Vom Nützlichen: Die Bedingungen zur Erteilung eines vertrauenswürdigen Rates vorbildlich eingelöst bei Salomo, Moses (56), Daniel (57—58) und Joseph (59).
56. Aber auch der an dritter Stelle genannte Vorzug unter denen, die der Bewunderung für würdig erachtet würden, scheint mit dem Hinweis auf das Beispiel Josephs, Salomos und Daniels sich zu erledigen. Was sollte ich denn von Moses reden, auf dessen Ratschläge ganz Israel täglich harrte? Schon das Leben dieser Männer weckte Vertrauen zu ihrer Klugheit und steigerte die Bewunderung für dieselbe. Wer hätte nicht dem Rate des Moses vertraut, dem die Ältesten im Fall, daß ihrer Ansicht nach etwas die eigene Einsicht und Kraft überstieg, die Entscheidung anheimstellten?
57. Wer hätte Daniels Rat zurückgewiesen, von dem Gott selbst beteuerte: „Wer ist weiser als Daniel?“ Oder wie hätten die Leute im Zweifel über die Einsicht 161 derer sein können, denen Gott so große Gnade verlieh? Durch des Moses Rat wurden Kriege beendet, durch des Moses Verdienste strömte Speise vom Himmel, Trank aus dem Felsen.
58. Wie rein war Daniels Seele, daß er der Barbaren Sitten milderte, Löwen besänftigte!. Welche Mäßigkeit war in ihm! Welche geistige und leibliche Enthaltsamkeit! Nicht mit Unrecht ward er Gegenstand der Bewunderung für alle, da er, was doch die Menschen so gewaltig anstaunen, trotz der Freundschaft mit Königen, auf die er sich stützen konnte, nicht nach Gold verlangte und das ihm übertragene Ehrenamt nicht über den Glauben stellte. Ja er wollte sogar lieber für das Gesetz des Herrn Gefahr laufen, als um den Preis von Menschengunst sich umstimmen lassen.
59. Was soll ich denn von der Keuschheit und Gerechtigkeit des Joseph sagen, den ich beinahe übergangen hätte? Erstere verschmähte die Lockungen der Herrin und wies ihre Lohnangebote zurück; letztere verachtete den Tod, verscheuchte die Furcht und wählte lieber den Kerker. Wer hätte ihn, dessen reiche Seele und fruchtbarer Geist eine unfruchtbare Zeit gleichsam mit dem Born des Rates und der Einsicht speiste, nicht auch in einer persönlichen Angelegenheit für den rechten Mann zu Ratserholung gehalten?