Nicht scheuen sollen wir diesen Tod, aber fürchten sollen wir jenen. Was aber das Schlimmste ist, viele sind durch eine verkehrte Furcht vor diesem Tode jenem anheimgefallen. Zu einigen ist gesagt worden: Betet die Götzen an; wenn ihr es nicht tut, werdet ihr getötet werden; oder wie jener Nabuchodonosor sagte: „Wenn ihr es nicht tut, werdet ihr in den glühenden Feuerofen geworfen werden“. Viele fürchteten sich und leisteten die Anbetung; sie wollten nicht sterben und sind gestorben; aus Furcht vor dem Tode, dem man nicht entgeht, sind sie dem Tode anheimgefallen, dem sie glücklich hätten entgehen können, wenn sie nicht den, dem man nicht entgehen kann, unglückseligerweise gefürchtet hätten. Du bist als Mensch geboren, du wirst sterben. Wo willst du gehen, um nicht zu sterben? Was willst du tun, um nicht zu sterben? Um den, der notwendig sterben wird, zu trösten, hat dein Herr sich gewürdigt, freiwillig zu sterben. Da du siehst, daß Christus gestorben, kannst* du* dich weigern zu sterben? Also du wirst sterben, du hast keinen Ausweg. Mag es heute, mag es morgen sein, es wird geschehen, die Schuld muß eingelöst werden. Was erreicht also der Mensch, wenn er sich fürchtet, wenn er flieht, wenn er sich verbirgt, um vom Feinde nicht gefunden zu werden? Bewirkt er etwa, daß er nicht stirbt? Aber doch wenigstens, daß er später stirbt. Er erlangt keine Sicherheit vor der zu leistenden Schuld, sondern verlangt nur einen Aufschub. Wie lange es auch hinausgeschoben werden 640 mag, es wird kommen, was verschoben wird. Jenen Tod sollen wir fürchten, den die drei Männer fürchteten, da sie zum Könige sagten: „Mächtig ist Gott, uns auch aus diesem Feuer zu befreien, aber auch wenn nicht“. Da war die Furcht vor jenem Tode, den der Herr soeben androht, indem sie sagten: Aber auch wenn er nicht offen befreien will, so kann er im Verborgenen krönen. Daher sagt auch der Herr selbst, der Märtyrer machen und selbst das Haupt der Märtyrer sein wollte: „Fürchtet nicht diejenigen, welche den Leib töten, und nachher nichts mehr zu tun vermögen“. Wie nun vermögen sie nichts mehr zu tun? Wie, wenn sie nach der Tötung den Leib den wilden Tieren zur Zerfleischung und den Vögeln zur Zerreißung hinwerfen? Da scheint die Wut noch etwas tun zu können. Aber wem geschieht das? Dem, der abgeschieden ist. Der Leib ist da, aber es ist keine Empfindung mehr vorhanden; die Wohnstätte ist da, aber der Bewohner ist fort. Also nachher „vermögen sie nichts mehr zu tun“; denn dem Empfindungslosen tun sie nichts. „Sondern fürchtet den, der Macht hat, sowohl den Leib wie die Seele zu töten im Feuer der Hölle“. Siehe, von welchem Tode er sprach, da er sagte: „Wer mein Wort hält, wird den Tod nicht schauen in Ewigkeit“. Halten wir also, Brüder, sein Wort im Glauben fest: Wir werden zur Anschauung gelangen, wenn wir die Freiheit in ihrem Vollmaße erlangen werden.