Da die Mission des Eunuchen Eusebius gscheitert war, beauftragte Kaiser Constantius den römischen Stadt- 221 präfecten Leontius, daß er den Bischof Liberius zu ihm nach Mailand bringe; hier wurde vom Kaiser persönlich der Versuch erneuert, Liberius für seine Pläne zu gewinnen; das hierüber geführte Gespräch zwischen Llberius einerseits, dem Kaiser, Eusebius und dem Bischofe Epictetus andererseits wurde, wie Theodoretus, welchem wir dasselbe verdankenin den einleitenden Worten sagt, von frommen Männern niedergeschrieben; 3 Tage hierauf wurde Liberius verbannt; es geschah Dieß gegen Ende des J. 355.
Der Kaiser Constantius sagte: Da du ein Christ und der Bischof unserer Stadt bist, beschloßen wir, dich hieher zu berufen und aufzufordern, daß du die Gemeinschaft des verabscheuungswürdigen Wahnsinnes des gottlosen Athanasius aufgebest. Dieß nemlich erklärte der ganze Erdkreis für recht und verurtheilte ihn durch einen Synodalbeschluß für ausgeschlossen aus der kirchlichen Gemeinschaft. Der Bischof Liberius sagte: Die kirchlichen Gerichte, o Kaiser, müssen mit großer Gerechtigkeit gehalten werden; deßhalb laß, wenn es deiner Frömmigkeit gefällt, ein Gericht zusammensetzen, und wenn Athanasius die Verurtheilung zu verdienen scheint, dann wird auch nach der kirchlichen Norm das Urtheil gegen ihn gefällt werden; denn wir können einen Mann nicht verurtheilen, den wir nicht gerichtet haben. Kaiser Constantius sagte: Der ganze Erdkreis hat über seine Gottlosigkeit abgeurtheilt, und er spottet jetzt, wie vom Anbeginn. Bischof Liberius sagte: 222 Alle, welche unterschrieben haben, waren nicht Augenzeugen des Geschehenen, sondern haben es um des Ruhmes und der Furcht und Beschimpfung von deiner Seite willen gethan. Der Kaiser: Was ist Ruhm und Furcht und Beschimpfung? Liberius: Alle, welche den Ruhm Gottes nicht lieben, haben, deine Geschenke vorziehend, den, welchen sie nicht gesehen hatten, verurtheilt, ohne ihn zu richten; Dieß aber ist Christen fremd.
Der Kaiser: Er ist aber doch auf dem Concil in Tyrus anwesend gerichtet worden, und alle Bischöfe der ganzen Erde haben ihn verurtheilt. Liberius: Niemals ist der Mann persönlich gerichtet worden; denn alle damals Versammelten, welche ihn verurtheilten, verurtheilten ihn ohne Grund, nachdem Athanasius von dem Gerichte sich entfernt hatte. Der Eunuch Eusebius sagte: Auf der Synode inNicäa wurde er als fern vom katholischen Glauben erwiesen.Liberius: Nur fünf richteten von denen, welche mit ihm in die Mareotis geschifft waren, welche Jene abschickten, damit sie gegen den Angeklagten Beweise zusammenbrächten; von den damals Abgesandten sind zwei. gestorben, Theognius und Theodorus, die übrigen drei aber 223 leben, nemlich Maris und Valens und Ursacius; gegen diese Abgesandten aber wurde in Sardika deßhalb das Urtheil gefällt; sie haben (hierauf) auf der SynodeSchriften überreicht und Verzeihung angesucht wegen der Acten gegen Athanasius, welche sie in der Mareotis nach den Verleumdungen eines Theiles zusammengestellt hatten, welche Schriften wir jetzt in Händen haben.Welchem von Diesen sollen wir, o Kaiser, glauben und uns anschließen? Denen, welche früher verurtheilt und dann Verzeihung angesucht haben, oder Jenen, welche jetzt Diese verurtheilt haben? Bischof Epictetussagte: O Kaiser, nicht des Glaubens Wegen oder zur Vertheidigung der kirchlichen Gerichte hält Liberius heute diese Rede, sondern damit er sich bei den Senatoren Roms rühme, er habe den Kaiser überwiesen.
Der Kaiser sagte zu Liberius: Der wievielte Theil der Erde bist du, daß du allein es mit einem gottlosen Menschen hältst und den Frieden der Erde und der ganzen Welt störst? Liberius: Dadurch, daß ich allein bin, wird das Wort des Glaubens nicht verringert; auch einst fanden sich nur drei, welche dem Befehle Widerstand leisteten. Der Eunuch Eusebius sagte: Du machst unsern Kaiser zu deinem Nabuchodonosor. Liberius sagte: Keineswegs, aber ebenso ungerecht verurtheilst du einen Menschen, wel- 224 chen Wir nicht gerichtet haben. Ich aber fordere, daß zuerst eine allgemeine Unterschrift, welche den in Nicäa auseinandergesetzten Glauben bestätigt, vorausgehe, damit so, nachdem unsere Brüder aus der Verbannung zurückgerufen und in ihre eigenen Stühle wieder eingesetzt sind, wenn die, welche jetzt in den Kirchen Unruhen verursachen, als mit dem apostolischen Glauben übereinstimmend sich zeigen, hierauf Alle in Alexandrien zusammenkommen, wo der Angeklagte und die Kläger sind, und deren Vertheidiger und wir uns nach genauer Untersuchung ihrer Angelegenheit über das Urtheil einigen. Bischof Epictetus sagte: Aber die Staatswägen werden zum Transport der Bischöfe nicht hinreichen. Liberius: Die kirchlichen Angelegenheiten bedürfen keines Staatswagens; denn die Kirchen sind im Stande, ihre Bischöfe bis zum Meere hinzuführen.
Der Kaiser: Was einmal schon rechtskräftig geworden ist, kann nicht aufgelöst werden; denn der Beschluß der Mehrzahl der Bischöfe muß in Geltung bleiben; du bist der Einzige, welcher sich um die Freundschaft jenes Gottlosen annimmt. Liberius sagte: Niemals, o Kaiser, haben wir gehört, daß ein Richter in Abwesenheit des Angeklagten denselben der Gottlosigkeit beschuldigt, als ob er gegen den Menschen eine Privatfeindschaft hegte. Der Kaiser: Er hat zwar Allen gemeinsam Unbilden zugefügt, Niemandem aber so wie mir; mit dem Untergange meines älteren Bruders nicht zufrieden, ließ er auch nie ab, den Constans seligen Andenkens zur Feindschaft gegen uns aufzureizen, 225 wenn nicht wir mit größerer Sanftmuth den Angriff des Aufreizenden und Aufgereizten ausgehalten hätten. Kein Sieg gilt mir daher so viel, auch nicht der über Magnentius und Silvanus, als die Entfernung jenes Ruchlosen von (der Verwaltung) der kirchlichen Angelegenheiten. Liberius: Mögest du, o Kaiser, deine Feindschaften nicht durch die Bischöfe rächen; denn die Hände der kirchlichen (Personen) dienen zum Heiligen und Segnen. So befiehl denn, wenn es dir gefällt, daß die Bischöfe an ihre eigenen Orte zurückberufen werden, und wenn sie mit dem, welcher heute den zu Nicäa auseinandergesetzten orthodoxen Glauben vertheidigt, sich übereinstimmend zeigen, dann mögen sie zusammenkommen und für den Frieden der Welt sorgen, damit nicht ein Mann, der Nichts gefehlt hat, gebrandmarkt erscheine. Der Kaiser: Eines ist der Gegenstand der Frage; denn ich will dich, sobald du die Gemeinschaft mit den Kirchen aufgenommen hast, nach Rom zurückschicken; laß dich daher zum Frieden bestimmen und kehre, nachdem du unterschrieben, nach Rom zurück. Liberius: Schon habe ich den Brüdern in Rom Lebewohl gesagt; denn die kirchlichen Gesetze stehen höher als der Aufenthalt in Rom. Der Kaiser: Drei Tage Bedenkzeit hast du, ob du unterschreiben und nach Rom zurückkehren willst, oder zu überlegen, an welchen Ort du verbannt zu werden wünschest. Liberius: Drei Tage oder (drei) Monate Bedenkzeit ändert den Entschluß nicht; schicke mich daher, wohin du willst!
Als der Kaiser zwei Tage darauf Liberius berief und Dieser von seinem Entschlüsse nicht zurückwich, erklärte er, daß er nach Beröa in Thracien verbannt werde. Nachdem Liberius hinausgegangen, schickte ihm der Kaiser 500 Solidi 226 zur Bestreitung der Kosten. Liberius aber sagte dem Überbringer: Geb’, gib sie dem Kaiser, er hat ihrer nöthig, um sie den Soldaten zu geben. Ebenso viel schickte ihm auch die Kaiserin; Liberius sagte: Gib sie dem Kaiser zurück, denn er bedarf ihrer für den Soldatensold; wenn sie aber der Kaiser nicht braucht, so gib sie dem Auxentius und Epictetus; denn die brauchen sie. Weil er sie nun von ihnen nicht annahm, so brachte ihm der Eunuch Eusebius andere; Liberius aber sagte ihm: Die Kirchen der Erde hast du verödet, mir aber bringsts du ein Almosen wie einem Schuldigen; geh’ hinweg, werde zuerst ein Christ!