Worin aber der Dienst Christi besteht, dem ein so großer Lohn in Aussicht gestellt wird, das müssen wir ganz besonders erforschen. Denn wenn wir meinen, dies heiße Christus dienen, daß wir ihm das, was für den Leib nötig ist, zubereiten, oder ihm zum Tische Speise kochen oder auftragen, oder ihm den Becher reichen und den Trank mischen, so haben das diejenigen getan, die sich seiner körperlichen Gegenwart erfreuten, wie Martha und Maria, als auch Lazarus einer von den Tischgenossen war. Allein in dieser Weise hat auch der unglückselige Judas dem Herrn gedient; denn er hatte auch den Beutel, und obwohl er aus dem Eingelegten in schurkischer Weise entwendete, so wurde durch ihn doch auch das Nötige besorgt. Damit hängt es auch zusammen, daß, als der Herr zu ihm sagte: „Was du tust, das tue bald“, einige meinten, er habe ihm befohlen, wegen des Festes das Nötige zu besorgen oder den Armen etwas zu geben. Keineswegs also würde der Herr von solchen Dienern sagen: „Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein“, und: „Wenn jemand mir dient, wird ihn mein Vater ehren“, da wir ja sehen, wie Judas, der solche Dienste leistete, viel mehr verworfen als geehrt wurde. Warum also suchen wir anderswo, was es heiße, Christus dienen, und erkennen wir es nicht vielmehr in diesen Worten selbst? Wenn er nämlich gesagt hat: „Wer mir dient, folge mir nach“, so wollte er dies so verstanden wissen, als würde er sagen: Wer mir nicht nachfolgt, dient mir nicht. Es dienen also Christus diejenigen, welche nicht das Ihrige suchen, sondern das, was Jesu Christi ist. Denn das heißt: „er folge mir nach“, er wandle meine Wege, nicht die seinigen, wie anderswo geschrieben steht: „Wer da 755 sagt, er bleibe in Christus, der muß, wie* er* wandelte, auch selber wandeln“. Er muß auch, wenn er dem Hungernden Brot reicht, es aus Barmherzigkeit tun, nicht aus Ruhmsucht; dabei nichts anderes suchen als ein gutes Werk, ohne daß die Linke weiß, was die Rechte tut, d. h. so, daß die Absicht, etwas zu begehren, fernbleibt von dem Werke der Liebe. Wer so dient, der dient Christus, und mit Recht wird zu ihm gesagt: „Was du einem aus meinen Geringsten getan hast, das hast du mir getan“. Und wer nicht bloß das, was sich auf die leibliche Barmherzigkeit bezieht, sondern alle guten Werke wegen Christus tut (denn dann werden sie gut sein, weil „das Ziel des Gesetzes Christus ist, zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“), der ist ein Diener Christi bis zu jenem Werke großmütiger Liebe, welches darin besteht, sein Leben für die Brüder hinzugeben; denn das heißt, dasselbe auch für Christus hingeben, weil er auch dies wegen seiner Glieder sagen wird: Was ihr für diese getan habt, das habt ihr für mich getan. Mit Rücksicht auf ein solches Werk hat er ja auch sich selbst zum Diener zu machen und sich so zu nennen sich gewürdigt, indem er sagt: „Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben für viele“. So also ist jener ein Diener Christi, wie auch Christus selbst ein Diener ist. Wer in solcher Weise Christus dient, den wird sein Vater ehren mit jener großen Ehre, daß er bei seinem Sohne sei und seine Seligkeit niemals ein Ende nehme.