Da nach dem Concil von Arles der Kaiser von allen Bischöfen, namentlich Italiens verlangte, daß sie der Gemeinschaft mit Athanasius entsagen sollten, war deren Lage eine sehr gefährliche. Viele waren muthlos; da stand Lucifer, Bischof von Calaris in Sardinien, auf, zeigte, daß der Angriff auf Athanasius nichts Anderes sei als eine Verfolgung der nicänischen Lehre, und erbot sich, als päpstlicher Gesandter an das Hoflager zu gehen, um den Kaiser, wo möglich, auf bessere Wege zu bringen. Mit gegenwär- 204 tigem Schreiben theilt Liberius seine Freude hierüber dem Bischöfe Eusebius mit und bittet ihn, Lucifer in seinem Unternehmen beizustehen; der Brief ist vom J. 354, aber nach den 2 vorhergehenden geschrieben.
Liberius, Bischof, dem geliebtesten Bruder Eusebius. 1. Trost für dieses Leben und Freude bereitet mir, teuerster Bruder, dein unbesiegbarer Glaube, in welchem du, den evangelischen Vorschriften folgend, in keiner Weise von der Gemeinschaft mit dem apostolischen Stuhle abgewichen bist; denn ich glaube, daß du es nicht ohne Antrieb Gottes, welcher die Würdigen im Priesterthume an sich fesselt, durch seine Gnade vollbracht hast. Nachdem also Vincentius nach seiner Bestellung zum Gesandten sich zur jener Heuchelei verleiten ließ und auch die übrigen Bischöfe Italiens in öffentlicher Versammlung gezwungen wurden, den Aussprüchen der Orientalen zu folgen, da kam durch Gottes Fügung unser Bruder und Mitbischof Lucifer von Sardinien, welcher sich, da er die geheimen, im Innern der Sache verborgenen Anschläge kennen gelernt und erfahren hatte, daß die Häretiker diese unter dem Vorwande des Namens Athanasius ausführen wollen, nach seiner Ehrerbietung für den Glauben bereit erklärte, sich der gerechten Mühe zu unterziehen und an das Hoflager des frommen Fürsten zu gehen, um nach Darlegung des ganzen Sachverhaltes durchzusetzen, daß Alles, was vorgebracht wurde, in der Versammlung der Priester Gottes verhandelt werden könne. 205
2. Deßhalb, weil ich weiß, daß Dein hl. Eifer für den Glauben mit seiner Gesinnung übereinstimme, bitte ich deine Klugheit, daß du, wenn er durch Gottes Fügung dich zur Seite haben wird, durch alle nur möglichen Personen auf das eifrigste dafür sorgen mögest, daß ihr Alles, was der katholische Glaube fordert, dem gütigsten Kaiser an’s Herz legen könnet, damit er endlich einmal seine Erbitterung ablege und thue, was sowohl unserer Ruhe als auch seinem Heile ersprießlich ist. Ich hielt es aber für überflüssig, Deiner Ehrwürdigkeit die Anordnung der ganzen Angelegenheit schriftlich bekannt zu geben, da mein obengenannter Bruder und seine Gefährten Dir Alles persönlich mittheilen können. Gott erhalte Dich unversehrt, theuerster Herr Bruder!