Athanasius von Alexandrien · Epistula ad Marcellinum · Kapitel 28
Damit also nicht eine solche Verwirrung entstehe, will die Vernunft, daß die Seele, die den Geist Christi hat, wie der Apostel sagt, diesen zum Führer nehme und in diesem ihren Leidenschaften gebiete und über die Glieder des Leibes herrsche, damit sie der Vernunft gehorchen, und damit wie in der Harmonie das Piektrum, so auch der Mensch, zum Psalterium geworden und auf den Geist gerichtet, mit seinem ganzen Wesen, mit allen Gliedern und Bewegungen gehorche und dem Willen Gottes unterthan sei. Bild und Gestalt dieser Ruhe und Windstille in den Reden bietet der melodische Vortrag der Psalmen. Wie wir nämlich in den Worten, die wir vortragen, die Gedanken der Seele zu erkennen geben und ausdrücken, in gleicher Weise hat der Herr, da er wollte, daß die Melodie in den Worten ein Zeichen der geistigen Harmonie in der Seele sei, die Anordnung getroffen, daß die Psalmen melodisch und mit Gesang vorgetragen werden. Und das ist das Verlangen der Seele, daß sie in guter Stimmung sei, wie geschrieben steht: „Ist Jemand fröhlich unter euch, so singe er Lieder. In dieser Weise wird das Verworrene, Rauhe und ungeordnete in ihr geebnet und der Schmerz geheilt, wenn wir singen: „Warum bist Du traurig, meine Seele, und warum betrübst Du mich?“ Und ihr Straucheln wird sie den Worten erkennen: „Meine Füße hätten bald gesträubt. Die Furcht aber wird sie durch die Hoffnung aufrichten, indem sie sagt: „Der Herr ist mein Helfer; ich werde mich nicht fürchten, was mir der Mensch thun wird; und ich werde meine Feinde verachten.“’ 362