Weil ich aber euch Alle mit väterlicher Liebe umfasse, und weil die Liebe Alles wagt, so bete ich nicht bloß in der Kirche, sondern auch zu Hause vor allem Andern für euer geistiges und leibliches Wohl. Denn kein anderes Gebet steht dem Priester so wohl an, als wenn er vor Allem im Interesse seines Volkes vor Gott hintritt und um Gnade fleht. Wenn Job sich schnell erhob und so Vieles für seine leiblichen Kinder that, um wie viel mehr sind wir dieß unsern geistlichen Kindern schuldig! IV. Weßhalb aber sage ich Solches? Um euch zu zeigen, daß, wenn ich für euch Alle bete und Fürsprache einlege, obgleich ich der Hoheit eines solchen Amtes keineswegs entspreche, ihr um so mehr zu gleichem Thun verpflichtet seid. Daß Einer für Viele bitte, ist ein Wagstück und setzt viel Selbstvertrauen voraus, daß aber Viele gemeinschaftlich für Einen beten, ist nichts Anmaßendes; denn ein Jeder betet dann, nicht im Vertrauen auf seine eigenen Verdienste, sondern im Vertrauen auf die große Zahl der Mitbeter und ihr gemeinschaftliches Flehen, um derentwillen Gott das Gebet gewöhnlich am ehesten erhört. „Denn wo ihrer zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,“ spricht der Herr, „da bin ich mitten unter ihnen.“ Ist nun Christus, wo zwei oder drei versammelt sind, in deren Mitte, so gilt das doch wohl in weit höherem Grade von euch. Was nun Einer im stillen Gebete für sich nicht erlangen kann, das wird er er 791 langen im gemeinschaftlichen Gebete mit der Gemeinde. Warum? Weil, wenn auch nicht seine eigene Tugend, so doch das gemeinschaftliche Gebet viel vermag.