Doch jetzt fällt mir gerade noch Etwas ein, das ich sagen will. Und was ist das? Wenn du in Armuth oder Krankheit geräthst, so lerne, wenn von Niemand anders, so doch wenigstens von den Bettlern auf den Gassen, Dank zu sagen Gott dem Herrn! Diese Leute, die ihr Leben lang betteln, lästern Gott nicht, murren nicht und klagen nicht, sondern wenn sie von ihrem Unglück reden, so preisen sie noch den Herrn, indem sie Gottes Güte und Gnade rühmen. Also Derjenige, welcher vor Hunger fast umkommt, preist die Güte Gottes, du aber, der du in Überfluß lebst, beklagst dich über seine Grausamkeit, weil du nicht die Güter Aller dein allein eigen nennen kannst. Um wie viel höher steht so ein Armer als wir? Was für ein Vorwurf wird dereinst für uns aus seinem Verhalten entstehen? Ja, als unser aller Lehrer und Tröster im Unglück hat Gott auf der ganzen Welt aufgestellt die Armen. Ist dir vielleicht ein Leid widerfahren? Gut, aber doch vielleicht kein so großes, wie Jenem. Du hast ein Auge verloren. Aber Jener hat gar keines mehr. Du bist in eine langwierige Krankheit gefallen. Gut; aber die deines Nachbarn ist unheilbar. Du hast Kinder verloren, Jener aber noch dazu seine Gesundheit. Du hast einen großen Nachtheil erlitten. Aber du bist denn doch noch nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Darum sage Dank deinem Herrn und Schöpfer! Du stehst jene Armen im qualvollen Zustände der Armuth, siehst sie, wie sie Alle anflehen und Nichts erhalten. Wenn nun du zum Herrn rufst und 726 nicht erhört wirst, so denke nur daran, wie oft ein Armer vergeblich deine Milde angerufen: der aber hat dir nicht gegrollt und hat dich nicht geschmäht. Du hast des Armen nicht geachtet aus Hartherzigkeit, Gott aber erhöret manchmal nicht dein Flehen aus Barmherzigkeit. Du also glaubst keinen Tadel zu verdienen, wenn du einen Mitknecht aus Hartherzigkeit nicht erhörst, aber den Herrn des Knechtes der aus Barmherzigkeit dich nicht erhört, den erkühnst du dich zu tadeln?
Siehst du, welche Unbilligkeit und Ungerechtigkeit du dir zu Schulden kommen lässest?