Nachdem P. Julius, der standhafte Vertheidiger des Atbanasius, gestorben und Constantius Alleinberrscher des ganzen römischen Reiches geworden war, erneuerten die Arianer ihre Angriffe gegen Athanasius; neuerdings wurde dieser beim Kaiser und beim Papste angeklagt, aber auch seine Freunde, 80 Bischöfe an der Zahl, schickten eine neue Vertheidigungsschrift für ihn nach Rom. Der Papst hielt darum die Berufung eines großen Concils für nöthig; der Kailser sagte Anfangs zu; als aber die päpstlichen Legaten, Vincentius, Bischof von Capua, und Marcellus, Bischof in Campanien, bei dem damals in Arles residirenden Kaiser 202 die Bitte um Berufung der Synode nach Aquileia wiederholten, schlug er es ab und veranstaltete eine solche in Arles (gegen Ende des J. 353). Daselbst wurde den versammelten Bischöfen ein schon zum Voraus fertiges Verdammungsurtheil über Athanasius vorgelegt, welches wahrscheinlich von Valens und Ursacius, den Häuptern und Lenkern dieser Synode wie des Kaisers selbst, verfaßt war; durch Drohungen und nicht geringe Gewalt erlangte Constantius endlich die Unterschriften aller orthodoxen Bischöfe, auch der päpstlichen Legaten (nur Bischof Paulinus von Trier blieb standhaft und wurde nach Phrygien verbannt). Über diesen Abfall seiner Legaten beklagt sich nun der Papst in dem Schreiben an Osius; aber auch an andere Bischöfe richtete er ähnliche Schreiben, wie uns von einem solchen an Cäcilian von Spoleto ein kleines Bruchstück erhalten ist, damit Niemand glaube, er billige den Schritt seiner Gesandten.
Weil ich Dir nichts vorenthalten darf, (theile ich Dir auch Folgendes mit): Viele Bischöfe Italiens waren zusammengekommen, welche mit mir den höchstfrommen Kaiser Constantius gebeten hatten, daß er, wie er schon längst beschlossen hatte, ein Concil nach Aquileia berufen lasse. Ich mache deiner Heiligkeit bekannt, daß Vincentius von Capua mit Marcellus, gleichfalls Bischof in Campanien, unsere Gesandtschaft übernommen habe. Von ihmnun, weil er die Angelegenheit (des Glaubens) so gut vertheidigte und in derselben mit deiner Heiligkeit als Richter fungirt hattehoffte ich Vieles und glaubte, daß durch ihn als Gesandten 203 das Evangelium Gottes rein bewahrt werden könne. Aber nicht nur erlangte er Nichts, sondern ließ sich sogar selbst zu jener Heuchelei verführen. Von doppelter Trauer über diese seine That niedergebeugt, beschloß ich lieber für Gott zu sterben, damit ich nicht als der letzte Ankläger erscheine oder als ob ich Urtheilen, welche dem Evangelium widersprechen, zustimmte.