Dieses Schreiben gab Papst Liberius den Deputirten der Semiarianer in seinem und der ganzen abendländischen Kirche Namen an ihre Committenten (64morgenländische Bischöfe) mit; er erklärt darin, daß er aus dem Bekenntnisse der Orientalen und ihrer Gesandten ersehen habe, daß sie mit seinem Glauben und dem des ganzen Abendlandes übereinstimmten; es sei dieß kein anderer als der nicänische, der in dem Ausdrucke „wesensgleich" sein Bollwerk gegen alle arianische Irrlehre habe. Zu diesem Glauben seien jetzt auch beinahe sämmtlich jene Abendländer wieder zurückgekehrt, welche in Rimini zu einem falschen Schritt verleitet und gezwungen worden seien. Binius meint, daß Papst Liberius mit der Aufnahme dieser Orientalen einen übereilten Schritt gethan und von diesen getäuscht worden sei; 232 dagegen sagt Stilting: nicht alle hier Genannten seien früher Semiarianer gewesen, wohl aber hätten Alle mit diesen Gemeinschaft gehalten; auch sei es zwar nicht Allen mit ihrer Umkehr Ernst gewesen, da später Mehrere theils wieder abgefallen, theils mit Macedonius die Häresie gegen den hl. Geist gelehrt; aber ebenso wenig sei es wahrscheinlich, daß Alle getäuscht hätten, da Einer der Deputirten, Silvanus, von dem hl. Basilius öfter in seinen Briefen als Heiliger erwähnt wird.
§ 1
Den geliebten Brüdern und Mitdienern Evethius, Cyrillus, Hyperechius, Uranius, Hero, Elpidius, Maximus, Eusebius, Eucarpius, Heortasius, Neo, Eumathius, Faustinus, Proclinus Pasinicus, Arsenius, Severus, Didymion, Britanius, Callicentes, Dolmatius, Ädesius, Eustachius, Ambrosius, Gelonius, Pardalius, Macedonius, Paulus, Marcellus, Heraclius, Alexander, Adolius, Marcianus, Rhenelus, Johannes, Macer,Charisius, Silvanus, Photinus, Antoniu" Anythus, Celsus, Euphranor, Milesius, Patricius, Severianus, Eusebius, Eumolpius, Athanasius, Diophantus, Menodorus. Dio- 233 cles, Chrysampelus, NeoEugenius, Eustathius, Callicrates. Arsenius, Eugenius, Martyrius, Hieracius, Leontius, Philagrius, Lucius und allen orthodoxen Bischöfen des Morgenlandes (wünschen) Bischof Liberius und die Bischöfe Italiens und des Abendlandes ewiges Heil im Herrn.
Die erwünschlichste Freude über den Frieden und die Eintracht brachte uns euer Schreiben, ihr mit dem Lichte des Glaubens Vorleuchtenden, geliebte Brüder, welches uns von den theuersten Brüdern und Bischöfen Eustathius, SilvanuS und Theophilus überreicht wurde, und zwar vorzüglich darüber, weil sie versicherten und bewiesen, daß euere Meinung und euere Gesinnung übereinstimme und im Einklänge sei mit unserer Wenigkeit und mit denen in Italien und des ganzen Abendlandes; wir erkennen hierin den katholischen und apostolischen Glauben, welcher bis zur nicänischen Synode rein und unerschütterlich geblieben; diesen nun erklärten sie auch zu haben und bekannten ihn, indem sie von Freude erfüllt alle Spur und alle Überbleibsel der thörichten Irrlehre wegwarfen, nicht nur durch das Wort, sondern auch schriftlich. Wir hielten es für nothwendig, eine Abschrift hievon diesem Briefe beizufügen, damit wir den Häretikern keinen Vorwand zu abermaligen Nachstellungen lassen, bei welchen sie wieder, die Gluth ihrer Bosheit anschürend, in gewohnter Weise das Feuer der Zwietracht anfachen.
§ 2
Überdieß bekannten unsere theuersten Brüder Eustathius, Silvanus und Theophilus auch das, daß sowohl sie 234 selbst als auch euere Liebe stets denselben Glauben gehabt und denselben bis zum Ende bewahren werde, den nemlich, welcher in Nicäa von 318 orthodoxen Bischöfen geprüft und festgesetzt wurde, welcher auch die vollständige Wahrheit umfaßt und alle Schaaren der Häretiker widerlegt und vernichtet. Denn nicht von ungefähr, sondern nach Gottes Anordnung versammelte sich eine so große Anzahl von Bischöfen gegen den Wahnsinn des Arius; hat doch auch Abraham (Gen. 14, 14) mit einer ebenso großen Zahl viele Tausende durch den Glauben besiegt. Dieser Glaube, welcher in dem Worte „Hypostase" und „wesensgleich" enthalten ist, zerstört und vernichtet wie ein festes und unbezwingliches Bollwerk alle Angriffe und bösen Anschläge der arianischen Irrlehre.
§ 3
Deßhalb, als alle Bischöfe des Abendlandes nach Rimini zusammengekommen waren, wohin sie die Arglist der Arianer berufen hatte, damit sie entweder durch irgend eine Überredung oder, richtiger gesagt, durch weltliche Gewalt (gezwungen) das, was als das Sicherste im Glauben niedergelegt war, aufheben oder hinterlistig leugnen sollten, hat ihre Verschmitztheit ihnen Nichts genützt. Denn fast alle Jene, welche in Rimini waren und damals durch Lockungen oder List getäuscht wurden, haben sich jetzt bekehrt, die Formel der in Rimini Versammelten anathematizirt und den katholischen und apostolischen, in Nicäa verkündigten Glauben unterschrieben; sie halten jetzt mit uns Gemeinschaft und hegen um so größeren Unwillen gegen 235 die Lehre des Arius und seiner Schüler. Als die Gesandten euerer Liebe den Beweis dieser Thatsache sahen, vereinigten sie euch selbst in ihrer Unterschrift, indem sie sowohl den AriuS als auch das zu Rimini gegen den in Nicäa verkündigten Glauben Geschehene mit dem Banne belegten, wodurch ihr selbst, die ihr durch Meineide hintergangen worden seid, euere Unterschrift gegeben habt.
§ 4
Deßhalb schien es uns entsprechend, an euere Liebe zu schreiben und denen, welche das Rechte suchen, zu Hilfe zu kommen, besonders, da wir aus dem Bekenntnisse euerer Gesandten ersahen, daß die Orientalen mit den rechtgläubigen Occidentalen übereinstimmen. Wir machen euch (Dieß) kund, damit ihr wisset, daß die Gotteslästerungen von Rimini auch von denen, welche als damals durch List Bethörte erscheinen, jetzt mit dem Banne belegt sind, und daß Alle dem nicänischen Glauben beigestimmt haben. Aber auch ihr müßt dieß Allen zu wissen machen, damit die durch Zwang Bethörten endlich einmal aus der Finsterniß der Häresie sich zu dem göttlichen Lichte der katholischen Freiheit erheben können. Diejenigen aber, welche nach dieser Synode das Gift der gottlosen Lehre nicht ausspeien und nicht alle Gotteslästerungen des Arius verwerfen und mit dem Banne belegen wollen, sollen wissen, daß auch sie mit dem Arius und seinen Schülern und den übrigen Schlangen, seien es Sabellianer oder Patripassianer oder welche andere Häresie immer, von dem Bunde und der Gemeinschaft der Kirche, welche die Söhne des Ehebruchesnicht zuläßt, ausgeschlossen seien. Gott erhalte euch unversehrt, geliebte Brüder! 237