Also den Tod nahm er auf sich und hing den Tod am Kreuze auf, und gerade durch den Tod werden wir Todeswürdige befreit. Dies ist im Vorbild geschehen bei den Alten, der Herr erwähnt es. „Und wie Moses, sagt er, eine Schlange in der Wüste erhöhte, so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe.“ Ein großes Geheimnis; die es gelesen haben, kennen es. Sodann, die es nicht gelesen oder die es nach dem Lesen oder Anhören vergessen 212 haben, die sollen es hören. Das Volk Israel lag in der Wüste wegen der Bisse von Schlangen danieder. Es war ein großes Hinsiechen in verschiedenen Todesarten; denn es war eine Plage Gottes, der strafte und geißelte, um zu erziehen. Da ward ein großes Geheimnis einer zukünftigen Sache gezeigt; der Herr selbst bezeugt es in dem heutigen Lesestück, so daß es niemand anders erklären kann, als es die Wahrheit selbst von sich angibt. Es wurde nämlich dem Moses vom Herrn der Auftrag gegeben, eine eherne Schlange zu machen und sie auf einem Holze in der Wüste zu erhöhen und das Volk Israel zu ermahnen, daß jeder, der von einer Schlange gebissen worden, zu jener am Holze erhöhten Schlange aufschauen solle. Es geschah; die Menschen wurden gebissen, sie schauten hinauf und wurden geheilt. Was sind die beißenden Schlangen? Die aus der Sterblichkeit des Fleisches stammenden Sünden. Wer ist die erhöhte Schlange? Der Tod des Herrn am Kreuze. Denn weil von der Schlange der Tod kommt, ist er unter dem Bilde der Schlange dargestellt worden. Der Biß der Schlange ist tödlich, der Tod des Herrn ist lebenspendend. Die Schlange wird angeschaut, damit die Schlange nichts vermöge. Was ist das? Der Tod wird angeschaut, damit der Tod nichts vermöge. Aber wessen Tod? Der Tod des Lebens, wenn man sagen kann „Tod des Lebens“, oder vielmehr weil so gesagt werden kann, wird es auf wunderbare Weise gesagt. Oder soll man nicht sagen, was doch geschehen mußte? Soll ich Bedenken haben zu sagen, was der Herr für mich zu tun sich würdigte? Ist Christus nicht das Leben? Und doch ist Christus am Kreuze. Aber im Tode Christi ist der Tod gestorben, weil das ertötete Leben den Tod tötete, die Fülle des Lebens den Tod verschlang; verschlungen ist der Tod im Leibe Christi. So werden auch wir bei der Auferstehung sagen, wenn wir bereits triumphierend singen werden: „Wo ist, o Tod, dein Streit? Wo ist, o Tod, dein Stachel?“ Jetzt indessen, Brüder, wollen wir, um von der Sünde geheilt 213 zu werden, auf Christus den Gekreuzigten hinschauen, weil „wie Moses, sagt er, die Schlange in der Wüste erhöhte, so auch der Sohn des Menschen erhöht werden muß, damit ein jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“. Wie diejenigen, welche zur Schlange emporblickten, durch die Bisse der Schlangen nicht umkamen, so werden diejenigen, welche im Glauben den Tod Christi betrachten, von den Bissen der Sünden geheilt. Aber jene wurden vom Tode errettet, um das zeitliche Leben zu haben, Christus aber sagt: „Damit sie das ewige Leben haben“. Denn dies ist der Unterschied zwischen dem Vorbilde und der Sache selbst: das Vorbild verlieh das zeitliche Leben, die Sache, die vorgebildet wurde, verleiht das ewige Leben.