Zwischen diesem und dem vorhergehenden Briefe liegt ein Zeitraum von zehn Jahren; die demselben angeblich angehörenden Briefe werden als unechte hernach aufgeführt werden. Zum Verständnisse dieses Schreibens dienen folgende Notizen: Als die Arianer auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt waren und der nicänische Glaube schon verloren schien, theilten sie sich in zwei Haupt-Parteien, die der strengen Arianer (Anomöer, Aetianer, Eunomianer 227 genannt) und in jene der Semiarianer oder Macedonianer(https://bkv.unifr.ch/works/267/versions/288/scans/a0auch Homoiusiasten), welche einander auf das heftigste bekämpften. So hielten Letztere mit Erlaubniß des Kaisers Valens unter dem Vorsitz des Eleusius von Cyzikus im J. 365 eine Synode zu Lampsakus am Hellespont, welche das, was das acacianische Concil zu Constantinopel im J. 360 beschlossen hatte, namentlich die Absetzung der Semiarianer sammt dem Glaubensbekenntniß dieser Synode für ungiltig erklärte, den semiarianischen Ausdruck „ähnlich der Wesenheit nach„ sanctionirte und den Eudoxius und Acaciusfür abgesetzt erklärte. Eudoxius aber setzte es durch, daß der Kaiser nicht nur die Beschlüsse dieser Synode nicht annahm, sondern auch die Anhänger derselben verbannte. Um sich vor dem völligen Untergange zu retten, hielten sie hierauf (im J. 366) verschiedene Synoden zu Smyrna, in Pisidien, Isaurien. Pamphilien und Lycien, überhaupt in Kleinasien und beschloßen hier, Deputirte an den abendländischen Kaiser Valentinian und an Papst Liberius abzusenden, um ihnen eine Glaubens-Union anzubieten. Als aber ihre Gesandten in Rom ankamen, war Valentinian bereits nach Gallien gegangen; der Papst aber wollte sie Anfangs nicht vorlassen, weil sie Arianer seien. Sie erklärten jedoch, seit länger wieder den rechten Weg gefunden und die Wahrheit eingesehen zu haben; sie überreichten auf Verlangen des Papstes eine schriftliche Glaubens- 228 erklärung, worin sie auch das nicänische Symbolum wörtlich recitirten. Wir besitzen demnach in diesem Schreiben das Document über die Rückkehr (des weitaus größten Theiles der Semiarianer zur Kirche; seine Abfassung fällt dem Gesagten gemäß in das J. 366.
Dem Herrn Bruder und Mitdiener Liberius (entbieten) Eustathius, Theophilus, und Silvanus Gruß im Herrn.
Wegen der wahnsinnigen Verdächtigungen der Häretiker, welche den katholischen Kirchen unablässig Ärgernisse bereiten, stimmen wir. Jenen alle Veranlassung entreissend, der von den rechtgläubigen Bischöfen zu Lampsakus, Smyrna und an verschiedenen anderen Orten gehaltenen Synode bei, als deren Gesandte wir deiner Güte und allen Bischöfen Italiens und des Abendlandes ein Schreiben überbringen, daß sie den katholischen Glauben festhalte und bewahre, welcher auf der heiligen Synode in Nicäa zur Zeit des seligen Constantinus von 313 Bischöfen festgesetzt wurde, rein und 229 unerschüttert bis nun und immer verbleibt, in welchem das „wesensgleich" gegen die verkehrte Lehre des Arius in heiliger und gottseliger Weise enthalten ist. Daß wir ebenso denselben Glauben der Vorhergenannten festgehalten haben und festhalten und bis zum Ende bewahren, bekennen wir eigenbändig. Wir verurtheilen den Arius und seine gottlose Lehre mit seinen Schülern und alle Häresie des Patriassianers, des Marcion, Photinus, Marcellus und Paulus Samosatenus, deren Lehre und alle Gesinnungsgenossen und alle Häresien, welche dem vorerwähnten heiligen Glauben widersprechen, welcher fromm und katholisch von den hl. Vätern in Nicäa auseinandergesetzt wurde. Vor allem anathematiziren wir den Arius und das, was auf der Synode von Rimini entgegen der hl. Synode von Nicäa geschehen ist, das wir in Constantinopel, wohin es von Nice in Thracien gebracht wurde, unterschrieben haben, durch List und Meineid betrogen. Unser Glaube aber und Jener, deren Gesandte, wie schon gesagt, wir sind, ist dieser: 230
Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge; und an einen [eingeborenen Gott, den] Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, gezeugt aus dem Vater, d. i. aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus dem Licht, wahrer Gott aus dem wahren Gotte, gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich mit dem Vater, durch den Alles geschaffen ist, sowohl was auf dem Himmel, als auch auf der Erde ist, der wegen uns Menschen und wegen unserer Erlösung herabgekommen und Fleisch geworden, Mensch geworden ist, [und] gelitten hat und auferstanden ist am dritten Tage, aufgefahren ist in den Himmel und kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Und an den hl. Geist. Diejenigen, welche sagen: es war (eine Zeit), wo er nicht war, und bevor er gezeugt wurde, war er nicht, und er ist aus Nichts entstanden, oder die sagen, er sei von einer andern Hypostase oder Usie oder der Sohn Gottes sei veränderlich oder einer Wandelbarkeit unterworfen. Diese belegt die katholische und apostolische Kirche [Gottes] mit dem Banne.
Ich Eustathius, Bischof von Sebaste, und Theophilus und Silvanus, Gesandte der Synode von Lampsakus, Smyrna und der anderen, haben dieses Bekenntniß eigenhändig und freiwillig geschrieben. Wenn aber Jemand nach dieser Er- 231 klärung unseres Glaubens gegen uns oder gegen Jene, die uns gesandt, irgend eine Anklage vorbringen will, so komme er mit dem Schreiben deiner Heiligkeit zu denen, welche deine Heiligkeit als rechtgläubige Bischöfe geprüft hat, und führe vor diesen mit uns Prozeß, und wenn Etwas in Bezug auf die Klage begründet ist, soll gegen den Schuldigen das Urtheil gefällt werden.