Er selbst erklärt das, indem er weiterfährt: „Wahrlich, ich sage euch“. Damit wir nicht etwa, weil er sagte: „Er ist vom Tode zum Leben hinübergegangen“, dies von der künftigen Auferstehung verstehen, da er doch zeigen wollte, daß der Gläubige hinübergehe und daß der Übergang vom Tode zum Leben nichts anderes sei als hinübergehen vom Unglauben zum Glauben, von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit, vom Stolze zur Demut, vom Hasse zur Liebe, so sagt er jetzt: 380 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde, und sie ist jetzt“. Was ist deutlicher? Fürwahr schon hat er erschlossen, was er meinte, da jetzt bereits geschieht, wozu uns Christus ermahnt. „Es kommt die Stunde.“ Welche Stunde? „Und sie ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören werden, die werden leben.“ Von diesen Toten haben wir schon gesprochen. Was meinen wir, meine Brüder? Sind in dieser Schar, die mich hört, keine Toten? Denn die, welche glauben und nach dem wahren Glauben ihr Handeln einrichten, leben und sind nicht tot; die aber entweder nicht glauben oder wie die Teufel glauben, zitternd, und ein schlechtes Leben führen, den Sohn Gottes bekennen und die Liebe nicht haben, diese sind vielmehr für tot anzusehen. Und doch währt diese Stunde noch. Denn die Stunde, von welcher der Herr sprach, ist keine Stunde von den zwölf Stunden des einen Tages. Von da an, wo er sprach, bis zu dieser Zeit und bis zum Ende der Welt dauert jene eine Stunde, von welcher Johannes in seinem Briefe sagt: „Kindlein, es ist die letzte Stunde“. Also ist sie jetzt. Wer lebt, der lebe; wer tot war, lebe; es höre die Stimme des Sohnes Gottes, wer tot dalag, er stehe auf und lebe. Der Herr rief am Grabe des Lazarus, und der vier Tage tot war, stand auf. Der schon roch, trat ans Tageslicht hervor; er war begraben, ein Stein war darüber gelegt, die Stimme des Herrn ging durch die Härte des Steines, und dein Herz ist so hart, daß dich jene göttliche Stimme noch nicht bricht? Steh auf in deinem Herzen, geh hervor aus deinem Grabe! Denn tot lagst du in deinem Herzen wie in einem Grabe und gleichsam von dem Steine der bösen Gewohnheit warst du beschwert. Steh auf und geh hervor. Was heißt das: Steh auf und geh hervor? Glaube und bekenne. Denn wer glaubt, der ist auferstanden; wer bekennt, der ist hervorgegangen. Warum sagten wir, wer bekennt, sei hervorgegangen? Weil er, bevor er bekannte, verborgen war; wenn er aber bekennt, geht er aus der 381 Finsternis ans Licht hervor. Und wenn er bekannt hat, was wird da zu den Dienern gesagt? Was am Grabe des Lazarus gesagt wurde: „Löset ihn und laßt ihn gehen“. Wie ist das zu verstehen? Zu den Dienern, den Aposteln, wurde gesagt: „Was ihr lösen werdet auf Erden, das wird auch im Himmel gelöst sein“.