die Gabe der Unterscheidung der Geister und nun wurden die weißagenden Geister erkannt.
Bei den Thessalonikern weißagten nun damals auch Viele, worauf der Apostel an einer andern Stelle hindeutet, wenn er sagt: „Lasset euch nicht schrecken weder durch Lehre, noch durch einen angeblich von mir herrührenden Brief, als ob der Tag des Herrn unmittelbar bevorstehe!“ Darum fügt Paulus unmittelbar nach der Mahnung: „Löschet den Geist nicht aus!“ ganz passend hinzu:
Weißagungen verschmähet nicht!
Damit will er sagen: Weil unter euch einige falsche Propheten aufgestanden sind, darum dürft ihr die wahren nicht verachten und verstoßen. Löschet ihre Gabe nicht aus, d. h. „Weißagungen verschmähet nicht!“ 21. Prüfet Alles!