Die Lächerlichkeiten der Magie scheitern an Mond und Kirche: Paulus und Elymas: Petrus und Simon Magus.
§ 31
160 Solltest du dich nun wundern, wie der Mond eine Abnahme erleiden kann, nachdem doch sein Wechsel eine so gewaltige Kraftwirkung äußert, so bedenke, daß auch hierin ein großes Geheimnis liegt. An seinem Beispiele erkennst du, o Mensch, daß es unter den menschlichen Dingen und in der ganzen Weltschöpfung nichts geben kann, was nicht einmal vergehen wird. Wenn selbst der Mond, den der Herr mit dem so erhabenen Dienste, den Erdkreis zu beleuchten, betraute, wächst und wieder abnimmt alles eben, was aus dem Nichts hervorgegangen zur vollen Entwicklung gelangt, nimmt ab und nimmt von neuem ab, wenn es von neuem zur Entwicklung gelangt; denn „Himmel und Erde werden vergehen“ ; wie sollten wir daraus nicht die Lebensregel ableiten einerseits in Widerwärtigkeit die Fassung nicht zu verlieren er, der alles aus dem Nichts gemacht hat, ist ja leicht imstande, dich auch zum Höchsten und Vollkommenen emporzuführen , anderseits im Glück uns nicht zu überheben, nicht irgendwie auf Macht und Reichtum uns etwas zugute zu tun. nicht auf Körperkraft und schönheit, die so leicht der Vergänglichkeit, so häufig der Veränderlichkeit anheimfallen, zu pochen, sondern nach geistigem Gnadenbesitz von bleibendem Wert für die Zukunft zu streben. Denn wenn dich schon die Abnahme des Mondes traurig stimmt, der sich doch stets verjüngt und erneut; viel trauriger muß es dich stimmen, wenn die Seele,nachdem sie im Tugendfortschritt bereits zur Vollkommenheit gelangt war, nachher wiederum so häufig ihrem Vorsatze untreu wird und aus Unbeständigkeit und Unbedachtsamkeit 161 des Geistes ihren Eifer ändert: ein Beginnen, das Torheit und Unwissenheit verrät. Darum das Schriftwort: „Der Tor wechselt wie der Mond“. Der Weise also wechselt nicht mit dem Monde, sondern „wird beharren mit der Sonne“. Nicht den Mond nun trifft der Vorwurf der Torheit; denn nicht der Mond wechselt wie der Tor, sondern „der Tor wechselt wie der Mond“. So währt ja des Gerechten Nachkommenschaft „gleich dem Vollmond auf ewig, und der Zeuge im Himmel ist getreu“. Etwas anderes besagt: dienstbar sein müssen, etwas anderes bewußt bald so bald anders sich bestiommen lassen und aus schwächlicher Gesinngung keine feste Geistesrichtung einschlagen. Für dich müht der Mond sich, des Willens Gottes wegen ist er unterwürfig; „denn der Vergänglichkeit ist die Schöpfung unterworfen, nicht freiwillig, sondern um dessen willen, welcher sie unterworfen hat auf Hoffnung hin“. Der Mond ändert sich sonach nicht freiwillig, du änderst dich freiwillig. Er „seufzt und liegt in Wehen“, ob seiner Veränderlichkeit, du hast kein Einsehen und lachst häufig dazu. Er harrt mit vieler Sehnsucht auf deine Erlösung, um zur Befreiung aus der allgemeinen Dienstbarkeit der ganzen Schöpfung zu gelangen, du setzt deiner Erlösung wie seiner Befreiung nur Hindernisse entgegen. Deine, nicht seine Torheit ist also schuld, daß auch er noch der Veränderlichkeit unterliegt, solange du auf dich warten läßt und selbst spät dich nicht bekehrst.
§ 32
Beurteile also den Mond nicht nach dem leiblichen Auge, sondern mit dem klaren Blick des Geistes!. Der Mond nimmt ab, um den Dingen ihre Fülle zu geben. Das ist nun ein großes Geheimnis. Dem verdankt er das, der allen Dingen ihre Ausstattung verliehen hat. Jener entäußerte ihn, daß er diese Fülle 162 spende, der auch sich selbst entäußert hat, um alle Dinge zu erfüllen. Er hat sich nämlich entäußert, um für uns herabzusteigen, um für alle aufzufahren; denn „aufgefahren, so heißt es, ist er über die Himmel, damit er alles erfülle“. Er also, der in Selbstentäußerung erschienen, hat aus seiner Fülle die Apostel erfüllt. Darum versichert einer von ihnen: „Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen“. So kündete also der Mond das Geheimnis Christi an. Nichts Geringes ist er, in welchen Christus sein Zeichen setzte; nichts Geringes, der ein Bild der geliebten Kirche darstellt. Das zeigte der Prophet mit den Worten an: „Aufgehen wird in seinen Tagen die Gerechtigkeit und des Friedens Fülle, bis weggenommen wird der Mond“. Und im Hohen Liede spricht der Herr von seiner Braut: „Wer ist doch die, welche hervorschaut wie das Morgenrot, herrlich wie der Mond, auserlesen wie die Sonne?“ Und mit Recht gleicht die Kirche dem Monde: Auch sie leuchtet der ganzen Welt und ruft, die Finsternis dieser Welt aufhellend,aus: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht“. Sinnig heißt es: „welche hervorschaut“, als blickte sie von der Höhe auf die Ihrigen herab. So heißt es ähnlich: „ Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder“. Auch die Kirche nun, die hervorschaut, hat wie der Mond ihre oftmalige Abnahme und Zunahme, aber auf ihre Abnahme wuchs sie und verdiente sich neuen Zuwachs: die Verfolgungen bringen ihr Verlust, das Martyrium der Bekenner Siegeskronen. Sie ist der wahre Mond. Vom unvergänglichen Lichte ihres Brudergestirnes borgt sie das Licht der Unsterblichkeit und Gnade. Denn die Kirche leuchtet nicht im eigenen, sondern im Lichte Christi und entlehnt ihren Glanz von der „Sonne der Gerechtigkeit“, so daß sie sprechen kann: „Ich lebe aber: nicht mehr ich, es lebt aber in mir Christus“. Selig wahrlich [ o Mond], der du so großer 163 Auszeichnung gewürdigt wardst! Selig möchte ich dich preisen nicht wegen deiner Neumonde, sondern als Typus der Kirche. In ersterer Beziehung bist du ja nur unser Diener, in letzterer unser Liebling.
§ 33
Wie lächerlich aber, daß man vielfach wähnt dich mit Zauberforneln beschwören zu können! Alte Weibermärchen und Volksaberglaube! Wer wollte denn glauben, daß ein zu so erhabenem Dienst berufenes Geschöpf Gottes durch chaldäischen Aberglauben sich versuchen ließe? Jener mochte fallen, der in einen Engel des Lichtes sich wandelt und durch seinen eigenen Willen, nicht durch Zaubersprüche von der Höhe gestürzt wurde. Freilich auch damit glaubt man dich, o Kirche, von deiner Stellung und deinem Stande herabstürzen zu können. Viele nahen verführerisch der Kirche, doch der Wahrsagekunst Zaubersprüche können ihr nicht schaden. Nichts vermögen die Zauberer, wo täglich Christi bezaubernder Lobgesang gesungen wird. Ihren ‘Wahrsager’ hat die Kirche am Herrn Jesus, durch welchen sie die Sprüche der wahrsagenden Magier und der Schlangen Gift unwirksam machte. Sie tilgt gleich der erhöhten Schlange die giftigen Nattern und der Ägypter noch so verhängnisvoller Murmelspruch wird im Namen Jesu zu stumpfer Waffe. So hat auch Paulus den Zauberer Elymas mit Blindheit geschlagen, indem er ihm nicht bloß den Seherblick der Wahrsagekunst, sondern auch das Augenlicht nahm. So hat Petrus den Simon, der auf dem Fittiche der Magie zur Himmelshöhe aufstrebte, herabgeschleudert und niedergestreckt, indem er der Gewalt seiner Zaubersprüche den Flügel lähmte.