V. Christus verschmäht es nicht, diese Unglücklichen alle zugleich mit dem Könige zu seinem Gastmahle zu laden, denn beide werden zugleich geladen — du aber hältst es vielleicht unter deiner Würde, bei deinen Spenden an die Armen persönlich mit ihnen zu verkehren? Pfui, welcher 729 Dünkel, welcher Hochmuth wäre das! Da wäre zu fürchten, es möchte dir das nämliche Loos zu Theil werden, wie dem reichen Prasser im Evangelium. Dieser hielt es unter seiner Würde, den Lazarus auch nur anzusehen, er ließ ihn weder in sein Wohngemach noch überhaupt in sein Haus eintreten, nein, draußen vor der Thüre mußte er liegen, keines Wortes ward er von jenem gewürdigt. Als aber später der reiche Prasser in Noth war und der Hilfe des armen Lazarus bedurfte, stehe, da ward ihm auch kein Beistand zu Theil. Denn wenn wir uns Derjenigen schämen, welcher sich Christus nicht schämt, so schämen wir uns Christi selbst in seinen Freunden. Darum besetze deinen Tisch mit Lahmen und Krüppeln; in ihrer Gestalt erscheint Christus bei dir, nicht in der Person der Reichen. Du lachst vielleicht bei diesen Worten. Nun, damit du nicht glaubest, das seien nur Worte von mir, so höre die Worte Jesu Christi selbst, und dann lache nicht mehr, sondern zittere! Er sagt nämlich. „Wenn du eine Mahlzeit hältst, so lade nicht deine Freunde dazu, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit diese nicht etwa dich wieder einladen und du so Vergeltung empfangest; sondern wenn du ein Gastmahl hältst, so lade Arme, Gebrechliche, Blinde dazu ein, und selig wirst du sein, weil sie dir nicht vergelten können, denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ Von einem solchen Gastmahl wirst du aber auch schon hienieden größere Ehre haben, wenn du überhaupt solche suchst, als von einem andern. Denn von jenen Gastmählern, zu welchen du Reiche und Angesehene einladest, erntest du Neid und Mißgunst, üble Nachreden und Schmähungen, und schwebst allezeit in Angst, es möchte Etwas nicht in Ordnung sein, und sind hochgestellte Persönlichkeiten bei dir zu Gaste, so ist dir zu Muthe wie einem Sklaven in Gegenwart seines Herrn und bangen 730 Herzens fürchtest du dich vor mißfälligen Bemerkungen von ihrer Seite. Ganz anders ist es aber, wenn die Armen deine Gäste sind. Was du ihnen vorsetzest, das nehmen sie mit Freuden an, lauter Beifall wird dir zu Theil, viel größeres Lob, reichere Ehre erntest du, als von einem anderen Gastmahle, und auch Alle, die davon hören, zollen dir darob viel größere Anerkennung. Willst du mir aber nicht glauben, so mache einmal den Versuch, o Reicher! Bisher hast du Heerführer und Fürsten eingeladen: lade einmal eine Schaar von Armen zu Gaste, und sieh zu, ob nicht Alle dir Beifall spenden, ob sie dir nicht alle Liebe entgegen bringen, ob sie dich nicht gleich einem Vater ehren. Freilich wirst du von solcherlei Gastereien wenig irdischen Gewinn ziehen, statt dessen wartet aber deiner reicher Gotteslohn im Himmel, und es harren deiner die Schätze der ewigen Seligkeit, deren wir alle theilhaftig werden mögen durch die Gnade und Liebe unsers Herrn Jesu Christi, welchem wie dem Vater und dem hl. Geiste Preis, Ruhm und Ehre sei jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit! Amen.