„Abraham, euer Vater, jauchzte, daß er meinen Tag sähe, und er sah ihn und freute sich.“ Ein bedeutsames Zeugnis gibt dem Abraham der Same Abrahams, der Schöpfer Abrahams. „Abraham jauchzte“, sagt er, „daß er meinen Tag sähe.“ Er fürchtete nicht, sondern „jauchzte, daß er ihn sähe“. Denn in ihm war die Liebe, welche die Furcht austreibt. Er sagte nicht: Er jauchzte, weil er ihn sah, sondern „er jauchzte, daß er ihn sähe“. Gläubig fürwahr jauchzte er in der Hoffnung, daß er ihn sähe in der Erkenntnis. „Und er sah ihn.“ Was hätte der Herr Jesus Christus mehr sagen können oder was hätte er mehr sagen sollen? „Er sah ihn“, sagt er, „und freute sich.“ Wer erklärt diese Freude, meine Brüder? Wenn jene sich freuten, welchen der Herr die fleischlichen Augen öffnete, welches war dann die Freude desjenigen, der mit den Augen des Geistes das unaussprechliche Licht sah, das ewige Wort, den fromme Herzen bestrahlenden Glanz, die unendliche Weisheit, den beim Vater bleibenden Gott, der einmal im Fleische kommen und doch nicht den Schoß des Vaters verlassen sollte? Das alles sah Abraham. Denn wenn er sagt: „meinen Tag“, so mag ja nicht feststehen, was er meinte, ob nämlich den zeitlichen Tag des Herrn, an dem er im Fleische kommen sollte, oder den Tag des Herrn, der keinen Aufgang und keinen Untergang kennt. Aber ich zweifle nicht, der Vater Abraham habe alles gewußt. 643 Und wo werde ich das finden? Oder muß uns das Zeugnis unseres Herrn Jesu Christi genügen? Angenommen, wir können es nicht finden, weil es vielleicht sehr schwierig ist, einleuchtend darzutun, daß Abraham „jauchzte“, den Tag Christi zu sehen, und daß „er ihn sah und sich freute“. Und wenn wir es nicht finden, könnte etwa die Wahrheit lügen? Glauben wir nur der Wahrheit und zweifeln wir nicht im geringsten an Abrahams Verdiensten. Doch vernehmet eine Stelle, die mir inzwischen einfällt. Als Vater Abraham seinen Knecht absandte, um für seinen Sohn Isaak eine Frau zu werben, da verpflichtete er ihn durch einen Schwur, daß er den empfangenen Auftrag getreu erfülle und auch selber wisse, was er tun solle. Denn es handelte sich um eine wichtige Angelegenheit, als für den Nachkommen Abrahams eine eheliche Verbindung gesucht wurde. Aber damit der Knecht das erkennen möchte, was Abraham wußte, daß er nämlich Enkel nicht in fleischlicher Weise begehrte noch betreffs seines Geschlechtes an etwas Fleischliches dachte, sprach er zu dem Knechte, den er sandte: „Lege die Hand unter meine Hüfte und schwöre beim Gott des Himmels“. Was hat der Gott des Himmels mit der Hüfte Abrahams zu tun? Schon erkennet ihr das Geheimnis: durch die Hüfte das Geschlecht. Was war also jener Schwur als ein Hinweis darauf, daß aus dem Geschlechte Abrahams der Gott des Himmels im Fleische kommen werde? Toren tadeln den Abraham, daß er sagte: „Lege die Hand unter meine Hüfte“. Die das Fleisch Christi tadeln, tadeln die Handlung Abrahams. Wir aber, Brüder, wollen, wenn wir das verehrungswürdige Fleisch Christi erkennen, jene Hüfte nicht verachten, sondern im prophetischen Sinne verstehen. Denn ein Prophet war Abraham. Wessen Prophet? Seines Nachkommens und seines Herrn. Auf seinen Nachkommen wies er hin, indem er sprach: „Lege die Hand unter meine Hüfte“; auf seinen Herrn wies er hin, indem er beifügte: „und schwöre beim Gott des Himmels“.