Hieronymus · Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108) · Kapitel 8
104Die Wanderung durch Coelesyrien und Phoenicien übergehe ich, denn ich will ja keine Reisebeschreibung geben. Nur jene Orte werde ich anführen, welche in der Heiligen Schrift Erwähnung finden. Nachdem Paula an der römischen Kolonie Berytus und der alten Stadt Sidon vorübergegangen war, besuchte sie am Gestade bei Sarepta den Turm des Elias, wo sie den göttlichen Heiland anbetete. Durch das sandige Ufer von Tyrus, in welchem der hl. Paulus die Spuren seiner Knie zurückgelassen hatte, gelangte sie nach Akko, dessen heutiger Name Ptolemais lautet. Nachdem sie ihre Reise durch die Gefilde von Megiddo, welche Zeugen von Josias Tod waren, fortgesetzt hatte, betrat sie das Gebiet der Philister. Dort erregten die Ruinen der einst so mächtigen Stadt Dor und weiterhin der Stratonsturm, welchen Herodes, der König des Judenlandes, zu Ehren des Kaisers Augustus Caesarea genannt hatte, ihre Bewunderung. In dieser Stadt besuchte sie das Haus des Cornelius, an dessen Stelle jetzt eine christliche Kirche steht, ferner die Wohnung des Philippus und die Gemächer der vier jungfräulichen Prophetinnen. Darin begab sie sich nach Antipatris, einem halbzerstörten Städtchen, 105dessen Name sich auf Herodes’ Vater zurückführt hierauf nach Lydda, das jetzt Diospolis heißt. Diese Stadt ist berühmt durch die Auferweckung der Dor-kas und des Äneas, sowie durch ihr gesundes Klima. Von hier aus besuchte sie das in der Nähe liegende Arimathia, die Heimat des Joseph, der den Herrn begraben hat, und die einstige Priesterstadt Nob, welche jetzt als Ruhestätte für Erschlagene dient. Auch in der Hafenstadt Joppe verweilte sie, von der aus Jonas seine Flucht unternommen hatte, der gegenüber Andromeda an den Felsen gefesselt war, um denn zur Abwechslung etwas aus den Sagen der Dichter zu erwähnen. Auf der Weiterreise berührte sie Nikopolis, das alte Emmaus, wo der Herr durch die Brotbrechung, an der man ihn erkannte, das Haus des Kleophas zu einem Goiteshause geweiht hat. Von hier aus machte sie sich auf nach dem unteren und oberen Bethoron, welche beiden Städte mannigfachen Kriegssfürmen zum Opfer fielen, obwohl sie von Salomon befestigt worden waren. Rechts sah sie Ajalon 106und Gabaon liegen, wo Josue, Naves’ Sohn, als er mit fünf Königen in eine Schlacht verwickelt war, der Sonne und dem Monde Halt geboten. Dort war es auch, wo er die Gabaoniten wegen des durch Täuschung in hinterlistiger Weise erwirkten Bündnisses, um sie zu strafen, zu Holz- und Wasserträgern gemacht hat. In Gabaa, das bis auf den Erdboden zerstört war, rastete Paula kurze Zeit. Hier gedachte sie der Sünde dieser Stadt und des in Stücke zerschnittenen Weibes, wie auch der zweimal dreihundert Männer aus dem Stamme Benjamin, die um des Apostels Paulus willen gerettet worden waren.