Die vom Papste so sehnlichst gewünschte Synode kam wohl im (Anfange des) J. 355 in Mailand zu Stande, wo sich damals der Kaiser aufhielt; allein die großen Erwartungen, welche der Papst an dieselbe knüpfte, sollten bitter vereitelt werden. Der Kaiser brachte es durch persönliches gewaltsames Auftreten, durch Drohungen mit Tod und Exil dahin, daß mit Übergehung der dogmatischen Frage alle Anwesenden eine Verurtheilungssentenz des Athanasius unterschrieben, mit Ausnahme des Eusebius von Vercelli, Dionysius von Mailand und Lucifer von Calaris und der zwei römischen Gesandten Pancratius und Hilarius; dafür wurden diese verbannt und zwar Eusebius nach Scythopolis in Palästina, Dionysius nach Cappadocien, Lucifer nach Germanicia in Syrien, der Diakon Marius aber zuvor 216 noch mit Ruthen gestrichen. An Diese nun ist unser Schreiben gerichtet, welches also beiläufig im Sommer des J. 355 abgesandt wurde; Liberius preiset sie ob ihres heroischen Bekenntnisses glücklich, gibt seiner Sehnsucht nach dem Exil Ausdruck und ersucht sie um einen Bericht über die Vorgänge auf der Mailänder Synode. Ob dieses Schreiben nur an jene drei Bischöfe gerichtet war, Pancratius und Hilarius aber ein anderes erhielten, oder ob dasselbe auch Diesen überbracht wurde, wie man aus einer von Baroniuserwähnten Überschrift des Briefes in einem vaticanischen Codex vermuthen könnte, wo es heißt: „an Eusebius und die übrigen verbannten Bischöfe Dionysius und alle Anderen," bleibt ungewiß.
1. Obwohl unter dem Scheine des Friedens der Feind des Menschengeschlechtes gegen die Glieder der Kirche gewüthet zu haben scheint, so hat doch euch, im Herrn wohlgefälligste Priester, der ausgezeichnete und besondere Glaube sowohl hier als bewährt vor Gott gezeigt, als auch schon für die zukünftige Herrlichkeit als Märtyrer bezeichnet. Wie ich das Verdienst euerer Tugend lobpreisend und frohlockend verkündigen soll, der ich zwischen die Trauer über euere Abwesenheit und die Freude über eueren Ruhm gestellt bin, dafür kann ich ietzt keine Worte finden; ich weiß nur, daß ich euch wahrscheinlicher damit trösten kann, daß ihr glaubet, auch ich sei mit euch in die Verbannung verstoßen. Aber auch das betrübt mich, da ich mich noch in dieser Erwartung schweben sehe, daß mich indessen, eine gar harte Nothwendigkeit von euerer Gemeinschaft fern hält. Denn 217 ich, gottseligste Brüder, hatte gewünscht, zuerst für euch alle geopfert zu werden, auf daß dem durch mich (gegebenen) Beispiele des Ruhmes vielmehr eure Liebe folge. Aber es mag die Palme euerer Verdienste gewesen sein, daß ihr zuerst von der Standhaftigkeit des Glaubens zu dem glänzenden Ruhme des Bekenntnisses gelangt seid. Darum bitte ich euere Liebe, daß ihr glaubet, ich sei bei euch gegenwärtig, und denket, ich sei nicht mit jener Sehnsucht (von euch) abwesend, sondern wisset, daß ich über meine einstweilige Trennung von euerer Gemeinschaft sehr betrübt bin. Welch’ großen Ruhm ihr aber erlangt habt, könnt ihr noch mehr daraus erkennen, daß die in der Verfolgung Gekrönten nur des Verfolgers blutiges Schwert fühlen konnten, ihr aber, in Allem ergebene Streiter Gottes, habt auch falsche Brüder zu Feinden gehabt und über die Treulosigkeit den Sieg errungen; und je größer deren Gewalt in der Welt werden konnte, desto größeren Lohn und Ruhm verschafften sie den Heiligen Priestern.
2. So seid denn der himmlischen Verheissung versichert, und da ihr Gott näher gebracht seid, so unterstützet durch euere Gebete mich. eueren Mitpriester und Diener Gottes, bei dem Herrn, daß wir die noch bevorstehenden Angriffe, welche sich von Tag zu Tag ankündigen und immer tiefere Wunden schlagen, geduldig ertragen können, daß, wenn der Glaube unverletzt und der Stand der katholischen Kirche bewahrt bleibt, der Herr mich euch gleich zu machen würdige. Und weil ich die Vorgänge auf jener Versammlung genauer zn wünschen wisse, so bitte ich euere Heiligkeit, mir Alles schriftlich getreu mittheilen zu wollen, damit sowohl (mein) Geist, welcher durch verschiedene Gerüchte gepeinigt wird, und auch die schon geschwächten Kräfte des Leibes aus euerer Ermahnung größeren Zuwachs empfangen mögen. [Von anderer Hand:] Gott beschütze euch unversehrt, (meine) Herrn Brüder! 218