Hieronymus · Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108) · Kapitel 11
Alsbald fing sie an, in beschleunigter Gangart auf dem alten Wege, der nach Gaza, d.h. zu der Macht oder den Reichtümern Gottes führt, weiterzureisen, wobei sie darüber nachdenken konnte, wie der äthiopische Kämmerer, der Vertreter der Heidenvölker, seine Hautfarbe geändert und über der Lesung des Alten Testamentes den Quell des Evangeliums gefunden hat. Dann bog sie nach rechts ab. Von Bethsur kam sie nach Escol, das Traube bedeutet. Dorther brachten die Kundschafter zum Beweise für die reiche Fruchtbarkeit des Landes und als Typus dessen, der da sagt: „Die Kelter habe ich allein getreten, und aus den Völkern ist niemand bei mir“, eine Traube von wunderbarer Größe. Nicht lange nachher besuchte sie die Zellen der Sara, die Geburtsstätte Isaaks und die Überreste der 112Eiche Abrahams, unter welcher er voller Freude den Tag Christi gesehen hat. Von dort brach sie auf und erstieg Hebron oder Cariath Arbe, d. h. Stadt der vier Männer, nämlich des Abraham, Isaak, Jakob und Adam, des mächtigen Enakssohnes, dessen Grabstätte die Juden nach dem Buche Josue hier vermuten. Allerdings halten die meisten den Caleb für den vierten, dessen Denkmal, verfertigt aus Ziegelstein, man dort zeigt. Nach Cariath sepher, d.h. Stadt der Buchstaben, wollte sie nicht gehen; denn sie verachtete den tötenden Buchstaben, nachdem sie den lebendigmachenden Geist entdeckt hatte. Lieber bewunderte sie die oberen und unteren Wasser, welche Othoniel, der Sohn des Kenez und Enkel des Jephone statt des südlichen Landes und eines dürren Besitztumes erhalten hat. Er leitete sie so, daß er damit auch die bei der ersten Verteilung erhaltenen Ländereien bewässerte, wodurch angedeutet werden soll, daß man in dem Taufwasser die Vergebung der vorhergegangenen Sünden finden kann. Am folgenden Tage stand Paula nach Sonnenaufgang auf der Anhöhe von Caphar Barucha, d.h. Ort der Segnung; bis hierhin hatte Abraham den Herrn begleitet. Von diesem Orte aus schaute Paula in eine weite Einöde, auf die Gegend, in der einst Sodoma und Gomorrha, Adama und Seborim lagen; weiter sah sie die balsamischen Weingärten von Engaddi und Segor, die „dreijährige 113Kuh“, dessen früherer Name Belah war und im Syrischen durch Zoara, d. h. die Kleine, wiedergegeben wird. Sie dachte an die Höhle Lots, und in Tränen aufgelöst, ermahnte sie die Jungfrauen, welche sie begleiteten, sich vor dem Weine zu hüten; denn er sei die Quelle der Unkeuschheit und sein Werk die Moabiter und Ammoniter.