13. In der Heiligung des Geistes, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium zur Erwerbung der Glorie unsers Herrn Jesu.
Das ist nichts Geringes, daß Christus unsere Selig- 784 keit als seine eigene Herrlichkeit betrachtet. Das ist nämlich die Herrlichkeit des Menschenfreundes, daß recht Viele in ihm Heil und Rettung finden. Groß ist also unser Herr, wenn er eine solche Sehnsucht nach unserm Heile trägt; groß auch der heilige Geist, der unsere Heiligung bewirkt.
Warum nennt nun der Apostel die Heiligung an erster Stelle, und nicht vielmehr den Glauben? Darum, weil wir auch nach der Heiligung des Glaubens noch gar sehr bedürfen, um nicht wankend zu werden. Auch daraus könnt ihr wieder ersehen, wie der Apostel immer bestrebt ist, darzuthun, daß Alles, was die Gläubigen sind und haben, nicht ihr Werk, sondern Gottes Werk sei.
14. So stehet denn fest, Brüder, und haltet an den Überlieferungen, die ihr von uns empfangen habt, sei es durch das Wort oder durch einen Brief von uns!
Aus diesen Worten geht hervor, daß die Apostel nicht Alles schriftlich, sondern gar Vieles auch ungeschrieben überliefert haben. Das eine ist so glaubwürdig wie das andere. Darum halten wir auch die Ueberlieferung der Kirche für glaubwürdig. „Es ist Überlieferung!“ Nichts weiter. Aus den obigen Worten ist auch zu schließen, daß damals Viele wankend geworden waren.
15. Er selbst aber, unser Herr Jesus Christus und unser Gott und Vater, der uns geliebt und uns durch seine Gnade ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben hat, 16. tröste eure Herzen und stärke sie in jeder guten That und Lehre!
Hier haben wir wieder Gebet mit Ermahnung ver- 785 bunden; das heißt wahrhaftig den Schwachen zu Hilfe kommen. „Der uns geliebt und uns durch seine Gnade ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben hat.“ Was sagen dazu Jene, welche behaupten, der Sohn sei geringer als der Vater, weil sein Name in der Taufformel nach dem des Vaters genannt wird? Hier heißt es gerade umgekehrt, zuerst: „Unser Herr Jesus Christus,“ und dann: „Der Gott und Vater unsers Herrn;“ — „Der uns geliebt und ewigen Trost gegeben hat.“ Was denn für einen Trost? Die Hoffnung auf das ewige Leben. Ihr sehet, wie der Apostel durch die Form eines Gebetes den Muth der Gläubigen aufrichtet, indem er die Unterpfänder und Beweise der unaussprechlichen Liebe Gottes vor Augen stellt.
„Er tröste eure Herzen in jeder guten That und Lehre!“ D. h. durch jede gute That und Lehre. Das ist ja der Trost der Christen, daß sie nicht bloß etwas Gutes, sondern Alles thun wollen, was Gott gefällt. Mit den folgenden Worten stimmt der Apostel die Gläubigen zur Demuth; er sagt nämlich:
„Der uns durch seine Gnade Trost und gute Hoffnung gegeben hat.“ Zugleich aber flößt er ihnen frohe Hoffnung auf die zukünftigen Güter ein. Denn wenn Gott uns jetzt schon durch seine Gnade so Großes gegeben hat, so wird er um so mehr das Zukünftige geben. „Er stärke euch.“ Der Apostel sagt gleichsam: Ich habe euch nun wohl zur Standhaftigkeit ermahnt, aber auf Gott kommt Alles an, er muß uns stärken und kräftigen, daß wir nicht wanken und weichen. Zu diesem Zwecke müssen wir aber mit der Gnade Gottes mitwirken, und zwar bezüglich des Glaubens wie der guten Werke. Und wenn wir so feststehen, so ist das für uns ein großer Trost. Denn wenn einmal Einer nicht mehr wankt, mag dann kommen, was da will, er trägt jegliches Leiden und Ungemach mit Starkmuth; verfällt er aber dem Wankelmuthe 786 dann ist er nicht mehr im Stande, etwas Großes und Erhabenes zu vollbringen. Ist der Mensch nicht von der Ueberzeugung durchdrungen, daß er auf ein edles Ziel hinarbeite, so ist die Kraft seiner Seele gebrochen, gerade wie die Kraft eines Körpers, dem die Hände gelähmt sind.